«Ich bin gefordert»

MAMMERN. Thomas Fischer (50) dirigiert «fremd». Der Blasmusikdirektor, der bei der Stadtmusik Frauenfeld die Stabführung innehat, steht am Festival Mammern Classics einem grossen Sinfonieorchester vor.

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Thomas Fischer: «Das Publikum sollte noch lange von den Aufführungen schwärmen.» (Bild: Ursula Litmanowitsch)

Thomas Fischer: «Das Publikum sollte noch lange von den Aufführungen schwärmen.» (Bild: Ursula Litmanowitsch)

Bei Mammern Classics liegt der Wohlklang an zwei Abenden buchstäblich in Ihren Händen. Nervös?

Thomas Fischer: Nicht übermässig, denn ich fühle mich gut vorbereitet. Ende Juni hatte ich zudem mit dem Sinfonieorchester der Philharmonie Lugansk in der Ukraine eine gut gelungene Aufführung. In Mammern gibt's nochmals zwei Proben vor dem Konzert.

Das ist wenig.

Fischer: Am unteren Limit, aber es reicht. Lampenfieber habe ich eher, weil wohl viele Bekannte kommen werden.

Die sind natürlich neugierig, wie sich ein Blasmusikdirektor vor einer Philharmonie macht. Weshalb denn überhaupt dieser Spartenwechsel?

Fischer: Mich hat es gereizt, mit professionellen Musikern zu arbeiten. Das Weitere hat sich durch meinen Lehrer Maestro Liutauras Balciunas so ergeben, der gute Beziehungen zur Philharmonia Lugansk hat.

Sie nehmen intensiv Unterricht?

Fischer: Ich fahre zweimal pro Woche ins Dirigierstudio zu Liutauras Balciunas nach Baden.

Auf dem Programm stehen neben Werken der Romantiker Robert Schumann und Carl Maria von Weber auch Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 8. Ein ziemlicher Brocken. Haben Sie punkto Umsetzung ein Vorbild eines grossen Dirigenten?

Fischer: Am ehesten Rafael Kubelik. Seiner slawisch geprägten Version versuche ich mich anzunähern, ohne dabei die Eigeninterpretation zu vernachlässigen.

Konnten Sie Einfluss nehmen auf Programm und Stückwahl, oder bot das ukrainische Sinfonieorchester Literatur aus dem Repertoire an?

Fischer: Mein Lehrer hat das Programm so zusammengestellt, dass ich gefordert, aber nicht überfordert bin.

Dennoch kommt Ihnen ja die Achte von Dvorák sicher gelegen, da sie im Blech und im Holz eher umfangreich angelegt ist. Fühlen Sie sich im Element?

Fischer: Die Sinfonie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Mit dem dritten Satz kämpfe ich allerdings am meisten. Er ist nach meinem Empfinden der schwierigste Part in der ganzen Sinfonie.

Darin hat Dvorák die so genannte «slawische Seele» in all ihren Facetten hineinkomponiert. Ist der dritte Satz deshalb für Sie so schwierig, weil Sie nicht Slawe sind?

Fischer: Ich bemühe mich sehr um Fingerspitzengefühl und versuche, das schwierige Tempo richtig hinzukriegen.

Und das Orchester nimmt Ihre Impulse gut auf?

Fischer: Es geht erstaunlich detailliert auf meine Intentionen ein.

Wie kommunizieren Sie mit dem fremdsprachigen Orchester?

Fischer: Der künstlerische Leiter Liutauras Balciunas übersetzt.

Gelingt Ihnen beim Dirigieren die Wiedergabe stets so, wie Sie sich diese vorgestellt hatten?

Fischer: Leider nicht, das nervt dann vor allem bei den Proben. Am Konzert selber kann es auch mal einen Hänger geben, was aber insgesamt nicht schlimm ist, denn dadurch wirkt es nicht so mechanisch oder steril.

Sie dirigieren einen weiteren Abend mit Liedern des Mammern-Classic-Intendanten David Lang. Eher leichte Muse. Wo liegt da die Herausforderung?

Fischer: Dass alles gehörgefällig rüber kommt. Zudem findet auch eine CD-Taufe statt, und Musikagenten werden vor Ort sein. Daher ist es ein ganz spezieller Abend.

Welche Ziele müssen aus Ihrer Sicht bei Mammern Classics erfüllt werden?

Fischer: Das Publikum sollte nachhaltig bewegt sein und noch lange von den Aufführungen schwärmen.

Interview: Ursula Litmanowitsch

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