HOTEL: Tacos für die Skirennfahrer

Während der WM in St. Moritz wohnen die amerikanischen Skirennfahrer in der Bever Lodge. Zum Stab gehört auch Koch Allen Tran. Haben die Athleten Heimweh, bereitet er ihr Lieblingsessen zu.

Raya Badraun, St. Moritz
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Für die Gäste wurde die Deko angepasst. Von den Servietten bis zu den Fähnchen ist alles rot-blau.

Für die Gäste wurde die Deko angepasst. Von den Servietten bis zu den Fähnchen ist alles rot-blau.

Bever ist amerikanisch geworden. Während der Ski-WM jubeln die Primarschüler im Zielraum dem US-Team zu. Und im kleinen Engadiner Dorf, das zwischen Zuoz und St. Moritz liegt, wehen ­momentan blau-rote Flaggen. Stars and Stripes. Das liegt an der Bever Lodge, einem Hotel gleich gegenüber des Bahnhofs. Während des Grossanlasses übernachtet hier das amerikanische Ski-Team. «Come in, we are open», steht am Eingang. In der Lounge prasselt ein Feuer. Miller-Bier wird ausgeschenkt. Und in der Ecke, da steht eine Jukebox. «Die war jedoch schon vorher da», sagt Marco Zeller und lacht. Der 36-Jährige ist Gastgeber in der Bever Lodge und der Grund, warum die amerikanischen Skirennfahrer hier übernachten. Das Hotel war noch im Bau, als er zum WM-Organisationskomitee ging und seine Zimmer für ein Skiteam anbot. Er hoffte auf eine spannende Mannschaft, mit der er sich identifizieren kann. Am Ende bekam er die Amerikaner. Ein Glücksfall. Im Engadiner Dorf sind sie fast schon Stammgäste. Vor einem Jahr übernachteten sie während eines Weltcuprennens bereits einmal in der Bever Lodge. Nun sind sie wieder da und belegen das ganze Hotel. 60 Personen sind es insgesamt. Nur eine fehlt: Lindsey Vonn. Das Aushängeschild übernachtet an einem anderen Ort.

Ein Koffer voller Energieriegel und einen für die Gewürze

Doch auch ohne die Skikönigin hat Marco Zeller in diesen zwei Wochen einen anspruchsvollen Job. Das fängt schon beim Essen an. Einige der amerikanischen Athleten haben Unverträglichkeiten, essen kein Gluten oder verzichten auf Milch. Also suchte Marco Zeller nach Alternativen wie Soja- oder Mandeldrinks. Doch die Bever Lodge vergrösserte nicht nur kurzfristig das Angebot. Sie gab auch den Kochlöffel ab. Das ­amerikanische Skiteam reist jeweils mit einem Koch an die wichtigsten Rennen. Auch während der WM in St. Moritz ist einer dabei: Allen Tran, 31 Jahre alt. Aufgewachsen ist der gebürtige Chinese in Chicago, einer Stadt, die nur wenig mit Wintersport zu tun hat. Doch seit zwei Jahren fährt er Ski. Angesteckt wurde er wohl von seinem neuen Arbeitgeber, dem US-Skiteam. Das halbe Jahr wohnt er in der Nähe des Sommerstützpunktes in Park City im US-Bundesstaat Utah, wo sich die Athleten auf die Saison vorbereiten. Im Winter reist er mit der Mannschaft um die ganze Welt. In Kitzbühel war er schon; und bald geht es nach Südkorea, wo der Testevent für die Olym­pischen Winterspiele 2018 stattfinden wird. «Als Koch ist es sehr spannend, so viele verschiedene Orte zu sehen und das Essen zu probieren», sagt Tran. In der Schweiz möge er vor allem den Käse und natürlich die Schokolade. Auch die Qualität der Eier sei deutlich besser als in den USA. Diese verwendet er vor allem für das Frühstück. Ab fünf Uhr in der Früh gibt es für die Athleten Omeletts und Eierspeisen.

Die meisten Produkte kauft Tran vor Ort. Doch auf jeder Reise hat er auch zwei riesige Koffer dabei. In einem transportiert er Hunderte von Energieriegeln, welche die Sportler im Training oder vor dem Wettkampf essen. Im anderen sind verschiedene Gewürze und scharfe Saucen, damit das Essen wie zu Hause schmeckt. «Die Skirennfahrer sind im Winter für viele Monate unterwegs», sagt Tran. «Manchmal bekommen sie Heimweh. Dann koche ich ihr Lieblingsessen.» Bei den amerikanischen ­Skirennfahrern sind das mexikanische Spezialitäten. Auch in Bever hat er schon Tacos zubereitet. «Noch nie wurden so viele Avocados gegessen wie momentan», sagt Marco Zeller. Allgemein essen die Skirennfahrer deutlich mehr als andere Gäste. «Aber lange nicht so viel wie Profi-Langläufer.»

Ein Spitzensportler am Nebentisch

Alle Wünsche kann und will Zeller dem Skiteam jedoch nicht erfüllen. Allen Tran fragte etwa nach frischen Beeren für das Frühstücksbuffet. «Da sagte ich nein», so der Gastgeber. «Einerseits ­haben diese momentan keine Saison, andererseits würde es das Budget sprengen.» Finanziell profitiert die Bever Lodge nicht von den speziellen Gästen, denn die Zimmerpreise wurden für die Partnerhotels von der FIS festgelegt. «Die Einbussen nehmen wir aber in Kauf», sagt Marco Zeller, der stark mit den Wintersportarten verbunden ist. «Wir machen damit etwas für die ­Region. So ein Anlass ist schliesslich nur möglich, wenn alle mitmachen.»

Er hofft jedoch auch, mit den Skirennfahrern Gäste anzulocken. So bereitet das Küchenteam jeden Abend ein amerikanisches Menu für auswärtige Besucher zu. Während die Gäste eine Maissuppe mit Popcorn und Koriander essen, können sie beobachten, wie die Athleten es ihnen gleichtun. Daneben findet an den Renntagen ein Public Viewing statt. «Ich juble schon fast ein bisschen für die Amerikaner», sagt Marco Zeller. «Es wäre doch super, wenn wir hier eine Medaille feiern könnten.»

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