Hohe Ziele im Übergangsjahr

Für den Hürdensprinter Kariem Hussein ist 2015 ein Zwischenjahr. Aufgrund verschiedener Praktika kommt der Medizinstudent zu weniger Training und Erholung. «Trotzdem will ich mich verbessern», sagt der Thurgauer.

Raya Badraun
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Kariem Hussein verbringt momentan viel Zeit im Spital. (Bild: Reto Martin)

Kariem Hussein verbringt momentan viel Zeit im Spital. (Bild: Reto Martin)

LEICHTATHLETIK. Kariem Hussein lässt sich nicht gerne in die Karten blicken. In Gesprächen bleibt der Thurgauer stets zurückhaltend und versucht die Erwartungen an ihn zu dämpfen. So sprach er vor der Heim-EM in Zürich nicht gerne von einer Medaille oder gar dem Europameistertitel. Nicht einmal, als er sich mit einem Traumlauf für den Final qualifizierte. «Schön wäre es natürlich», sagte der Hürdenläufer jeweils, um im nächsten Satz zu erklären, warum es aber nicht so einfach werden wird. So gab er am Tag vor dem Final zu bedenken, dass er nicht wisse, wie sein Körper auf die Strapazen reagieren werde. Immerhin war es sein erster Grossanlass, an dem er innerhalb von vier Tagen dreimal zu einem Rennen antrat.

Durch dieses Vorgehen schaffte es der 26jährige Hussein, die Erwartungen, die ohnehin schon hoch waren, nicht noch zu vergrössern. Seit dem vergangenen Sommer ist dies jedoch nicht mehr so einfach. Denn mit 48,47 Sekunden über 400-m-Hürden lief der Tägerwiler beim Continental Cup die viertbeste Zeit des Jahres – weltweit. Damit machte sich der Europameister bereits frühzeitig zum Thema für die diesjährige WM in Peking, welche Ende August stattfinden wird.

Eine Steigerung nötig

So war es auch nicht überraschend, dass rasch die Frage nach einem Podestplatz an den internationalen Titelkämpfen in China aufkam. «Zu einer Medaille würde ich nicht Nein sagen», antwortete Hussein mit einem Lachen. Gleich darauf nahm er den Hoffnungen jedoch den Wind aus den Segeln. «Wenn man die Jahresweltbestzeiten anschaut, sieht es danach aus», so Hussein. «Doch die Zeiten, die es braucht, um an einer WM den Final zu erreichen und eine Medaille zu holen, sind tiefer.» Um gegen die starke Konkurrenz bestehen zu können, müsse er sich noch steigern – in jedem Bereich. Das heisst Schnelligkeit, Kraft und Technik. «Das ist harte Arbeit und die Voraussetzung für schnellere Zeiten.» Doch genau das ist in diesem Jahr gar nicht so einfach. Denn 2015 ist für Hussein ein Übergangsjahr auf dem Weg an die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Weniger Zeit für die Erholung

Bereits vor der EM stand fest, dass Hussein danach viel Zeit als Unterassistent im Spital verbringen wird. Innerhalb von zwei Jahren muss der Medizinstudent neun Monate Praktikum absolvieren. Dazwischen nimmt Hussein in diesem Winter an mehreren Trainingslagern teil. Zwei hat er bereits hinter sich, das dritte findet in den kommenden Wochen in Südafrika statt, das vierte ist Anfang April geplant. «Es ist gut, zwischendurch wegzukommen, meine Ruhe zu haben und einfach trainieren zu können», sagt der Tägerwiler. Trotz der Auszeiten an der Sonne kann er in diesem Jahr aber nicht mehr ganz so viel trainieren, wie noch in der vergangenen Saison. «Auch für die Erholung habe ich weniger Zeit», sagt der 26-Jährige. Bisher sei es jedoch erst ein Gefühl, an der Leistung merke er es nicht. «Das wird sich erst im Sommer zeigen.»

Zielstrebig und kompromisslos

Doch obwohl 2015 für ihn ein Übergangsjahr ist, will Hussein nicht nachlassen – so viel lässt er durchblicken. Dies würde auch nicht zu ihm passen. Immerhin beschrieb ihn sein Trainer Flavio Zberg einst als extrem zielstrebig und kompromisslos. «Seinen Leistungen ordnet er alles unter», sagte Zberg vor der EM. Daran hat sich nicht viel geändert. So plant Hussein in diesem Sommer nicht nur Teilnahmen in der Diamond League. Er möchte auch an der WM in Peking antreten. «Ich will meine Leistungen vom vergangenen Jahr bestätigen und mich weiter verbessern», sagt Hussein – ohne ein «aber» hinzuzufügen. Dieser kurze Blick in die Karten lässt auf einiges hoffen.

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