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Interview

Lichtsteiner: «Ich musste aus der Komfortzone raus»

Stephan Lichtsteiner (34) steht neu bei Arsenal unter Vertrag. Im Interview erklärt der Schweizer Nationalspieler, warum für ihn das Alter keine Rolle spielt und weshalb ihn die Premier League reizt.
Raphael Gutzwiller und Etienne Wuillemin, Lugano
Schweiz-Captain Stephan Lichtsteiner fühlt sich mit 34 noch körperlich fit. «Es geht immer wieder darum, das Limit zu suchen», sagt er. Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Lugano, 6. Juni 2018)

Schweiz-Captain Stephan Lichtsteiner fühlt sich mit 34 noch körperlich fit. «Es geht immer wieder darum, das Limit zu suchen», sagt er. Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Lugano, 6. Juni 2018)

Stephan Lichtsteiner, warum haben Sie sich für den Wechsel zu Arsenal entschieden?

Arsenal hat ein ähnliches Projekt, wie ich es schon vor sieben Jahren mit Juventus erlebt hatte. Juventus kam damals ebenfalls aus einer Phase, in der man sich nicht für die Champions League qualifizieren konnte. Dies zu erreichen, ist das erste Ziel mit Arsenal. Ein Verein wie Arsenal mit diesem Stadion, der grossen Fangemeinschaft und diesem Team muss unbedingt zurück in die Champions League.

Was bedeutet Ihnen der Wechsel persönlich?

Er ist eine neue Herausforderung. Ich wollte von Juventus weg, weil ich aus der Komfortzone raus musste. Ich habe 14 Titel in sieben Jahren geholt, stand zweimal im Champions-League-Final. Bei Juventus war ich ein Topspieler, eine Legende. Da konnte man sich auch mal ein bisschen mehr erlauben. Das ist nun ganz anders. Die Erwartungshaltung ist gross, wenn ein 100-facher Nationalspieler kommt, der so viele Titel geholt hat. Diese Herausforderung brauche ich. Und ich bin überzeugt, dass wir mit Arsenal die gesteckten Ziele erreichen können.

Wie wollen Sie Ihre grosse Erfahrung an das Team weitergeben?

Das Wichtigste ist, dass man die Leistung bringt. Zudem bin ich mir bewusst, dass man im Alter als Erster angegriffen wird, wenn man nicht gewinnt. Als 34-Jähriger ist man schon zu alt, bevor überhaupt angepfiffen wird. Es geht immer wieder darum, das Limit zu suchen. Ich fühle mich körperlich noch in der Lage, 25 bis 30 Spiele pro Saison auf einem Top-Niveau zu bestreiten. Wenn der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht, bin ich der Erste, der sagt, dass ich kürzertreten werde.

Irritiert Sie die Altersdiskussion? Es geht ja eigentlich nur darum, welche Leistung ein Spieler zeigt.

Mich interessieren die ganzen Diskussionen, die es um uns Fussballer gibt, sowieso nicht. Nur wenige Menschen wissen, worum es auf diesem Niveau geht. Viele schauen und spielen Fussball. Viele meinen darum, sie seien Experten. Deshalb steckt so viel Geld im Fussball, wovon wir Spieler auch profitieren. Darum müssen wir auch mit solchen Diskussionen leben und umgehen können.

Ist die Altersfrage auch innerhalb einer Mannschaft ein Thema?

Klar hoffen die jüngeren Konkurrenten, dass welche aufhören, damit Plätze frei werden in der Startelf. Das ist auch richtig so. Es ist wichtig, dass man innerhalb einer Mannschaft die Konkurrenz spürt. Diese braucht es, damit man nicht stagniert. Ansonsten würde man irgendeinmal faul werden und denken, man spiele sowieso immer jedes Spiel. Dann wird man auch keine Topleistungen mehr abrufen können. Die Konkurrenz ist immer wichtig – egal wie alt ein Spieler ist.

Bei Arsenal ist der direkte Konkurrent Héctor Bellerín (23). Wie sehen Sie sich selber im Vergleich mit ihm?

Es geht nicht um den Vergleich. Wir sind nicht Gegner, sondern spielen gemeinsam für Arsenal. Mit einem Spitzenteam wie Arsenal bestreitet man extrem viele Spiele. Weder ein 34-Jähriger noch ein 23-Jähriger wird es schaffen, 50 bis 60 Spiele auf dem allerhöchsten Niveau zu bestreiten. Darum werden wir uns die Spiele so aufteilen, dass derjenige, der spielt, immer die beste Leistung für den Verein abrufen kann. Bei einem Verein wie Arsenal können zwei, drei Punkte mehr oder weniger massgebend sein für die gesamte Saisonbilanz.

Wie haben Sie die Entwicklung der Premier League wahrgenommen?

In der Premier League gibt es viele Topmannschaften, das ist eine extreme Herausforderung. Ähnlich war es auch in der Serie A, wo es mit Juventus Turin, AC Milan, Lazio Rom, Inter Mailand, AS Roma oder Napoli mehrere Topvereine gibt. Das ist in England jedoch sicher noch ausgeprägter. In Deutschland oder in Spanien ist das Leistungsgefälle innerhalb der Liga aber grösser. Dort gibt es Topteams, die sich deutlich vom Rest abheben.

War dies der Grund, weshalb Sie sich für Arsenal und nicht für die Bundesliga entschieden haben, obwohl Sie auch von dort Angebote erhielten?

Für mich war Arsenal immer die erste Option, da mir das Projekt und das Team in London am besten gefallen haben. Die anderen Angebote hörte ich mir natürlich auch an, aber Arsenal blieb mein Favorit.

Haben Sie sich mit Neu-Klubkollege Granit Xhaka über den Wechsel unterhalten?

Ich kenne Granit schon lange und schätze ihn sehr. Ich hoffe, dass wir zusammen Fortschritte machen werden und irgendwann gemeinsam einen Pokal in den Himmel stemmen können. Aber über den Wechsel musste ich mit ihm gar nicht gross sprechen, da mich das Projekt Arsenal sowieso schon voll überzeugt hatte.

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