«Ich profitierte für die NHL»

Vor elf Jahren hat Niklas Hagman mit Davos den Spengler Cup gewonnen. Gestern verlor der Finne mit Jokerit Helsinki gegen die Bündner 4:5 nach Verlängerung. Danach sprach der finnische Stürmer über seine aussergewöhnlichen Karriere.

Hansruedi Camenisch
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2006 stand der heute 36jährige Niklas Hagman (rechts) in Turin im Olympiafinal, den der Stürmer mit Finnland gegen Schweden 2:3 verlor. (Bild: epa/Bartlomje Zborowski)

2006 stand der heute 36jährige Niklas Hagman (rechts) in Turin im Olympiafinal, den der Stürmer mit Finnland gegen Schweden 2:3 verlor. (Bild: epa/Bartlomje Zborowski)

Herr Hagman, vor elf Jahren stürmten Sie am Spengler Cup für Davos. Mit welchen Gefühlen betraten Sie mit Jokerit Helsinki das Eis gegen Davos?

Niklas Hagman: Ich freute mich sehr auf die Partie. Denn ich wusste, wie grossartig und lautstark die Davoser Anhänger sind. Und die Anhänger hatten wieder einen wichtigen Einfluss. Sie peitschten die Davoser nach ihrem schwierigen Mittelabschnitt und dem 2:4-Rückstand im letzten Drittel und in der Verlängerung richtig an. Vor elf Jahren halfen mir die Anhänger, jetzt logischerweise erneut dem HC Davos.

Was nahmen Sie 2005 aus Davos mit in die NHL?

Hagman: In meinem ersten Jahr nach dem Lockout zahlten sich meine Erfahrungen aus Davos noch nicht voll aus. Aber nach dem Wechsel während der Saison von den Florida Panthers zu den Dallas Stars kam ich in der NHL immer besser in Fahrt. Ja, ich bin stolz auf das Jahr in Davos. Ich profitierte in Davos für meine Zeit in der NHL.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren damaligen Davoser Teamkollegen, den NHL-Stars Joe Thornton und Rick Nash?

Hagman: Seit ich im Sommer 2012 aus Nordamerika nach Europa zurückkehrte und bei Lokomotive Jaroslawl unterschrieb, nicht mehr. Vorher spielte ich in der NHL jeweils in jeder Saison gegen beide. Da nutzten wir die Gelegenheit, um uns über die gemeinsame Zeit in Davos zu unterhalten.

Sie wechselten im Sommer 2012 zu Jaroslawl, ein knappes Jahr nachdem am 7. September 2011 praktisch die ganze Mannschaft bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Wie erlebten Sie die Stimmung während Ihrer Saison in Jaroslawl?

Hagman: Die Clubverantwortlichen gingen mit der Situation sehr gut um. Wir sprachen nicht viel über das schwere Unglück. Aber wir gingen auf die Gräber und in die Kirche, und vor den Spielen hatten wir Momente der Stille. Die ersten Partien mit der neuen Mannschaft waren sehr emotional. Wir spürten überall grosse Unterstützung und versuchten, nach dem grossen Schock und der tiefen Trauer wieder so etwas wie Alltag ins Team zu bringen.

Nach einer Saison in Jaroslawl kehrten Sie nach Finnland zu Ässät Pori zurück. Jetzt bestreiten Sie die zweite Saison für Jokerit Helsinki.

Hagman: Als Jokerit aus der finnischen Meisterschaft in die KHL wechselte, sah ich eine spezielle Chance und Herausforderung. Ich konnte mit meiner Familie weiter in Helsinki wohnen und gleichzeitig in einer sehr guten Liga spielen. Das war für mich die beste Lösung. Ich wollte nicht mehr in die Schweiz, wo ich die vorangegangene Saison bei Fribourg beendet hatte, nachdem Ässät Pori das Playoff verpasst hatte, oder nach Russland wechseln.

Wie reagieren die Finnen darauf, dass Jokerit nicht mehr in der Landesmeisterschaft, sondern in der russisch geprägten KHL spielt?

Hagman: Die Meinungen sind geteilt. In Finnland ist Jokerit der grösste Club, den jedes Team im Land unbedingt besiegen wollte. Ganz speziell waren die Derbys in der Hauptstadt gegen IFK Helsinki. Weil das Zuschauerinteresse gegen Jokerit immer sehr gross war, verdienten die Clubs in diesen Spielen gutes Geld. Seit wir in der KHL spielen, kommen auch viele Leute von ausserhalb Helsinkis zu unseren Spielen, um uns und die vorwiegend russischen Teams zu sehen. Die Zuschauer erfreuen sich immer mehr an diesen Begegnungen und natürlich auch daran, dass wir vorne mitmischen.

Sie spielen insgesamt neun Jahre in der NHL; jetzt bestreiten Sie ihre dritte Saison in der KHL. Wo orten Sie die grössten Unterschiede zwischen den beiden prominentesten Eishockeyligen der Welt?

Hagman: In der NHL sind die kleineren Eisrinks Standard. In der KHL gibt es grössere und kleinere Spielfelder; auf den kleineren haben die Heimteams einen deutlichen Vorteil. In der NHL wird körperbetonter gespielt, in der KHL kommen die läuferischen und technischen Qualitäten besser zur Geltung.

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