«Ich sage Talenten regelmässig ab»

Der Berater der Ostschweizer Eishockey-Talente Kevin Fiala und Timo Meier, Daniel Giger, spricht über die Bedeutung der U18-WM, die heute in der Innerschweiz beginnt. Der frühere Rapperswil-Spieler erklärt auch, warum Meier als Erstrunden-Draft gehandelt wird.

Nicola Berger/Luzern
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Herr Giger, welcher Stellenwert hat die U18-WM?

Daniel Giger: Die WM ist eines der wichtigsten Turniere auf dieser Altersstufe. Eine gute WM kann bewirken, dass ein Spieler im NHL-Draft höher gezogen wird. Gerade für die nicht in Nordamerika engagierten Talente ist die WM ein wichtiges Schaufenster.

Warum profitieren gerade Spieler, die in Europa spielen?

Giger: Traditionell werden die in Nordamerika beschäftigten Spieler für den Draft höher eingeschätzt. Die Entscheidungsträger in der NHL haben Zweifel, wenn jemand in Europa spielt. Sie fragen sich: Wie reagiert einer auf das kleinere Eisfeld? Wie geht er damit um, dass ihn 6000 Kilometer von seiner Familie trennen?

Sie beraten den jungen Ostschweizer Timo Meier, der als nächster Schweizer Erstrunden-Draft gehandelt wird. Er spielt bei Halifax. Warum haben Sie ihn nach Kanada geschickt?

Giger: Das geschieht individuell. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn ein Talent sich in einem anderen Land versucht. Für manche ist der Wechsel nach Nordamerika ungeeignet, weil der Fokus dort mehr auf den Spielen und weniger auf dem Training liegt. Meier hat in Absprache mit seiner Familie den richtigen Entscheid getroffen. Wäre er in der Schweiz geblieben, würde er nicht als Erstrunden-Draft gehandelt.

Unter Spieler-Agenten wird um die Talente gekämpft. Teilweise werden Jugendliche schon im Alter von 13 Jahren angegangen. Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?

Giger: Ich mache das nicht. In Schweden gibt es klare Regeln, dort darf man die Spieler im Alter von 15 Jahren ansprechen. Wer sich nicht daran hält, verliert seine Lizenz. Der Markt ist zwar umkämpft. Ich sage Talenten aber regelmässig ab, weil wir unsere Wunschspieler genau auswählen. Für uns gilt: lieber Qualität statt Quantität.

Die Schweiz hat zuletzt fast jährlich einen Erstrunden-Draft produziert. Hält der Trend an?

Giger: Die Chancen stehen nicht schlecht. Das Schweizer Eishockey geniesst international ein immer besseres Ansehen. Man weiss, dass wir technisch und taktisch bestens ausgebildete Spieler stellen. Das wird geschätzt.

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