«Ich bin der Denkertyp»

Mit 19 Jahren ist die Thurgauerin Noelle Maritz Stammspielerin im Schweizer Nationalteam. Auf den WM-Achtelfinal freut sie sich besonders.

Seraina Degen/Edmonton
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Frau Maritz, die Qualifikation für die Achtelfinals war erst drei Stunden nach der Niederlage gegen Kamerun und dank Schützenhilfe der USA Tatsache. Wie gross war die Erleichterung?

Noelle Maritz: Sehr gross. Noch in der Garderobe war die Stimmung nicht so gut. Wir hatten im Spiel gegen Kamerun unsere Chancen und sind uns bewusst, dass wir es besser hätten machen können. Das Ziel war, die Qualifikation für die Achtelfinals aus eigener Kraft zu schaffen. Das gelang nicht. Nun sind wir trotzdem froh, dass die WM für uns noch nicht zu Ende ist.

Wie versuchten Sie als Aussenverteidigerin, die schnellen Kamerunerinnen zu stoppen?

Maritz: Das war nicht so einfach. Meine Gegenspielerin war vielleicht nicht die grösste, aber sehr schnell, wendig und trickreich. Da habe ich versucht, im Zweikampf meinen Körper gegen sie einzusetzen, um sie am Durchkommen zu hindern. Das gelang mir in der ersten Halbzeit besser als in der zweiten.

Nach der Pause agierte das ganze Schweizer Team nicht mehr so souverän wie noch in der ersten Hälfte.

Maritz: Ja, das ist so. In der zweiten Halbzeit haben wir den Zugriff auf das Spiel komplett verloren. Was genau passiert ist, weiss ich auch nicht.

Wie bauen Sie sich nach einer solchen Niederlage wieder auf?

Maritz: Ich bin da eher der Denkertyp, der das Spiel im Kopf nochmals durchgeht und über einzelne Aktionen nachdenkt. Im Team werden wir die Partie sicherlich noch genauer analysieren und schauen, was wir in Zukunft besser machen können.

Sie haben in allen drei Gruppenspielen durchgespielt. Wie fit sind Sie im Vorfeld des Achtelfinals?

Maritz: Natürlich spüre ich eine Müdigkeit – es waren bis jetzt zwei intensive Wochen. Wir haben uns aber immer gut regeneriert, deshalb fühle ich mich gut. Wir befinden uns hier an einer WM, da gibt es sowieso keine Ausreden. Ich bin für jedes Spiel fit und genug motiviert. Zudem bin ich mir englische Wochen von meinem Club Wolfsburg aus der deutschen Bundesliga gewohnt, bin also sozusagen im Rhythmus, was das anbelangt.

Sie sind eine der Jüngeren im Team, haben aber schon eine Menge Erfahrung. Wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben?

Maritz: Ich definiere mich über meine Leistung. Ich sehe mich nicht als Wortführerin. Auf dem Platz ist die Kommunikation wichtig, aber daneben überlasse ich das meinen Mitspielerinnen.

Nun geht es am Donnerstag von Edmonton zurück nach Vancouver, wo am Sonntag Gastgeber Kanada wartet. Wie gross ist die Vorfreude?

Maritz: Das wird ein Riesenerlebnis für uns alle. Das Stadion wird wohl ausverkauft sein und die Stimmung bestimmt super, auch wenn die Mehrheit der Zuschauer wohl gegen uns sein wird.