Hug und Graf erhalten die Bestätigung

Die beiden Ostschweizer Rollstuhl-Leichtathleten Marcel Hug und Sandra Graf blicken nach der WM in Neuseeland mit Zuversicht in Richtung der Paralympics. In London wollen sie im kommenden Jahr weiter Medaillen gewinnen.

Urs Huwyler
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Marcel Hug (Bild: pd)

Marcel Hug (Bild: pd)

Behindertensport. Was sich im Stadion von Christchurch abspielte, war ein Vorgeschmack auf die Paralympics von 2012. Bei den Rollstuhl-Leichtathleten dürfte der in London wohnhafte David Weir über die Mitteldistanzen zum grossen Rivalen des Thurgauers Marcel Hug werden. An den Titelkämpfen in Neuseeland kam es über 800 m, 1500 m und 5000 m zu Vergleichen zwischen den Favoriten. Dreimal holte sich der 1979 geborene zweifache Paralympics-Sieger von Peking 2008 die Goldmedaille vor dem sieben Jahre jüngeren Ostschweizer, der mit Gold über 10 000 m zur WM gestartet war. «Im vergangenen Jahr konnte ich dominieren, nun hat David noch zugelegt. Er war auf den letzten Metern extrem stark», sagt Hug.

Die wichtige Endschnelligkeit

Über 1500 m und 800 m führte Hug im Gegensatz zum 5000-m-Rennen bei allen Zwischenzeiten. Weir fuhr im Windschatten mit und überspurtete den Weltrekordhalter auf den letzten Metern mit einer Geschwindigkeit von 36 km/h. Im Training erreichte Hug rund 33 km/h. «Auf höchstem Niveau ist es kaum mehr möglich, die Konkurrenten mit einer Tempofahrt abzuschütteln. Es gilt also im Hinblick auf London 2012 weiter auf eine gute Endschnelligkeit hinzuarbeiten», zieht Hug erste Lehren aus den Titelkämpfen, die für ihn mit einmal Gold und viermal Silber erfolgreich verliefen. In Peking 2008 blieb der Rollstuhl-Profi ohne Podestplatz.

Gleiches gilt für Teamkollegin Sandra Graf aus Gais: Über 5000 m und im Marathon musste sich die WM-Zweite im Handbike ebenfalls mit Silber zufriedengeben. «Es geht primär darum, mitzurollen und sich für die letzten vierhundert Meter eine optimale Position zu erkämpfen. Weil ich wegen meines Muskelbaus keine Sprinterin bin, wird es immer schwieriger, Rennen zu gewinnen», so die Appenzellerin. Im 5000-m-Rennen sprengte Graf das Feld, führte nach 2000, 3000 und 4000 Metern. Eine Dreiergruppe blieb übrig. Die Amerikanerin Amanda McGrory war im Sprint zwei Zehntelsekunden schneller, die Britin Rochelle Woods 21 Hundertstelsekunden langsamer. Im abschliessenden Marathon wiederholte sich der Rennverlauf. Graf arbeitete und verpasste Gold im Fotofinish gegen die Japanerin Wakako Tsuchida, blieb aber vor McGrory.

Auf dem richtigen Weg

Die WM lieferte Hug und Graf die Bestätigung, dass sie in London 2012 zum Favoritenkreis gehören. «Ich habe gesehen, dass ich über die Langstrecken weiterhin an der Weltspitze dabei bin. Dies ist fast wichtiger als die Farbe der Medaille», sagt Graf. Ihre Rivalinnen McGrory und Rochelle Woods sind 17 Jahre jünger. Auch Hug, der im Marathon aufgab, war zufrieden. Über 10 000 m gab der Jüngste im Feld den Rhythmus vor und verteidigte den Titel souverän in 22:16.83. Sein in Arbon erzielter Weltrekord steht bei 19:50.64. Hug hätte also noch zusetzen können.

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