Nachgefragt
«Ich fühlte mich schier unbesiegbar»

Der Thurgauer Schwinger Samuel Giger hat nicht nur das Bergkranzfest auf der Schwägalp dominiert, er zieht mit seinem vierten Erfolg am Fusse des Säntis auch mit Rekordsieger Arnold Forrer gleich. Der 23-jährige Ottenberger über die Bedeutung dieser Marke und seine Taktik gegen Schwingerkönig Christian Stucki.

Ives Bruggmann
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Samuel Giger steht nun bei insgesamt 21 Kranzfestsiegen.

Samuel Giger steht nun bei insgesamt 21 Kranzfestsiegen.

Donato Caspari

Was löst dieser Sieg auf der Schwägalp bei Ihnen aus?

Samuel Giger: Ich spüre einfach eine riesige Freude. Hier oben schwingen zu können, ist jedes Mal wieder schön. Trotz der speziellen Umstände aufgrund des Zuschauerverbots freute ich mich die ganze Woche auf das Schwingfest. Dass es nun so lief, war wirklich ein tolles Gefühl.

Sie sind nun mit Arnold Forrer Rekordsieger dieses Anlasses. Was geht Ihnen durch den Kopf?

Ich habe mir darüber bisher keine Gedanken gemacht, aber das tönt natürlich gut und ich nehme das gerne.

Sie dominierten heute von A bis Z. Wie war das möglich?

Genau sagen kann ich das nicht. Es war einfach ein Tag, an dem alles funktionierte. Ich fühlte mich schier unbesiegbar und war mir dessen auch bewusst. Ich entwickelte dadurch eine positive Energie, die mich durch den Tag trug.

Von bisher drei Kämpfen gegen Schwingerkönig Christian Stucki gewannen Sie alle. Da muss eine unheimliche Kraft vorhanden sein.

Die Kraft ist sicher da, ja. Ich habe mich auch heute wieder gut gefühlt gegen ihn. Deshalb habe ich mich auch getraut, zu ziehen.

Das ist Ihnen gelungen. Trotz Stuckis eindrücklicher Masse.

Diese Masse ist für mich vielleicht sogar ein Vorteil. Häufig läuft es mir besser gegen Schwer- als gegen Leichtgewichte. Für mich stand aber einfach der Sieg im Vordergrund. In jedem Gang.

Ihr einziger Makel war, dass Sie fünfmal die Maximalnote verpassten. Trübt das Ihre Bilanz?

Auf keinen Fall. Bei diesen Gegnern kann ich froh sein, wenn ich überhaupt gewinne. Das ist kein Selbstläufer. Weil ich alle Gänge gewinnen konnte, kam es auf die Punktverluste erst gar nicht an.

Sie befinden sich in absoluter Topform. Wie konservieren Sie diese bis zum Kilchberger Schwinget in etwas mehr als einem Monat?

Zuerst stosse ich mit meinen Kameraden auf diesen Erfolg an. Danach fokussiere ich auf meine weiteren Einsätze. Der Kilchberger Schwinget ist natürlich bereits präsent, aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag daran denke. Zuerst stehen ohnehin das Schwarzsee-Schwingfest und das Nordostschweizer Teilverbandsfest an. Da ich mich derzeit in allen Bereichen wohl fühle, möchte ich genau gleich weitermachen. Ich werde nichts ändern im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt Ende September.

Wo steht die Schwägalp für Sie im Vergleich zu den anderen Bergkranzfesten?

Die Schwägalp ist für uns Ostschweizer schon etwas sehr Spezielles. Deshalb hat der Sieg an diesem Bergfest schon einen hohen Stellenwert. Wenn man aber als Gast bei den Bergfesten der anderen Teilverbände antritt, ist die Herausforderung eine ganz andere. Deshalb sind alle Erfolge an Bergfesten auf ihre Art einzigartig. Für mich ist und bleibt die Schwägalp aber besonders.

Der Schlussgang gegen den Berner Michael Wiget war eine kurze Angelegenheit. Wie sind Sie den Kampf angegangen?

Ich war gewarnt, denn Michael Wiget hatte bis zu diesem Zeitpunkt einen super Tag erwischt und Damian Ott sowie Armon Orlik besiegt. Doch ich konnte seinen Kurz-Angriff kontern und nutzte meine Chance.