«Ich bin noch am Schweben»

Kurz nach dem Mehrkampf-Final kann Giulia Steingruber noch gar nicht fassen, was sie erreicht hat. Die 21jährige Gossauerin über Hühnerhaut bei der Medaillenzeremonie, ihre Hoffnungen für die Geräte-Finals und warum sie die Medaille auf die Seite legen muss.

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Giulia Steingruber, Sie sind Europameisterin im Mehrkampf. Haben Sie Ihren Erfolg schon realisiert?

Giulia Steingruber: Nein, nicht wirklich. Ich bin noch total überwältigt. Es ist alles so schnell gegangen. Ich brauche wahrscheinlich erst noch fünf Minuten für mich alleine, um herunterzufahren. Dann wird sicher alles hochkommen. Momentan bin ich jedoch noch am Schweben. Aber ich freue mich sehr über den Titel.

Wie erlebten Sie die Medaillenzeremonie?

Steingruber: Es hat mich gefreut, dass so viele Schweizer in der Halle waren. Es ist immer schön, wenn man unterstützt wird und die Menschen hinter einem stehen. Als dann die Schweizer Hymne gespielt wurde, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Ich hatte Hühnerhaut. Es war ein unbeschreibliches Gefühl.

Haben Sie vor dem Final mit einer Medaille geliebäugelt?

Steingruber: Mein Trainer Zoltan Jordanov hat mir im Vorfeld gesagt, dass meine Leistung am Stufenbarren darüber entscheiden wird, welche Farbe meine Mehrkampfmedaille haben wird. Ich selbst habe aber nicht gross darüber nachgedacht. Ich wollte im Final mit einem freien Kopf turnen können. Mein Motto war es deshalb, den Wettkampf zu geniessen und ohne Fehler durchzukommen.

Den Grundstein für Ihren Erfolg legten Sie an Ihrem ersten Gerät, dem Balken. Im Vergleich zur Qualifikation kamen Sie dieses Mal ohne Sturz durch.

Steingruber: Ich bin froh, dass ich so gut in den Wettkampf starten konnte. Danach wollte ich am Boden zeigen, dass ich besser turnen kann als noch in der Qualifikation. Auch mit dem Sprung bin ich zufrieden. Am Barren zeigte ich meine Übung dann leider nicht so sauber, wie ich wollte. Doch ich kam durch und es hat gereicht.

Wann wussten Sie, dass Sie Gold gewonnen haben?

Steingruber: Erst ganz am Schluss, nach dem Sprung der Russin Maria Charenkowa (Mehrkampf-Zweite, A. d. Red.) Wenn Sie eine Note über 14,000 bekommen hätte, wäre es noch knapp geworden.

An der EM in Montpellier stehen Sie auch noch in drei Geräte-Finals. Hilft Ihnen die Goldmedaille für diese Wettkämpfe?

Steingruber: Sie gibt mir sicher eine positive Energie. Heute abend muss ich sie jedoch auf die Seite legen. Denn in den Geräte-Finals beginnt es wieder bei null. Am Sonntagabend kann ich mich dann über alles freuen, was ich geschafft habe.

An fast allen Geräten konnten Sie sich im Final im Vergleich zur Qualifikation steigern. Was kann man nun in den Geräte-Finals noch erwarten?

Steingruber: Hoffentlich werde ich noch besser sein. Ich will mich von Tag zu Tag steigern. Zuerst liegt meine Priorität nun auf dem Sprung, danach will ich auch am Stufenbarren nochmals alles geben. Am Sonntag möchte ich dann im Boden-Final zeigen, was ich kann. Das ist immerhin die Königsdisziplin. Ich will mit einem guten Abschluss nach Hause gehen können. (rba)