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Hungrige Krienser vor Premiere in Luzern

Der SC Kriens empfängt am Samstag (17.30 Uhr) Rapperswil-Jona zum ersten «Heimspiel» in der Swisspor-Arena des FC Luzern. Mittelfeldspieler Marco Wiget steht für die Auferstehung eines Vereins, der 2013 vor dem Aus stand.
Stephan Santschi
SCK-Vorzeigekämpfer Marco Wiget in seinem Lieblingskaffee Salü am Helvetiaplatz in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 26. Juli 2018))

SCK-Vorzeigekämpfer Marco Wiget in seinem Lieblingskaffee Salü am Helvetiaplatz in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 26. Juli 2018))

Es war ein grosser Moment für den SC Kriens am letzten Freitag. Beim Aufstiegsfavoriten Lausanne erkämpfte er sich ein 1:1-Remis und gab damit nach sechs Jahren ein erfolgreiches Comeback in der Challenge League. «Mit jedem Zweikampf wurde unser Hunger grösser. Das war ein Ausrufezeichen für die Liga, dass wir kein Kanonenfutter sind», sagt Marco Wiget. Der Auftritt des 27-jährigen Mittelfeldspielers hatte dabei symbolischen Charakter. Auf dem von Wasser durchtränkten Rasen spulte er Kilometer um Kilometer ab, scheute keinen Zweikampf, grätschte zu Boden, um klitschnass wieder aufzustehen und sich sofort der nächsten Lücke im Defensivverbund zu widmen.

«Alles lag in Trümmern, wir waren am Boden.» Marco Wiget, Mittelfeldspieler SC Kriens

Wenn er auf die jüngere Vergangenheit zurückblickt, erscheint Wiget alles «fast wie in einem Märchen». 2013, als er vom FC Breitenrain nach Kriens kam, stand der Verein mit 1,3 Millionen Franken Schulden vor dem Konkurs. «Es war eine extrem schwierige Zeit. Mit dem Wechsel ging ich ein Risiko ein, weil schon nach fünf Runden alles hätte vorbei sein können.» Schon da spürte er jedoch: «Wir können etwas aufbauen. Der SCK hat einen grossen Namen, der kommt wieder hoch.» Ein Jahr später folgte mit dem Abstieg in die 1. Liga Classic zwar ein weiterer Rückschlag. «Aus dieser Stunde Null haben wir dann aber eine enorme Kraft geschöpft. Alles lag in Trümmern, wir waren am Boden. Wir nahmen Pickel und Schaufel in die Hände und entwickelten einen riesigen Drive, der bis heute anhält.»

«Ich bin keiner, der 20 Übersteiger macht»

Umfallen, sich aufrichten, mit Leidenschaft weitermachen. Diese Maxime passt ebenso zum SCK wie zu seinem Vorzeigekämpfer Marco Wiget. Auch seine persönliche Karriere war nicht frei von Nackenschlägen. Sämtliche Nachwuchsstufen durchlief der Brunner beim FC Luzern, rund ein halbes Dutzend Mal sass er auf der Ersatzbank der 1. Mannschaft, zum Super-League-Einsatz reichte es allerdings nicht. «Das war hart für mich, schliesslich habe ich sehr viel für meinen Traum vom Fussballprofi gemacht.» Als Konsequenz trat er kürzer, spielte für Tuggen und Breitenrain in der Promotion League und begann Sportwissenschaften und Germanistik zu studieren. Nachdem er auf Initiative des damaligen SCK-Trainers Jean-Daniel Gross ins Kleinfeld gewechselt und zum Stammspieler avanciert war, erlitt er 2015 einen Kreuzbandriss und 2016 ein Schädel-Hirntrauma.

SCK rechnet mit Minusgeschäft

Der Bezug des neuen Krienser Stadions verzögert sich wegen der Schwermetalldeponie, welche im Untergrund gefunden worden ist (wir berichteten). Der SC Kriens weicht daher für die Heimspiele gegen Rapperswil, Wil (26. August) und Chiasso (22. September) in die Swisspor-Arena aus. Frühestens am 28. September gegen Schaffhausen kommt es zur Rückkehr ins Kleinfeld, spätestens aber zum Eröffnungsfest am 13. Oktober soll der Kunstrasen verlegt sein. «Wir möchten so schnell wie möglich ins neue Stadion, weil wir mit jedem Spiel in Luzern 30 000 bis 40 000 Franken verlieren», sagt SCK-Präsident Werner Baumgartner. Der Betrag setzt sich zusammen aus den Ausgaben für das Gastrecht und den reduzierten Einnahmemöglichkeiten im Catering. Dieses wird von der Migros geführt, der SCK erhält eine Umsatzbeteiligung. Insgesamt kalkuliert Kriens mit einem Minusgeschäft. Wie hoch es ausfällt, hängt von den Zuschauerzahlen ab. Gegen Rapperswil hofft man auf 1500 Fans. Geöffnet werden die Haupttribüne für die SCK-Anhänger und der Family-Corner als Gästesektor. Der Eintritt kostet 25 Franken für Erwachsene und 10 für Jugendliche. Saisonkarten sind gültig. (ss)

Der Weg zurück gelang ihm dank Tugenden, die typisch für ihn sind und die er selber so umschreibt: «Ich bin keiner, der 20 Übersteiger macht, sieben tödliche Pässe spielt und am Ende der Saison 14 Tore auf dem Konto hat. Vielmehr organisiere ich unser Spiel, bin die verlängerte Hand des Trainers und zwicke dem Gegner die Bälle ab.» Nach zwei Aufstiegen und dem Challenge-League-Debüt letzte Woche hält Wiget zusammenfassend fest: «Perfekter hätte es für mich seit meinem Wegzug vom FCL kaum laufen können.»

Zumal er nun auch vor dem Abschluss seines Studiums steht. Vize-Captain Wiget, der in der Stadt Luzern mit den Teamkollegen Nico Siegrist und Captain Daniel Fanger eine WG bildet, schreibt aktuell die Masterarbeit zum Thema: «Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Vereinssport.» In Brunnen veranstaltete er Trainings für Flüchtlinge des Durchgangszentrums, auch der SC Kriens bot solche Übungseinheiten an. «Wenn ich die Freude in ihren Augen sehe, stelle ich fest: Das ist für alle ein Mehrwert. Eine Mannschaft funktioniert als Mikrogesellschaft, die Respekt vermittelt. Die Sprache des Fussballs hilft, Vorurteile abzubauen und Grenzen zu sprengen.»

Wenn Wiget an die Grenzen des SC Kriens denkt, mag er nicht von utopischen Zielen, wie dem Aufstieg in die Super League sprechen. «Aber in der Challenge League wollen wir eine Nummer werden. Wir freuen uns auf den Bezug unseres neuen Stadions. Wir sind weiterhin sehr hungrig.» Das zeigten die eher verhaltenen Emotionen nach dem Spiel in Lausanne. «Wir wussten, dass wir mit etwas mehr Mut nach vorne sogar drei Punkte hätten gewinnen können.»

SCK-Heimspiel beim grossen Rivalen, geht das?

Am Samstag steht für den SCK nun die Heimpremiere auf dem Programm. Gegner ist Rapperswil-Jona, das nach dem 3:0-Auftaktsieg gegen Schaffhausen als erster Leader grüsst. Ausgetragen wird die Partie in der Swisspor-Arena des FC Luzern, weil das Kleinfeld noch nicht bezugsbereit ist (siehe Box). Ein SCK-Heimspiel beim grossen Rivalen, geht das, Marco Wiget? «Klar, wir freuen uns darauf. Die meisten unserer Spieler haben eine Vergangenheit beim FCL. Mit unseren Fans auf der Tribüne fühlen wir uns überall wie zu Hause.»

Challenge League

2. Runde: Winterthur – Aarau (heute 20 Uhr). Kriens – Rapperswil-Jona, Schaffhausen – Wil (Sa 17.30 Uhr). Chiasso – Servette (Sa 20 Uhr). Vaduz – Lausanne (So 16 Uhr).

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