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«Ich meide das Rampenlicht»

FRAUENFELD. Seit 1972 macht der Frauenfelder Friedrich Kappeler Filme. Das Cinema Luna richtet dem Bildgestalter jetzt eine Retrospektive aus.
Friedrich Kappeler an einem seiner Lieblingsplätze: Zwischen Erlen am Hüttwilersee. (Bild: Peter Würmli)

Friedrich Kappeler an einem seiner Lieblingsplätze: Zwischen Erlen am Hüttwilersee. (Bild: Peter Würmli)

14 Filme in 39 Jahren – ist das viel oder wenig?

Friedrich Kappeler: Die Anzahl Filme hängt auch mit den Produktionsumständen zusammen. Ich hätte gerne den einen oder anderen Film mehr gemacht; hingegen bin ich mit der Qualität meiner Arbeiten halbwegs versöhnt.

Sie haben Fotografie studiert, dann Filmregie, im Telefonbuch steht «Filmschaffender Fotograf».

Kappeler: Der Eintrag «Filmer» war nicht möglich. Mit 14 habe ich zu filmen begonnen, war in der Kantizeit Mitglied des Amateurfilmclubs Frauenfeld. Mein Vater wünschte sich, dass ich den Familienbetrieb übernehme. Hätte ich Gerber gelernt, wäre ich längst brotlos – die Gerberei Kappeler schloss 1994.

Wären Sie nicht gern Chef gewesen?

Kappeler: Das liegt mir nicht. Obwohl ich als Filmemacher quasi mein eigener Chef bin.

Sie arbeiten oft mit Kameramann Pio Corradi und Cutterin Mirjam Krakenberger zusammen.

Kappeler: Ich brauche die Zuverlässigkeit eines eingespielten Teams, das ähnlich tickt. Früher habe ich alles selber gemacht.

Wie wichtig ist der Schnitt?

Kappeler: Extrem wichtig. Er verleiht einem Film Rhythmus und Musikalität.

Sie haben einen einzigen Spielfilm gedreht. Haben es Dokumentarfilme leichter in der Schweiz?

Kappeler: In den Schweizer Kinos haben sie mehr Gewicht als im Ausland. Bei den Spielfilmen wünschte ich mir mehr Eigenständigkeit – Regisseure schielen zu sehr nach Vorbildern.

Ihr nächster Film?

Kappeler: Wieder ein Dokumentarfilm. Ich habe das Drehbuch über eine Familiengeschichte geschrieben; die Filmförderung hat es allerdings abgelehnt.

Sie porträtieren vor allem Künstler und Aussenseiter, lebende und verstorbene. Was fällt Ihnen leichter?

Kappeler: Adolf Dietrich hätte kaum viel von sich erzählen wollen. Bei Verstorbenen ist es wichtig, Schlüsselfiguren zu finden: bei Mani Matter etwa die Familie, bei Varlin die Tochter und Nachlassverwalterin. Noch lebende Personen lassen auch ihre Eigensicht in den Film fliessen. Dimitri gab sich als Clown, mir fehlten die Schwächen, die Einsichten in die Person.

Wie hat Gerhard Meier reagiert, als Sie Ihren Film nach dem Tod seiner Frau Dorli mit neuen Szenen ergänzen wollten?

Kappeler: Zuerst hatte er sich gesträubt, dann willigte er ein.

Sind auch Freundschaften entstanden während der Dreharbeiten?

Kappeler: Gerhard Meier ist wie ein väterlicher Freund. Dimitri war distanzierter, für ihn ist die Familie enorm wichtig. Emil Eberli, das Frauenfelder Dorforiginal, das ich 1973 porträtierte, habe ich immer wieder besucht. Pio, Mirjam und ich sind Freunde, wir treffen uns auch privat.

Im Gespräch mit der Buchautorin Andrea Sailer haben Sie gesagt: «Ich bin weder als Person noch als Filmer besonders bedeutend.» Pflegen Sie das Understatement? Und wie ist Fritz Kappeler privat?

Kappeler: Unspektakulär. Ich meide das Rampenlicht, habe auch nie vor der Kamera stehen wollen. Ich wandere, schwimme, lese, höre Musik, habe früher im Oratorienchor Frauenfeld gesungen. Und ich fotografiere: vor allem privat, wie ein Tagebuch, fast nur schwarzweiss und analog.

Wie Ihre Schwester Simone.

Kappeler: Wir tauschen uns viel aus. Auch Vater hatte fotografiert, für ihn war es aber klar ein Hobby.

Ihr Lieblingsfilm?

Kappeler: Fellinis «Amarcord», Hitchcocks «North by Northwest». Ich mag Kaurismäki sehr und Douglas Sirk, den ich in München kennengelernt habe.

Und unter Ihren eigenen Filmen?

Kappeler: Jene über Adolf Dietrich und Gerhard Meier, aber auch «Der schöne Augenblick» über Fotografen wie den Bauern Ernst Hiltbrunner.

Welchen Film würden Sie heute anders oder nicht mehr drehen?

Kappeler: Für «Wald», der einem Text Robert Walsers folgt, war ich wohl zu jung, verstand seine Ironie noch nicht.

Welcher Stil ist Ihren Filmen eigen?

Kappeler: Qualität, Sorgfalt, sodann Geduld bei der Annäherung an die Porträtierten. Ich muss mich selber nicht so sehr einbringen. Aber vielleicht bin ich zu wenig spontan oder verrückt.

Interview: Dieter Langhart

Do, 12.1., 19.00: Filmgespräch zwischen Andrea Sailer und Friedrich Kappeler, danach «Der schöne Augenblick». Retrospektive bis 25.1., Programmdetails auf www.cinemaluna.ch. Andrea Sailer: Schweizer Filmgeschichte in Nahaufnahme. Rüffer & Rub, Zürich 2011. 425 Seiten.

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