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Interview

Nino Niederreiter über das Leben als NHL-Star: «Ich fühle mich manchmal einsam»

Die NHL-Spieler Timo Meier und Nino Niederreiter bereiten sich in der Schweiz auf die Saison vor. Sie erzählen im Interview, welche Probleme sie mit auf das Eis nehmen und wie schwierig es ist, ausserhalb des Hockeys in den USA sozialen Anschluss zu finden.
Sergio Dudli
Der Herisauer Timo Meier (links) und der Churer Nino Niederreiter (rechts) in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Der Herisauer Timo Meier (links) und der Churer Nino Niederreiter (rechts) in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Wochenlange Schufterei im Kraftraum und einsame Stunden auf dem Eis. Timo Meier, Nino Niederreiter, Hand aufs Herz: Wie gerne absolvieren Sie das Sommertraining?

Nino Niederreiter: Mittlerweile mache ich es gerne. Ich bin früh nach Amerika gegangen und habe gelernt, mich durchzukämpfen und Verantwortung für mich zu übernehmen. Ich weiss genau, dass ich nicht den ganzen Sommer nichts tun und dann auf das Eis stehen kann.

Timo Meier: Die NHL ist ein sehr kurzlebiges Geschäft. Du weisst nie, ob du morgen noch eine Chance erhältst. Deshalb will ich mir nicht vorwerfen lassen müssen, im Sommer nicht genügend getan zu haben.

Der Sommer ist die einzige Zeit des Jahres, in der Sie in der Schweiz seien können. Was machen Sie, wenn sie nicht trainieren?

Meier: Ich versuche immer, möglichst viel Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Wir gehen dann an den Bodensee oder machen Ausflüge. Das Schöne an Europa ist, dass du gut über das Wochenende verreisen kannst. Diese Zeit geniesse ich sehr.

Niederreiter: Bei mir ist es ähnlich. Die Zeit mit Familie und Freunde geniesst man natürlich. Dazu nutze ich die freie Zeit, um Golf zu spielen. Zudem bin ich derzeit öfters auf dem Schiessstand, weil ich mich auf die Jagdprüfung vorbereite.

Nino Niederreiter, Ihr Name wird immer wieder mit einem Tauschgeschäft in Verbindung gebracht. In der NHL hat der Spieler bezüglich Transfers kein Mitspracherecht. Wie fühlt man sich als Spielball?

Niederreiter: Es ist Teil des Geschäfts. Ich kann es weder beeinflussen noch kontrollieren, deshalb verschwende ich keine Energie dafür. Ich habe in Minnesota bewusst auf eine Klausel verzichtet, die mich vor einem Trade bewahrt.

Ich will bei einem Club spielen, der mich unbedingt will. Ist das nicht der Fall, sollen mich die Verantwortlichen abgeben.

Sie beide hatten einen ähnlichen Karrierenstart: Sie sind jung nach Nordamerika gegangen, früh gedraftet worden – dann kamen die Schwierigkeiten. Wie schwer liegt die Last eines prominenten Drafts?

Meier: Druck ist sicher da. Die Organisation und man selber hat hohe Erwartungen. Medien ziehen dann gerne den Vergleich mit Spielern, die nach dir gezogen wurden, aber mehr Punkte haben. Dann kommst du schnell in die Kritik, auch wenn diese Vergleiche nicht immer die ganze Wahrheit spiegeln.

Niederreiter: Als ich gedraftet wurde, hast du in der vierten Linie begonnen und musstest dich hochkämpfen. Heute bekommen junge Spieler die Chance, sich direkt in den besten Linien zu beweisen. Ich bin über Umwege hierhergekommen, wo ich jetzt stehe. Aber früher oder später muss jeder unten durch. Bei mir und Timo kam das sehr früh, dafür ernten wir jetzt die Früchte unserer Arbeit.

Was macht es so schwierig, sich in der NHL durchzusetzen?

Niederreiter: Wenn du alles gut kannst, aber nichts sehr gut, wird es schwierig.

Du musst dich in einem Punkt abheben, um aus der Masse herauszustechen. Vielen Spielern fehlt ganz einfach etwas das nötige Glück.

Meier: Vieles kommt über das Selbstvertrauen. Als junger Stürmer tut es dir gut, wenn du etwas mehr Eiszeit und Scheibenbesitz hast. So kommst du vermehrt in den Abschluss und traust dir zu, auf das Tor zu schiessen. Und dann fällt die Scheibe plötzlich öfters rein.

Wie stehen die Schweizer NHL-Spieler während der Saison im Kontakt?

Niederreiter: Das unterscheidet sich. Timo kenne ich erst seit der vergangenen WM. Mit anderen Spielern wie Roman Josi, den ich bereits aus den Schweizer Juniorenauswahlen kenne, gehe ich Abendessen, wenn wir tags darauf gegeneinander spielen. Dann sprechen wir jeweils über Gott und die Welt. Roman heiratet bald, deshalb war bei unserem letzten Treffer seine Hochzeit ein Thema, über das wir gesprochen haben.

Eine NHL-Saison umfasst weit über 80 Spiele. Verlieren Sie auch mal die Lust auf Eishockey?

Meier: Nein. Ich habe die Freude und Liebe am Eishockey früh gefunden. Dieser Spass am Sport ist das Wichtigste. Das ist der Punkt, der die grossen Spieler ausmacht. Mein Teamkollege Joe Thornton ist bald 40-jährig, aber kommt jeden Tag mit einem Lächeln in die Eishalle.

Der Fokus muss immer auf dem Eishockey liegen. Nehmen Sie nie private Probleme mit auf das Eis?

Niederreiter: Es kommt vor, dass du während eines Spiels auf der Bank sitzt und an etwas ganz anderes denkst. Vielleicht läuft es zu Hause nicht oder jemandem geht es nicht gut.

Wir sind keine Maschinen, auch uns beschäftigen solche Dinge. Das ist ein Teil des Lebens.

Meier: Du versuchst immer, mit freiem Kopf zu spielen. Aber es gibt natürlich Dinge, die dich belasten. Die machen auch vor dem Eis keinen Halt. Aber das ist die Kunst der mentalen Arbeit: Ohne Lasten aufspielen zu können.

Sie verdienen viel Geld, sind gefeierte Persönlichkeiten, stehen im Rampenlicht. Welches sind die Schattenseiten dieses Lebens?

Niederreiter: Du kannst nicht machen, was du willst. Es gibt jetzt im Sommer ein Zeitfenster, in dem du frei bist. Während der Saison lebst du acht Monate lang nach einem genauen Plan. Die Clubs in der NHL sind verpflichtet, dir pro Monat vier freie Tage zu geben. Das ist nicht sehr viel. Die restliche Zeit liegt der Fokus immer auf dem Sport. Es ist schwierig, aus dieser Blase auszubrechen.

Sie opfern für eine NHL-Karriere viel Zeit und Freiheiten. Dazu kommt die Trennung von der Familie und Freunden. Sind Sie manchmal einsam?

Niederreiter: Es kommt sicher vor, dass ich mich einsam fühle.

Du bist zwar an Feiertagen oft bei Teamkollegen eingeladen, aber das ersetzt deine Familie nicht.

Ich bin mir bewusst, dass das jetzt noch zehn bis zwölf Jahre so laufen wird. Ich hoffe, dass ich danach dieses Familienleben wieder mehr geniessen kann.

Wie schwierig ist es, sich ausserhalb des Sports ein soziales Umfeld auszubauen?

Meier: Das ist nicht einfach. Ich verbringe die meiste Zeit mit dem Teamkollegen, da wir sowieso immer zusammen unterwegs oder in der Eishalle sind. In Kalifornien ist Eishockey nicht so populär, deshalb habe ich auch schon Leute kennengelernt, die nichts mit dem Sport am Hut haben.

Niederreiter: Ich stimme Timo zu. Wir sind oft unterwegs, wenn ich dann einmal zu Hause bin, habe ich gerne meine Ruhe. Oftmals ergeben sich Freundschaften ausserhalb des Eishockeys über Kontakte. Ein Beispiel: Als ich noch in New York gespielt habe, hatte unser Fitnesstrainer einen Kollegen, der mich im Sommer immer zu sich eingeladen hat. Wir sind immer noch befreundet.

Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Meier: Es dreht sich im Sport vieles um Geld, das ist Realität. Ich will einfach Spass haben, da ist ein guter Vertrag nebensächlich. Auf die andere Seite ist es der Lohn für deine harte Arbeit.

Eine Eishockey-Karriere ist zeitlich begrenzt, da schielst du mit einem Auge immer etwas in die Zukunft.

Niederreiter: Geld interessiert mich nicht. Ich habe erst kürzlich mit meinen Teamkollegen darüber gesprochen. Wir waren uns einig: Das, was am Ende unserer Karrieren bleiben wird, sind die vielen Geschichten und einzigartigen Momente, die wir als Team erlebt haben. Das kannst du nicht mit Geld kaufen.

Dennoch ist das Thema Geld allgegenwärtig, Ihre Löhne sind öffentlich bekannt. Werden Sie von Freunden deshalb nie hochgenommen?

Meier: Das gibt es selten. Ich werde sogar öfters eingeladen, als ich andere einladen kann.

Niederreiter: Hie und da ein dummer Spruch gehört dazu. Aber die Kollegen, die ich jetzt habe, hatte ich bereits, als ich nach Amerika ging und sich niemand für mich interessiert hat. Aber klar: Wenn du als NHL-Spieler zurückkommst, wollen plötzlich alle deine Freunde sein. Du merkst aber sehr schnell, welche wirklich an dir als Mensch oder Persönlichkeit interessiert sind.

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