Kolumne

«Homeschooling ist anstrengender als ein Fussballteam zu führen»

Diese Hommage an die Eltern und Lehrer kommt von Giorgio Contini, dem ehemaligen Spieler und Trainer des FC St.Gallen. Er ist eigentlich auf dem besten Weg, mit dem FC Lausanne-Sport in die Super League zurückzukehren.

René Bühler
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Unser Kolumnist René Bühler

Unser Kolumnist René Bühler

Benjamin Manser

Giorgio Contini ist aber auch Vater von zwei schulpflichtigen Kindern. Er half bis zu den Frühlingsferien beim Homeschooling mit und sagt: «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass es mit dem Fussball bald weitergeht.»

Während zwei Jahren wohnte ich nur einen Steinwurf vom Stade Olympique in Lausanne entfernt. Natürlich besuchte ich in dieser Zeit auch die Gastspiele des FC St.Gallen auf der Pontaise. Die grossartigen Lausanner Zeiten der 1960er-Jahre mit zwei Cupsiegen, vier Vizemeisterschaften und dem Meistertitel 1965 waren zwar längst vorbei, aber die Geschichten aus dieser Zeit mit dem ehemaligen Nationalspieler und früheren Brühler Richard Dürr noch allgegenwärtig. Wer es in Lausanne zu etwas gebracht hatte, wohnte wie Dürr im Lausanner Vorort St-Sulpice.

Lausanne will das neue Stadion in der Super League einweihen

Ich war auch in St-Sulpice, aber nur im linken Mittelfeld des dortigen 2.-Ligaclubs und bei einem Sponsor des Vereins als Hilfsbuchhalter angestellt. Das war in den 1980er-Jahren und in der Zeit, als die Grasshoppers noch Schweizer Meister wurden, der FC Basel nur mitspielte und der FC St.Gallen sowie Lausanne-Sport, mein welscher Lieblingsverein, knapp hinter den Zürchern rangiert waren.

Den Applaus aus dem mächtigen Stade Olympique, welches 1954 für die Fussball-WM in der Schweiz erbaut wurde und wo auch das Eröffnungsspiel stattfand, hörte ich bis in meine Wohnung. Das Stadion ist seit Jahrzehnten nicht mehr das, was man sich unter einem modernen Fussballstadion vorstellt. «Wir möchten das 12'000 Zuschauer fassende, neue Stade de la Tuilière in der Super League einweihen», sagt Contini mit Blick auf die neue Saison.

Seit dem Lockdown ist er bei seiner Familie in der Ostschweiz. Er freut sich, mehr zu Hause zu sein, aber er muss auch mit dem schlimmstmöglichen Fall rechnen, also einem Verbleib in der Challenge League. Nachdem nun bekannt ist, dass die Grasshoppers in der nächsten Saison mit einem chinesischen Investor ein wirklich ernstzunehmender Konkurrent um den Aufstieg in die Super League sein werden, wäre eine Rückkehr in die höchste Liga für die Lausanner in dieser Saison umso wichtiger.

Finanzstarker Besitzer

Aber auch Lausanne-Sport hat mit seinem englischen Besitzer Ineos viel finanzielles Potenzial. Ineos ist der wichtigste Hersteller von Hand-Desinfektionsmitteln in Europa und somit auf der einen Seite unverhofft einer der geschäftlichen Profiteure des Coronavirus. Auf der anderen Seite könnte gerade dieses Virus der Auslöser dafür sein, dass die Waadtländer nicht in die Super League aufsteigen können.

Ineos würde sich aber wohl auch in der kommenden Saison nicht hinter dem chinesischen Investor bei den Grasshoppers verstecken wollen. Die Firma zeigt ihre finanziellen Möglichkeiten auf eindrückliche Weise in der aktuellen Krise, in welcher sie den Spitälern die Hand-Desinfektionsmittel gratis zur Verfügung stellt.

Stürmer Contini erzielte in der Meistersaison 2000 neun Tore für den FC St.Gallen. Auch in der Westschweiz verfolgt er seinen ehemaligen Verein. «Ich sah eine stetige Steigerung der Leistungen. Von aussen betrachtet sind Parallelen zu unserer Meistersaison in Bezug auf den Teamspirit, den Mut und natürlich die Fans vorhanden. Ich wünsche mir für uns und den FC St.Gallen, dass die Saison erfolgreich zu Ende gespielt werden kann.»

Unser Kolumnist
Unter der Rubrik «Querdenker» wirft René Bühler in unregelmässigen Abständen einen Blick auf das Sportgeschehen. Bühler ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St.Gallen, Gründer des Hallenturniers Regiomasters und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)