Hotel-Aufenthalt als Motivation

An das 2:1 Luxemburgs in der WM-Qualifikation gegen die Schweiz erinnert sich Jeff Saibene gerne. Solche Erfolge sind in der Geschichte des luxemburgischen Fussballverbandes rar, auch wenn die Nachwuchsarbeit professionalisiert wurde.

Markus Zahnd
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Ein Treffer mit Erinnerungswert: Jeff Strasser erzielt in der Qualifikation für die WM 2010 gegen die Schweiz das 1:0 und leitet damit den Überraschungserfolg Luxemburgs ein. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Ein Treffer mit Erinnerungswert: Jeff Strasser erzielt in der Qualifikation für die WM 2010 gegen die Schweiz das 1:0 und leitet damit den Überraschungserfolg Luxemburgs ein. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

FUSSBALL. Die Schweizer Fussballer und ihr Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld erinnern sich nur ungern an den 10. September 2008. Denn jener Tag wird noch immer gleichgesetzt mit einer der bittersten Niederlagen: In Zürich verloren die Schweizer 1:2 gegen Luxemburg. Im Grossherzogtum sind die Gedanken an jenen Tag natürlich nur positiv. «Dieser Sieg hat in Luxemburg einen enorm hohen Stellenwert. Es ist der bisher grösste Sporterfolg des Landes», sagt Jeff Saibene. Der Trainer des FC St. Gallen muss es wissen, schliesslich absolvierte er 64 Länderspiele für Luxemburg.

Trotz dieses historischen 2:1 hat Luxemburg die Teilnahme an der WM in Südafrika verpasst, die Schweiz hingegen wurde Gruppensieger. Und mit fünf Punkten aus zehn Spielen war es für Luxemburg auch nicht die erfolgreichste Gruppenphase. «In der Qualifikation für die EM 1996 besiegten wir den späteren Finalisten Tschechien und holten insgesamt zehn Punkte», erinnert sich Saibene, der damals noch gespielt hat. Und auch die knappe 2:3-Niederlage 1991 gegen den damaligen Weltmeister Deutschland zählt Saibene zu den bisher schönsten Erfolgen.

Fussballschule für Talente

Damit in Zukunft noch weitere solcher Achtungserfolge gefeiert werden können, hat der luxemburgische Verband in den vergangenen zehn Jahren eine Fussballschule aufgebaut. Nationalspieler der U15 bis U21 trainieren unter der Woche beim Verband, an den Wochenenden spielen sie in der Meisterschaft mit ihren Vereinen. Auch Saibene hat für diese Fussballschule gearbeitet, als er einen Teil der Saison 2010/2011 als Trainer der U19 und der U21 amtete. «Das Projekt ist gut. Aber es wird noch einige Jahre dauern, bis es seine Wirkung zeigt», so Saibene.

Vorerst muss die Nationalmannschaft, die seit August 2010 von Luc Holtz trainiert wird, aber ohne allzu bekannte Namen auskommen. In der Schweiz ein Begriff ist vor allem Mario Mutsch, der einst zwei Jahre für Aarau spielte und seit dem Sommer bei Sion ist. Ebenfalls kein Unbekannter ist Jeff Strasser. Der mittlerweile 37jährige Rekordnationalspieler war sieben Jahre in der Bundesliga bei Kaiserslautern und Gladbach aktiv und gab 2009/2010 ein Gastspiel bei den Grasshoppers. Und er war im September 2008 der Torschütze zum 1:0. Heute abend gehört Strasser aber nicht zum Aufgebot.

90 Prozent arbeiten

Die meisten Spieler des Teams sind aber in der heimischen Liga aktiv und daher «No Names», wie es Saibene ausdrückt. Das Niveau der Nationaldivision sei im internationalen Vergleich bescheiden: «Die Qualität der Spiele ist mit der 1. Liga vergleichbar.» Und rund 90 Prozent der Nationalspieler gehe normal arbeiten und trainiere nur am Abend. «Deshalb sind die Partien der Nationalmannschaft für die meisten Spieler absolute Höhepunkte. Man ist ein paar Tage zusammen im Hotel und kann zweimal am Tag trainieren», schildert Saibene auch seine eigenen Erfahrungen.

Auch deshalb würden die Luxemburger heute sehr motiviert sein. «Aber wir müssen realistisch bleiben. Die Schweiz ist in der Weltrangliste 18., Luxemburg folgt hundert Ränge dahinter. Die Schweiz ist haushoher Favorit», sagt Saibene. Das war die Mannschaft von Hitzfeld am 10. September 2008 allerdings auch.