«Ich bin nicht in einer Krise»

Nach einem überragenden Frühling hat Stan Wawrinka zuletzt drei Startniederlagen aneinandergereiht. Befindet sich der Romand nur im Zwischentief oder im freien Fall? Mit Blick auf den Daviscup-Final im November eine wichtige Frage.

Ralf Streule/Basel
Drucken
Dem Romand Stan Wawrinka fehlen momentan Sicherheit und Vertrauen. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Dem Romand Stan Wawrinka fehlen momentan Sicherheit und Vertrauen. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

TENNIS. Nur wenige Spieler auf der ATP-Tour haben in diesem Jahr solche Höhen und Tiefen erlebt wie Stan Wawrinka. Der Jahresrückblick liest sich wie ein langsamer Niedergang: Im Januar der Titel bei den Australien Open, der Vorstoss auf Platz drei der Weltrangliste, dann der Turniersieg im April in Monte Carlo. Später das Viertelfinal-Out in Wimbledon und den US-Open, dann die Startniederlagen in Tokio, Shanghai und vorgestern in Basel bei den Swiss Indoors.

Die Verunsicherung des Romands war am Dienstag im Startspiel in der St. Jakobs-Halle gegen den Kasachen Michail Kukuschkin förmlich greifbar. Seine Körperhaltung sprach Bände, auf der Rückhand fühlte er sich unwohl, die Vorhand schlug er weniger flüssig, die Aufschläge waren weit weniger präzis als noch vor einem halben Jahr.

Wawrinkas Spielart als Problem

Der Formstand des Romands verheisst nicht viel Gutes für den Daviscup-Final, den die Schweizer in einem Monat in Lille gegen Frankreich austragen. Als sich Wawrinka am späten Dienstagabend kurz vor Mitternacht den Fragen der Journalisten stellte, wollte er aber nichts von einem anhaltenden Tief wissen. «Ich bin nicht in einer Krise», sagte er. Und: Er sei hinsichtlich des Höhepunkts aus Schweizer Sicht, dem Daviscup-Final, guter Dinge. «Mein Spiel ist nicht das Problem. Das Vertrauen fehlt. Überstehe ich die erste Runde, könnte ich einige Siege aneinanderreihen.»

Tatsächlich hat Wawrinka am Dienstag phasenweise gezeigt, dass sein Können nicht gänzlich verschwunden ist, zum Beispiel im Tie-Break, das er mit 7:1 für sich entschied. Doch es fehlt an Konstanz. Ein Problem, das Mats Wilander, schwedische Tennislegende und heutiger Eurosport-Co-Kommentator, in Basel bereits vor dem Spiel eruierte. Mit einer primär offensiv ausgelegten Spielart, wie sie der Romand pflege, sei kein konstant hohes Niveau zu halten. Dennoch misst Wilander den Startniederlagen des 29-Jährigen nicht allzu viel Gewicht bei: «Wawrinka wird bei den ganz wichtigen Spielen wieder bereit sein.»

«Ich trainiere gut»

Immerhin: Eine Zurückstufung in der Weltrangliste muss Wawrinka (ATP 4) nach dem Turnier in Basel nicht befürchten. Plätze verlieren würde er aber wohl, sollte er es auch in Paris kommende Woche nicht über die erste Runde hinaus schaffen. Dort hatte er vor einem Jahr die Viertelfinals erreicht. Für Wawrinka wird es aber je länger desto schwerer, Niederlagen auf die leichte Schulter zu nehmen und positiv zu bleiben. An der Pressekonferenz bemühte er sich: «Ich trainiere gut, es kann noch viel Schönes vor mir liegen.»

Mentale Unterstützung erhält Wawrinka von Federer. «Das Vertrauen kommt so schnell zurück wie es sich verabschiedet», sagte die Schweizer Nummer eins gestern nach seinem Startsieg. «Wichtig ist, dass Stan die Freude nicht verliert.» Sorgen mache er sich um seinen Teamkollegen nicht: Bis zum Daviscup-Final habe er noch genügend Zeit, zurückzukehren und das Jahr in Lille mit ihm zusammen «unglaublich abzuschliessen».

Aktuelle Nachrichten