«Ich muss mit nichts fertig werden»

Automobil. Vor einem Jahr überstand Robert Kubica in Montreal einen der fürchterlichsten Unfälle der Formel-1-Neuzeit praktisch unverletzt. Nun kehrt er als WM-Vierter zurück.

Ruth Müller
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Robert Kubica lässt sich für den Erfolg auf keine Kompromisse ein. (Bild: ky/Felix Heyder)

Robert Kubica lässt sich für den Erfolg auf keine Kompromisse ein. (Bild: ky/Felix Heyder)

«Auto, Reifen, Benzin.» Robert Kubicas Antwort auf die Frage, welche drei Dinge er auf die einsame Insel mitnehmen würde, lässt keine Zweifel: Motorsport ist sein Leben. Dass er seiner Leidenschaft auch nach dem schweren Unfall nachgehen kann – sein Rennwagen zerbröselte im Grand Prix von Kanada im Vorjahr an drei verschiedenen Mauern – verdankt er in erster Linie den hohen Sicherheitsstandards der Formel 1. Der Pole hatte aber auch viel Glück. Den Zuschauern und seinem Team blieb die Luft weg. Doch Wunder gibt es immer wieder: Der Pole wurde mit einer leichten Hirnerschütterung und einem verstauchten Knöchel aus jenem Wrack geborgen, das einmal ein BMW-Sauber F1.07 war.

So viele Punkte wie möglich

Innert Sekunden wurde Kubica so zu einem der berühmtesten Rennfahrer der Formel-1-Geschichte. Danach ein Rennen aussetzen zu müssen, sei für ihn das Schlimmste am Unfall gewesen. Eine Woche später war der Pole beim GP der USA in Indianapolis aus Sicherheitsgründen nur Zuschauer. Weitere zwei Wochen später meldete er sich mit einem vierten Rang in Magny-Cours zurück. Weil der damals 22jährige diesen Unfall so gut wegsteckte, bekam er den Übernamen «Coolica». Am Wochenende kehrt er voller Selbstvertrauen nach Montreal zurück: «Was 2007 geschehen ist, beeinflusst mich nicht. Ich bin seither immer wieder gefahren, ohne mir Gedanken zu machen. Also muss ich hier mit gar nichts fertig werden. Montreal ist eine meiner Lieblingsstrecken. Ich gehe dorthin, mit dem Ziel, so viele Punkte wie möglich zu holen.» Unbeirrt geht Kubica seinen Weg. Und lässt sich für den Erfolg auf keine Kompromisse ein. Als er bei den Wintertests vernahm, die Ingenieure wünschten, fünf Kilo mehr Ballast an der Front des Autos anzubringen, legte sich der Pole kurzerhand eine Radikaldiät auf. Keine Kohlenhydrate, keine Milchprodukte. Als er fünf Wochen später in Melbourne zum Saisonstart ankam, wog der 1,84 m grosse Pilot statt 78 noch 73 Kilo. Das eingesparte Gewicht konnte dort plaziert werden, wo es die Balance des Autos verbessert. Und Kubica war von Anfang an schnell. Nach sechs Rennen ist er WM-Vierter mit 32 Punkten. Nur Lewis Hamilton (38), Kimi Räikkönen (35) und Felipe Massa (34) sind vor ihm klassiert.

Erste Pole Position in Bahrain

2007 hatte Kubica mit der technischen Unzuverlässigkeit seines Autos zu kämpfen und geriet deshalb ins Hintertreffen. Die Abschaffung der elektronischen Fahrhilfen sagte dem Polen zu. Seine Aggressivität und perfekte Fahrzeugbeherrschung passt besser zum F1.08 als Nick Heidfelds runder, weicher Fahrstil. Das kommt vor allem im Qualifying zum Tragen, wo es gilt, auf einer Runde möglichst viel Temperatur in die Reifen zu bringen. Kubica führt im teaminternen Zweikampf 6:0. Im Rennen setzt er seine Möglichkeiten um und begeht kaum Fehler. Zweiter, Dritter, Vierter, Vierter, Zweiter – dies seine bisherigen Plazierungen. Dazu kommt die erste Pole Position, die er für BMW-Sauber in Bahrain herausfuhr. Für Heidfeld ist Kubicas Dominanz eine neue Situation. Dies macht die Konkurrenz hellhörig: Kubica, dessen Vertrag Ende Jahr ausläuft, wird in Verbindung mit Ferrari gebracht. BMW hat eine Option auf ihn, die bis Mitte September eingelöst werden muss. Teamchef Mario Theissen sagt: «Die Fahrer für 2009 werden wir im Sommer bekanntgeben.» Von Kubica, der mit 2,4 Millionen Dollar rund viermal weniger verdient als sein deutscher Teamkollege, ist er überzeugt: «Nach den drei Podestplätzen im ersten Saisondrittel weiss er, dass er bereit ist, ein Rennen zu gewinnen.» Morgen bietet sich ihm die nächste Gelegenheit.

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