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Roger Federer: «Ich muss nicht alle Bestmarken brechen»

Mit seinem 100. Turniersieg stellte Roger Federer eine Marke auf, die kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. Er wolle den Rekorden nicht mehr verbissen hinterherjagen, sagt der 37-Jährige.
Jörg Allmeroth, Dubai
«Ich weiss, dass ich vielen in ihrer Karriere im Weg stand», sagt Roger Federer. (Bild: Francois Nel/Getty (Dubai, 2. März 2019))

«Ich weiss, dass ich vielen in ihrer Karriere im Weg stand», sagt Roger Federer. (Bild: Francois Nel/Getty (Dubai, 2. März 2019))

In der Players Lounge am Jumeirah Creekside Hotel wurden auch Stunden nach dem «Moment für die Ewigkeit» (Gulf News) noch Champagner, Wein und arabische Köstlichkeiten gereicht. Roger Federer und seine vielköpfige Entourage waren in bester Feierlaune nach dem sagenhaften 100. Karrieretitel, es gab in dieser grossen Nacht des grossen Sieges noch keine Gedanken ans Morgen, an kommende Turniere und Prüfungen. «Es ist ein Traum, der wahr geworden ist für mich», sagte Federer, bevor er sich in sein Luxusapartment an der Dubai Marina aufmachte.

Federer hatte noch vor den ersten Ballwechseln bei den stark besetzten Duty Free Championships leicht genervt auf die dauernden Spekulationen um das Erreichen der Dreistelligkeit reagiert, auf «das Gerede, wann ich die 100 nun endlich schaffe». Doch dann erledigte er das Problemchen auf seine konsequente Art und Weise, quasi im Handstreich am Golf. Zunächst ging Federer die Meilenstein-Mission eher zittrig vom Schläger, später aber war er wieder der vertraute Tennis-Souverän, ganz der elegante und zugleich zupackende Maestro. Fünf Siege binnen sechs Tagen landete er schliesslich in der Zeltdacharena, den letzten im Endspiel gegen einen der Poster-Boys der nächsten Generation, Stefanos Tsitsipas aus Griechenland – dann war das vorerst letzte Meisterwerk geschafft, der 100. Titel seit dem ersten Titel am 4. Februar 2001 in Mailand (gegen den Franzosen Julien Boutter).

6600 Tage lagen dazwischen, eine kleine Ewigkeit, aber Federer blieb sich als Mensch und Charakter stets treu auf diesem Marsch durch die Tennis-Institutionen. Und veränderte sich nur pausenlos in der Vorbildrolle des lebenslangen Lerners und ewigen Reformers. «An dem Tag, an dem du nicht mehr besser werden willst, bist du nicht mehr vorne dabei», sagte er an diesem Abend in Dubai. Ein Satz, der wie so viele Ein- und Ansichten des Schweizers von zeitloser Gültigkeit ist. Federer hat seit den frühen Tagen seiner Karriere nie aufgehört, zu siegen und immer wieder zu siegen.

Der Kult ist ihm ungeheuer

Für ganze Generationen, für ganze Tennisklassen war er der freundliche Spielverderber, das Stoppzeichen auf zwei Beinen. «Ich weiss, dass ich vielen in ihrer Karriere im Weg stand», sagte Federer, «aber mein Respekt ihnen gegenüber ist, dass ich nie Geschenke verteilte». Im Schnitt holte sich Federer über gut 21 Laufbahnjahre alle zweieinhalb Monate einen Titel. Jeder fünfte seiner Pokaltriumphe, also 20, spielte sich auf den grossen Bühnen ab, bei den Grand Slams, die den Stellenwert und das Lebenswerk eines Spielers am ehesten definieren.

Doch in der Stunde seines 100. Titels legte er auch ein flammendes Plädoyer für den Basisbetrieb seines Handwerks ein, für die vielen kleineren und mittelgrossen Turniere. «Hier werden alle Spieler erst erwachsen, hier machen sie die entscheidenden Schritte, hier ist ihre Karriereplattform», sagte Federer, «ich ärgerte mich immer, wenn ich nach einem Turniersieg gefragt wurde: Was bedeutet das für Ihren nächsten Grand Slam-Start?» Federer gab sich die Antwort dann noch einmal demonstrativ selbst: «Jeder Schauplatz, jeder Wettbewerb steht für sich. Und verdient grössten Respekt.»

Federers weltweite Gastspiele haben sich inzwischen zu Hochämtern verselbstständigt, in denen dem 37-jährigen Meisterspieler gehuldigt wird wie einer nicht mehr ganz irdischen Erscheinung. Der unermüdliche Schweizer zieht die Massen an, sorgt in Sieg und Niederlage für extreme emotionale Ausschläge auf den Rängen. Der 100. Karrieretitel im Über-Morgenland am Golf wird den Kult um den vierfachen Familienvater noch weiter anheizen. Ihm selbst ist das am wenigsten geheuer.

Gute Chancen für den Rest des Jahres

Er geniesse natürlich die «Popularität und die Zuneigung der Menschen», sagte Federer in Dubai, «aber ich muss aufpassen, dass ich in all dem Trubel meine Konzentration aufs Tennis behalte». Und tatsächlich will Federer, einfach nur Tennis spielen, auf dem Centre Court das Duell geniessen. Und ansonsten Zeit mit seiner Familie verbringen, mit seiner Frau Mirka und seinen Zwillingstöchtern und Zwillingssöhnen. «Wenn mich die Familie nicht so rückhaltlos unterstützen würde, dann wäre meine Karriere ja schon längst beendet.»

100 Titel – und kein bisschen müde? Für den Augenblick stimmte es nicht. In Dubai fiel beim Gewinner merklich Spannung ab, er war erschöpft, abgekämpft, die Batterie im roten Bereich. Aber für den Rest des Jahres gab und gibt sich Federer weiter «gute Chancen» hier und da. Den Rekorden verbissen hinterherjagen will er aber nicht mehr, aus dem Alter, aus dieser Gefühlslage ist er raus. «Ich muss nicht alle Bestmarken brechen, auch nicht die 109 Titel von Jimmy Connors», sagte Federer.

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