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«Ich gebe die Impulse»

Wolfsburgs Manager Klaus Allofs sieht vor dem Bundesliga-Saisonstart Bayern München als Favorit. Und er wehrt sich gegen Vorurteile.
Christian Brägger/ donaueschingen
Manager Klaus Allofs sagt, Trainer Dieter Hecking sei für Wolfsburg ein Glücksfall. (Bild: Christian Brägger)

Manager Klaus Allofs sagt, Trainer Dieter Hecking sei für Wolfsburg ein Glücksfall. (Bild: Christian Brägger)

Herr Allofs, hat Wolfsburg an der Schweiz einen Narren gefressen?

Klaus Allofs: Das möchte ich so nicht formulieren. In Bad Ragaz, wo wir jeweils das Sommer-Trainingslager abhalten, fühlen wir uns einfach wohl. Und wir machen gute Erfahrungen mit den Schweizer Spielern. Das beginnt mit Diego Benaglio, der ein Aushängeschild, ja eine Erfolgsgeschichte des Clubs ist. Das geht weiter mit Ricardo Rodriguez und Timm Klose. Mit ihnen kann man perfekt arbeiten. Auch deswegen schauen wir genau hin, was da aus der Schweiz nachkommt.

Wolfsburg hat auf die neue Saison hin Francisco Rodriguez, den kleinen 19jährigen Bruder von Ricardo, für kolportierte zwei Millionen Franken verpflichtet. Ist das nicht ein bisschen viel Geld für einen Jungprofi, der in der Schweiz nicht einmal Stammspieler war?

Allofs: Ich kann diese Zahl nicht bestätigen. Im Klartext heisst das, dass es sehr viel weniger Geld war. Wir treffen unsere Entscheidungen nach sportlichen Gesichtspunkten – immer gekoppelt mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Wenn die Summen nicht angebracht sind, dann handeln wir nicht. Francisco haben wir verpflichtet, weil es sportlich und wirtschaftlich passt.

Sie wechselten 1991 damals von Düsseldorf nach Köln für mehr als zwei Millionen Deutsche Mark.

Allofs: Um genau zu sein, waren es 2,3 Millionen Deutsche Mark.

Sie waren aber ein etablierter Spieler, der in der Bundesliga bereits bester Torschütze war. Funktioniert das Transfersystem heute noch?

Allofs: Das kann man einfach nicht mehr vergleichen. Natürlich hat sich der Fussball verändert. Es gab das Bosman-Urteil noch nicht. Die ausserordentliche Medienpräsenz, die Berichterstattung über unseren Sport hat alles revolutioniert und höhere Summen gebracht.

Luiz Gustavo soll in Wolfsburg in etwa sieben Millionen Euro verdienen. Sind solche Löhne – selbst in einer gesunden Liga wie der Bundesliga – gesund?

Allofs: Sie gehen locker mit solchen Zahlen um. Luiz Gustavo gehört bei uns zu den Spitzenverdienern. Hohe Gehälter zu bezahlen macht Sinn, weil die Gelder in der Bundesliga auch wieder eingenommen werden. Sei es über TV-Rechte, Sponsoring, Zuschauer oder den Europacup. Um die Einnahmen zu sichern, brauchen wir ein interessantes Team. Wir wägen genau ab, wie weit wir finanziell gehen wollen, um leistungsfähig zu bleiben.

Sie waren selbst Profi und arbeiten nun als Sportchef. Welcher Klaus Allofs war oder ist besser?

Allofs: Die Rechnung ist ganz leicht: Ich kann einfach nicht mehr Fussballprofi sein. Es war das Grösste für mich, in der Bundesliga zu spielen, Nationalspieler Deutschlands zu sein oder an einer WM teilzunehmen. In Anbetracht dessen, was heute für mich möglich ist, ist es eine schöne Herausforderung, der Manager des VfL Wolfsburg zu sein.

Nach jahrzehntelanger Tätigkeit mit Bremen wurden Sie im November 2012 Manager von Wolfsburg. Rasch verpflichteten Sie Trainer Dieter Hecking. Mit ihm fand der Verein den Weg zurück zum Erfolg.

Allofs: Die Wahl von Dieter Hecking – das kann ich bereits heute sagen – war ein Glücksfall.

Wie viel Klaus Allofs steckt überhaupt im Wolfsburger Team?

Allofs: Ich hoffe doch eine ganze Menge. Ich bin mit gewissen Vorstellungen von Bremen hierher gekommen und wollte den Verein dauerhaft erfolgreicher machen. Ich bin derjenige, der die Impulse gibt. Aber den Erfolg, den wir seit nunmehr zweieinhalb Jahren haben, haben wir uns als Team erarbeitet. Das könnte ich gar nicht alleine.

Es gibt Stimmen, die sagen, Wolfsburg habe den Rückstand auf Bayern München verringert. Sehen Sie das ähnlich?

Allofs: Wir haben uns weiterentwickelt. Ich weiss aber nicht, ob wir aufgeholt haben. Wir haben die Bayern in der Rückrunde 4:1 besiegt und jetzt den Supercup gewonnen. Es lag aber nicht drin, sie in der Meisterschaft ernsthaft zu gefährden. Wir wurden Cupsieger, waren in der Europa League dabei. Sie wissen ja auch, dass die Bayern zweieinhalb bis dreimal soviel ausgeben wie wir das tun. Solange die Münchner keine gravierenden Fehler machen, wird es schwierig, sie zu verdrängen. Nur im Idealfall sind wir vielleicht näher an ihnen dran.

Ist das auch der Antrieb? Oder ist es eher die Besitzstandswahrung?

Allofs: Wir schränken uns in keinster Weise ein. Es ist nicht so, dass wir nicht Meister werden wollen. Meine Aufgabe ist es auch, Realist zu sein. Wir wollen nicht eine Erwartungshaltung aufbauen, die in einen übertriebenen oder unberechtigten Erwartungsdruck umgewandelt wird. Wir sind ambitioniert und können überraschen. Wir werden weiter kalkulierbare Risiken eingehen, machen aber keine verrückten Dinge.

Also doch Meister-Ambitionen?

Allofs: Eigentlich hätte man ja in der vergangenen Saison sagen müssen, der Cupsieg sei nicht möglich, weil die Bayern da mitspielen. Doch man kann den Cup gewinnen – wir haben das gezeigt. Solche Dinge fliessen bei einer Zielsetzung auch mit ein. Aber nochmals die Einschränkung: Wenn alles normal verläuft, sind die Bayern ein Stück vor uns. Nur, im Fussball verläuft nicht immer alles normal.

Darmstadt ist zurück, Ingolstadt ist neu in der Bundesliga. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Allofs: Es gibt Bewegung, und das tut der Bundesliga gut. Wir haben wieder diese Fragestellungen vor Beginn der Saison, diese spannenden Dinge, die neu zu beantworten sind. Reichen die Budgets, um erfolgreich zu sein? Oder schafft man den Klassenerhalt? Es gibt zwar ein paar feste Grössen, dahinter sind Überraschungen möglich.

Hecking wehrt sich vehement gegen das Werksclub-Image, das Wolfsburg anhaftet. Sie tun das auch. Ist dieses Image so schlimm?

Allofs: Nein, im Gegenteil. Wir sind stolz darauf, dass wir eine hundertprozentige Tochter von Volkswagen sind. VW zeigt ein grosses Engagement im Profifussball und sorgt auch für eine gesteigerte Lebensqualität in der Stadt. Uns gefallen nur die Vorurteile nicht, mit denen uns bewusst oder aus Unwissen begegnet wird. Dass wir unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätten, dass VW alles machen könne und dass alles, was wir tun, auf Geld gründet. Es wird uns sogar nachgesagt, unsere Anhänger seien zwangsverpflichtet, ins Stadion zu gehen.

Wolfsburg ist mit den Käufen von Kevin de Bruyne oder André Schürrle in die absolute Topklasse der Bundesliga aufgestiegen.

Allofs: Der VfL hatte früher Quantität, jetzt agieren wir gezielter auf dem Markt. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ein Luiz Gustavo zu uns kommt. Heute könnten wir André Schürrle, Gustavo oder Kevin de Bruyne nicht mehr verpflichten. Damals waren wir der Entwicklung einen Schritt voraus.

Warum heute nicht mehr?

Allofs: Weil jetzt die Engländer nochmals viel mehr Geld zur Verfügung haben und die Preise deswegen auf ein neues Niveau angehoben wurden. Die Einnahmesituation der Engländer über die TV-Gelder ist hervorragend. Sie sind massiv im Vorteil, wenn sie Spieler überzeugen wollen, auf die Insel zu wechseln.

Es gab diese Geschichte mit Nicklas Bendtner, den Sie zusammenstauchten. Sind Sie so hart?

Allofs: Nein. Mit mir kann man sehr gut auskommen. Aber im Vordergrund steht der Erfolg des Clubs, dafür muss ich gerade stehen, und dafür gibt es Regeln. Wenn jemand das gefährdet, und das gilt für jeden Spieler, bekommt er das zu spüren. Das wissen die Spieler aber auch.

Sie sind verbal schon öfters mit Ihrem Pendant bei Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, aneinandergeraten. Ist das normal in diesem Geschäft?

Allofs: Sein Bestreben ist es einfach, mit Dortmund vor uns zu sein. Und ich möchte mit Wolfsburg vor Dortmund sein. Provokationen sind hierbei normal. Jeder wendet halt seine Mittel an. Wir machen das aber ein wenig anders als Hans-Joachim Watzke.

Gibt es für Sie fussballfreie Tage?

Allofs: Selten. Ganz selten. Es gibt ja nicht den Tag ohne Fussball-Meldungen. Demnach muss ich mich gedanklich immer mit Fussball befassen und bin permanent im Einsatz. Aber ich sehe das nicht negativ.

Sie schalten privat mit Fussball ab?

Allofs: Nicht nur. Ich habe schon noch andere Interessen. Falls gerade nichts anderes im TV läuft, schaue ich mir nicht permanent eine DVD mit meinen schönsten Toren an. Meine Frau und ich treiben sehr viel Sport. Mein grosses Hobby sind ausserdem meine eigenen Galopp-Rennpferde. Da kann ich relaxen.

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