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«Ich bin keine gute Fahrerin»

Der Weg zum Führerschein ist hart, kostet viel Geld und noch mehr Nerven. Mostindia hat junge Leute gefragt, wie viele Beulen sie verursacht und Tränen vergossen haben, um endlich allein am Lenkrad zu sitzen.
Johanna Schick
Laura Ussia aus St. Gallen. (Bilder: Johanna Schick)

Laura Ussia aus St. Gallen. (Bilder: Johanna Schick)

FRAUENFELD. Die 20-Jährige Laura Ussia aus St. Gallen ist zu faul, Fahrstunden zu nehmen. Zwei hat sie bereits hinter sich, danach hat sie wieder aufgehört. «Mir fehlt die Zeit dazu, und so richtig motiviert bin ich auch nicht», sagt sie. Sie lebt in St. Gallen, besitzt das GA und wird oft von ihren Freunden chauffiert. «Ich bin eine kleine Diva, wenn es darum geht, dass mich jemand chauffiert», schmunzelt sie. Die guten ÖV-Verbindungen sind auch ein Grund, wieso sie es langsam angeht. «Das GA ist zwar teuer, aber günstig im Vergleich zu all den Kosten, die bei der Fahrschule auf einen zukommen.» Sie findet die Fahrstunden, VKU und Tests zwar auch teuer, sieht aber etwas Positives in den hohen Kosten. «Für junge Leute ist das echt viel Geld. Somit überlegt man es sich zweimal, ob man das Geld wirklich investieren will und ob man wirklich autofahren muss. Das finde ich gut.»

In der Schweiz gibt es viele 20-Jährige, die noch keinen Führerschein besitzen. Trotzdem muss sich Laura immer wieder doofe Sprüche anhören, weil sie noch nicht Auto fahren darf. «Das nervt mich echt, jeder soll doch selbst entscheiden, wie viel Zeit er sich lässt.» Schon oft habe sie Leute angetroffen, die die praktische Fahrprüfung mehrmals nicht bestanden haben. «Ich glaube, das liegt daran, dass man die Schüler zu früh an die Prüfung schickt.» Sie findet, man solle sich lieber mehr Zeit lassen, dafür aber sicher an die Prüfung gehen.

Vor einem Jahr hat die 20jährige Tatiana Fernandez ihre Autoprüfung bestanden. Allerdings erst beim dritten Versuch, nachdem sie ihren Fahrlehrer gewechselt hatte. Wieso ihre Fahrkünste bei den ersten beiden Malen nicht ausgereicht haben, weiss sie ganz genau. «Mein erster Fahrlehrer hat mich nicht gut ausgebildet. Er hat vergessen, mir Dinge beizubringen oder sie mir mehrmals falsch erklärt», sagt die Frauenfelderin. Nachdem es dann auch beim zweiten Mal nicht geklappt hatte, wechselte sie zu einem anderen Fahrlehrer. Tatiana musste sämtliche Kosten selbst übernehmen. «Ich war deswegen noch Monate nach der Prüfung völlig pleite.» Bei der Suche nach einem Fahrlehrer wählte sie den billigsten, den sie finden konnte. «Das war ein grosser Fehler, den ich bis heute bereue.» Nachdem sie zu einem teureren Fahrlehrer gewechselt hatte, bügelte der die Fehler seines Vorgängers aus, und Tatiana bestand die Prüfung. Privat geübt hat sie mit der Mutter und dem Cousin ihres Freundes. «Die Mutter war immer eher ängstlich und vorsichtig, trotzdem haben mir die privaten Stunden sehr geholfen.» Gerne hätte sie mehr privat geübt, die Umstände liessen das aber leider nicht zu. Sie empfiehlt deswegen jedem, der die Möglichkeit hat, so viel wie möglich privat zu üben, auch wenn einem manchmal die Motivation fehle. Und vor allem nicht auf die Preise, sondern auf die Qualität und den Ruf eines Fahrlehrers zu achten.

Für Marin Schuppli aus Frauenfeld ist Autofahren noch überhaupt kein Thema. Er ist 21 und bisher gut ohne Auto zurechtgekommen. «Bis jetzt hat das Geld einfach nicht gereicht, und meine Eltern bezahlen mir die Prüfung auch nicht.» Auch er muss sich immer wieder doofe Sprüche anhören, wenn die Leute erfahren, dass er mit 21 noch keinen Führerschein besitzt. «Ich antworte dann immer mit: Wenn du's mir zahlst, dann mach ich ihn schon», erzählt er lachend. So richtig motiviert sei er aber schon nicht. «Ich besitze ein Streckenabo, um zur Arbeit zu fahren. Und die meisten meiner Freunde wohnen in Frauenfeld», erklärt er. Ganz aufgegeben hat er das Autofahren aber noch nicht. «Vielleicht fange ich in ein oder zwei Jahren damit an, mal sehen.»

Geraldine Eggler geht es ähnlich. Die Frauenfelderin spart seit einiger Zeit für die Autoprüfung, gereicht hat es bis jetzt aber noch nicht. Die 18jährige Kantischülerin ist erst vor kurzem mit ihrem Freund zusammengezogen. «Ich musste mich entscheiden, entweder bezahlen mir meine Eltern die Prüfung oder ich leiste mir damit die Wohnung.» Sie würde eigentlich gerne schon jetzt beginnen, Fahrstunden zu nehmen, sie muss sich aber noch etwas gedulden. «Das Ganze ist ja schon recht teuer. Aber nächstes Jahr habe ich hoffentlich genug gespart.» Währenddessen übt sie ab und zu mal mit ihrem Vater auf dem Parkplatz, damit sie bei der ersten Fahrstunde nicht völlig bei Null anfängt.

«Ich bin keine gute Fahrerin», behauptet Yesil Nobel aus Kradolf von sich selbst. Trotz der drei Jahre Fahrpraxis, die die 24-Jährige bereits hat, fühlt sie sich nicht immer sicher im Auto. Yesil hatte riesiges Glück, als es um das Bezahlen ihrer Fahrstunden ging. «Damals ging es mir finanziell nicht gut. Die Fahrlehrerin und ich haben uns oft über meine Lebenssituation unterhalten», erzählt sie. Am Ende ihrer Fahrausbildung schenkte ihre Fahrlehrerin ihr die gesamten 15 Lektionen, die sie bis zum Prüfungstag besucht hatte. «Das war unglaublich nett. Ich werde das nie vergessen.»

Yesil hat viel privat mit ihren Freunden geübt. «Das hat nie Stress gegeben.» Sie ist davon überzeugt, dass man mit Freunden viel besser üben kann als mit den Eltern, und empfiehlt deswegen allen, das auch so zu machen. Ausserdem möchte sie allen jungen Fahrern ans Herz legen, sich nach der bestandenen Prüfung nicht zu übernehmen. «Viele Junge, vor allem Männer, fahren anfangs viel zu schnell. Dabei passiert so schnell mal ein Unfall, und dann ist der Ausweis gleich wieder weg.»

Geraldine Eggler

Geraldine Eggler

Tatiana Fernandez

Tatiana Fernandez

Marin Schuppli

Marin Schuppli

Yesli Nobel

Yesli Nobel

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