Holdeners Konkurrenz

Beim WM-Slalom dreht sich heute alles um die Jagd nach Gold von Lokalmatadorin Mikaela Shiffrin. Auch für die Schweizer wird es spannend – vor allem dank Wendy Holdener.

Stefan Klinger/Beaver Creek
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SKI ALPIN. Seit dem vergangenen Wochenende ist es endgültig vorbei mit der Ruhe in Beaver Creek. Da kam der Fanclub von Wendy Holdener im WM-Ort an. Über 20 Leute, deren Markenzeichen ein T-Shirt mit der Aufschrift «Go Wendy» ist, das in der Form einer Startnummer geschnitten ist – und aus ihren Kuhglocken alles rausholen, was diese an Lauten hergeben.

Nach zwei WM und den Olympischen Spielen von Sotschi tritt die 21-Jährige erstmals an einem Grossanlass mit realistischen Medaillenchancen an. Nicht nur aufgrund ihrer Resultate in dieser Saison. Vielmehr, weil Holdener nun auch mental reif scheint. Zwar betont sie, dass sie sich schon in Sotschi «etwas ausgerechnet» hat. Doch sie weiss, dass sie sich selbst im Weg gestanden hat. «Ich habe aus den Grossanlässen gelernt. Ich habe dort immer zu viel gewollt», sagt sie, «wichtig ist, dass ich diesmal meine Erwartungen etwas zurückschraube – und trotzdem angreife.» In den vergangenen Tagen hatte Holdener die Balance aus Konzentration und Gelassenheit. Falls sie diese auch heute hat, ist eine Medaille möglich. Dafür wird sie sich höchstwahrscheinlich gegen folgende Favoritinnen durchsetzen müssen:

Mikaela Shiffrin (USA)

Mit dem stärksten US-Team der Geschichte wollte Cheftrainer Sasha Rearick die WM dominieren. Schon vor den letzten Rennen steht fest: Die tolle Bilanz von 2013 wird die USA nicht erreichen. Nun soll es Shiffrin richten. Die 19-Jährige wurde mit 17 Weltmeisterin, mit 18 Olympiasiegerin, ist aktuell in Topform. Die Lokalmatadorin, in Vail aufgewachsen, ist das Gesicht der WM und strahlt von vielen Plakaten. Zu viel Druck? «Nein», sagt sie, «ich bin in der Position, in der ich immer sein wollte.»

Tina Maze (Slowenien)

Maze wird als zweimalige Olympiasiegerin, viermalige Weltmeisterin sowie Gesamtweltcupsiegerin und beste Allrounderin im Weltcup von Rennen auf Augenhöhe angetrieben, mit den Spezialistinnen in der Disziplin. So ist die 31jährige Slowenin, so heisst es aus ihrem Umfeld, trotz ihren Siegen in Beaver Creek in der Abfahrt und der Kombination nun ganz besonders heiss auf den Slalom-Titel. Denn dort kann sie Shiffrin bei deren Heimspiel besiegen. Das Können dazu hat sie allemal.

Frida Hansdotter (Schweden)

Frida Hansdotter war an der vergangenen WM der Durchbruch gelungen, als sie im Slalom Bronze gewann. Und weil die 29-Jährige seither ihre ersten zwei Weltcupsiege eingefahren hat und aktuell die Slalom-Weltcupwertung anführt, fühlt sie sich bereit für den grossen Erfolg. Für den Teamwettbewerb wurde sie nicht nominiert, weil ihr Coach andere als besser ansah. «Das war enttäuschend für mich», sagt sie. Dafür sei sie jetzt noch motivierter, im Slalom allen zu zeigen, wer die Schnellste ist.

Kathrin Zettel (Österreich)

Die WM ist für Kathrin Zettel bislang nicht erfreulich verlaufen. Sechste in der Kombination, Siebte im Riesenslalom. «Beim Kombinationsslalom hatte ich Probleme. Ich hoffe, die Piste ist nun eisiger», sagt die 28-Jährige. Die aussichtsreichste Disziplin der Olympiadritten von Sotschi kommt aber erst jetzt: «Slalom ist meine stabilste Disziplin, da habe ich die meisten Podestplätze», sagt sie, «ich bin wegen einer Medaille da. Dafür muss ich an mein Maximum gehen.» Dann ist für sie alles möglich.

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