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«Ich fühle mich nicht einsam»

David* ist schwul und lebt in einem kleinen, eher konservativen Thurgauer Dorf – eine schwierige Kombination, wie der 25-Jährige weiss. Deshalb reizt viele junge Schwule vom Land die Anonymität der Stadt. David nicht, er will bleiben.
Stephanie Martina
Homosexualität auf dem Land sei oft auch eine Generationenfrage, sagt David. (Bild: Reto Martin)

Homosexualität auf dem Land sei oft auch eine Generationenfrage, sagt David. (Bild: Reto Martin)

«Ich bin schwul und das ist gut so», sagt David selbstbewusst. Der 25-Jährige hat gelernt zu akzeptieren, dass er ein wenig anders ist. Es war ein weiter Weg. Doch Davids Weg war nicht sonderlich steinig, verglichen mit anderen Homosexuellen – höchstens hie und da mit ein bisschen Kies bedeckt.

Nie hätten ihn Selbstzweifel geplagt, nie habe er mit sich gehadert, sich nie gefragt: Warum? David scheint mit sich im Reinen zu sein, so wie er ist. Er hat die ideale Mischung gefunden. Zwischen Offenheit und Schweigen. «Wenn jemand fragt, ob ich schwul bin, bestätige ich das, ohne zu zögern. Aber ich würde nie händchenhaltend mit einem Mann durch Frauenfeld spazieren», betont er.

Reibungsloses Coming-out

Bereits mit 14 habe er gemerkt, dass er sich mehr zum männlichen Geschlecht hingezogen fühle – anfangs nur emotional, später auch körperlich. «In der Oberstufe war ich zum ersten Mal so richtig verknallt und habe diesem Jungen das auch gestanden. Dieser meinte dann nur, da werde nichts draus. Er sei nämlich nicht schwul. Damals stimmte das wohl. Aber ich weiss, dass er mittlerweile ebenfalls homosexuell ist», erklärt David grinsend.

Je älter David wurde, desto eher gelang es ihm, sich über seine Situation klar zu werden und offen damit umzugehen. Mit 18 Jahren hatte er sein Coming-out. «Zuerst erzählte ich es meiner besten Freundin, danach meinen Eltern und meiner Schwester. Sie haben es alle hingenommen. Damit war es abgehakt. Aber ich glaube, sie haben es schon längst geahnt.»

Viel Glück gehabt

David weiss, dass er viel Glück hatte und seine Geschichte auch ganz anders hätte verlaufen können. «Ich bin überzeugt, dass ein Coming-Out auch tragische Wendungen nehmen und das Leben von vielen negativ beeinflussen kann. Es ist keineswegs üblich, dass das eigene Umfeld so verständnisvoll reagiert. Nicht selten kommt es vor, dass die Person, die diesen grossen Schritt gewagt hat, danach gehänselt wird», bedauert er. Noch schlimmer sei es, wenn gar die Eltern darunter zu leiden hätten und in Selbstzweifel versänken, weil sie sich fragten, was sie falsch gemacht hätten.

Besonders Schwule, die auf dem Land aufwachsen, hätten oftmals ein schweres Los. «Es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass die Menschen auf dem Land etwas engstirniger und konservativer sind als in der Stadt», sagt David.

Reduktion auf das Körperliche

Auf dem Land sei es eine Generationenfrage, ob und wie weit Schwule akzeptiert würden. Wer jünger sei als er, nehme Homosexualität meist problemlos hin. Ältere hätten eher Mühe damit. «Für viele ist die Partnerschaft nach wie vor etwas, das nur zwischen Mann und Frau stattfinden darf. Andere ekeln sich bei der Vorstellung eines gleichgeschlechtlichen Paares, weil sie homosexuelle Beziehungen nur auf das Körperliche beschränken», bedauert der angehende Jurist.

Doch das müsse auf dem Land nicht zwangsläufig so ablaufen. David ist das beste Beispiel dafür. Er lebt in einem Dorf, das sogar für Thurgauer Verhältnisse klein ist. Man kennt einander und man kennt David. «Ich bin nie hingestanden und habe gesagt: <Hallo, ich bin David. Ich bin übrigens schwul.>» Doch die Leute hätten es gemerkt. Spätestens zu jenem Zeitpunkt, als er seinen letzten Freund zum Brunch im Dorf mitbrachte. «Seltsamerweise kam keine einzige Reaktion. Niemand äusserte sich, alle nahmen es hin, wie es war. Aber natürlich ist nicht auszuschliessen, dass sie hinter verschlossener Tür über mich gesprochen haben», sagt David.

Drei Jahre – eine Ewigkeit

Vor kurzem hat sich David von seinem Freund getrennt, mit dem er drei Jahre lang glücklich war. «In der Welt der Schwulen sind Beziehungen schnelllebig. Da sind drei Jahre eine halbe Ewigkeit», sagt David. Die meisten schwulen Singles würden im Netz nach einem neuen Gefährten suchen, etwa auf «GayRomeo» oder «Purplemoon».

David hält nicht viel von solchen Websites. «Das ist, als würde man einen Katalog durchblättern, um zu sehen, was einem gefällt. Ich lerne meine Partner lieber im echten Leben kennen.» Doch besonders Homosexuelle, die in einem ländlichen Kanton leben, seien oftmals gezwungen, online nach Partnern zu suchen, weil es einfach keine Orte gebe, wo man Homosexuellen begegnen könne.

In der anonymen Stadt

Aus diesem Grund verwundere es auch nicht, dass in der Schwulenszene eine Urbanisierung stattfinde. «Vor allem junge Schwule zieht es in die Stadt, weil sie dort anonymer und unter Gleichgesinnten sind», erklärt David. Für ihn sei das nie ein Thema gewesen, er fühle sich im ländlichen Thurgau sehr wohl, nicht einsam. Und das sei gut so.

*Name von der Redaktion geändert

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