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Hopman-Cup: Zersplitterte Interessen
und Geldgier

Nach dem diesjährigen Traumfinal zwischen der Schweiz und Deutschland steht der Hopman-Cup vor dem Aus. Es wäre das bittere Ende eines einzigartigen Formats.
Jörg Allmeroth, Perth
Roger Federer (links) und Belinda Bencic gewinnen am Wochenende den Hopman-Cup. (Bild: EPA/TONY MCDONOUGH)

Roger Federer (links) und Belinda Bencic gewinnen am Wochenende den Hopman-Cup. (Bild: EPA/TONY MCDONOUGH)

Roger Federer (37) ist nicht nur ein höflicher Mensch mit Gentleman-Manieren. Er ist auch noch der grösste Diplomat, der sich unter der Tennissonne finden lässt. Und so verhüllte der Schweizer Maestro, soeben wieder zum Hopman-Cup-Champion mit seiner Partnerin Belinda Bencic gekürt, die eigentlich bittere Wahrheit zur Turnierzukunft auf dem Centre Court in netten Allgemeinplätzen. «Perth ist eine Traumstadt, die grosses Tennis verdient. Ich wünsche mir ein Wiedersehen», sagte Federer am Samstag, «dies hier wird nicht das Ende sein.»

Die Frage aber ist: Wie geht es weiter in Perth, ausgerechnet nach einem spektakulären Turnier mit dem spannungsreichsten Final überhaupt? Nach diesem mitreissenden Endspielkrimi, in dem das deutsche Topduo Angelique Kerber/Alexander Zverev den allerletzten Punkt im entscheidenden Mixed-Doppel verlor und zum zweiten Mal hintereinander auf Platz zwei hinter der Schweiz landete? Vom Glanz und der Wirkungskraft dieses Centre-Court-Thrillers wird man im Westen Australiens künftig nur noch träumen können, vorausgesetzt, der Hopman-Cup hätte überhaupt noch eine Zukunft. Denn genau das ist alles andere als sicher, gerade jetzt, da die inoffizielle Mixed-WM der gemischten Pärchen einen neuen Boom, eine neue Blütezeit erlebt.

Das Profitennis war schon immer eine seltsame Welt mit viel zu vielen Machtzentren, mit Verbänden, Organisationen und Unternehmen, die nebeneinander oder gegeneinander regierten. Doch so heillos zerstritten und konfus wie zum Jahresstart 2019 präsentierten sich der Sport und seine Entscheidungsträger noch selten, vielleicht auch noch nie. Ein Opfer dieser alten neuen Kleinstaaterei und, ganz nebenbei, auch der modernen Geldgier dürfte der Hopman-Cup werden, ein Format, das in den 80er-Jahren der geniale Impresario Paul McNamee ins Leben gerufen hatte. Nie war das Turnier ein sogenanntes offizielles Turnier, mit Weltranglistenpunkten und amtlichen Würden. Aber er zog die Topspieler genauso wie die Zuschauer an, mit dem unverwechselbaren Mixed-Modus und der Chance, sanft ins neue Tennisjahr hineinzugleiten.

Neue, chaotische Weltordnung

Fast alle grossen Namen waren in den letzten 30 Jahren da, auch Boris Becker und Steffi Graf in den 90ern, auch fast alle Spitzenkräfte dieser Epoche – Federer, Novak Djokovic, Andy Murray, Serena Williams, Venus Williams. «Es war ein grosses Vergnügen, dort zu spielen. Und es wäre jammerschade, wenn das Turnier nicht weitergeführt würde», sagte Becker, der am Wochenende Gast bei einem internationalen Trainerkongress in Berlin war.

Aber Hoffnungen und Wünsche zählen nicht viel. Längst hat sich eine neue, chaotische Weltordnung im Tennis herausgebildet. Und zu diesem Wirrwarr gehört die Zerstörung des Davis Cup, wie ihn alle kannten, stattdessen gibt es ja nun ein Davis-Cup-Finalturnier der Länder zu spät in der Saison, im November nach der ATP-WM. Und dazu gehört auch der ATP-Cup der Männer gleich zum Saisonanfang 2020, ein weiterer Nationenwettbewerb in der Tradition des World Team Cup von Düsseldorf. Es ist eine seltsame, unkoordinierte Dramaturgie, die niemand braucht, ausser jenen, die daran kräftig verdienen.

Für den Hopman-Cup ist in dieser Landschaft faktisch kein Platz mehr, denn ohne die besten Spieler, die beim ATP-Cup ihrer eigenen Profigewerkschaft antreten werden, hätte das Ganze keinen wirklichen Sinn mehr. Zynisch genug, dass der australische Tennisverband, der sich auch am ATP-Cup beteiligt, nun darauf verweist, dass es noch gültige Verträge für den Hopman-Cup bis zum Jahr 2022 gibt, Verträge, unter denen auch die Unterschrift von Tennis Australia steht. Es ist eine Unterschrift, die nicht mehr die Tinte wert ist.

Das Schlussbild vom Samstag, die launigen Reden von Federer und Zverev bei den offiziellen Zeremonien, die Rekordkulisse von 14 000 Zuschauern – all dies wird auch ein Schlusspunkt sein. Womöglich wird Spitzentennis auch in Zukunft in Perth gespielt, als einem der Austragungsorte des ATP-Cup.

Aber der Hopman-Cup und sein einzigartiges Format sind wohl Geschichte.

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