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Hölderlin und die künftige Schweiz

KREUZLINGEN. Im Museum Rosenegg ist an der 34. Jahrestagung der Hölderlin-Gesellschaft die Ausstellung «Hölderlin und die <künftige Schweiz>» eröffnet, Prof. Dr. Ulrich Gaier geehrt und ein umfangreicher Aufsatz-Band zum Thema vorgestellt worden.
Johannes von Granberg

Sabine Doering, die amtierende Präsidentin der Hölderlin-Gesellschaft, sprach am Donnerstag ihren Dank aus, dass die Ausstellung hier gezeigt werden könne, und hob hervor, wie stimmig es sei, das dies ausgerechnet im Rosenmonat Juni in einem Haus namens Rosenegg geschehe.

Kreuzlingen – Ort der Bildung

Offensichtlich halte die Beschäftigung mit dem Werk Hölderlins jung, wie man an Prof. Gaier sehen könne, der bald in seinem achtzigsten Lebensjahr steht. Stadtammann Andreas Netzle hob in seiner Laudatio etwa die wichtige Rolle von Kreuzlingen als Ort der Bildung des Kantons Thurgau hervor und betonte, dass man sich hier schon in früheren Zeiten weltoffen und gegenüber Fremden zur Aufnahme bereit gezeigt habe.

Humorvoll nahm Ulrich Gaier all dies zur Kenntnis und stellte fest, das es, frei nach Plato, manchmal ein mühsamer Weg vom Reich der Idee ins Reich der Dinge sei. Aber eine überraschend grosszügige finanzielle Unterstützung verschiedener Sponsoren habe die Publikation des Bandes ermöglicht, der 22 Beiträge namhafter Forscher vereint, qualitätsvoll in gebundener Form. Dabei zählt Ulrich Gaier zu den Doyens der Hölderlin-Forschung; bereits 1962 hat er erstmals über den Dichter publiziert.

Die Ausstellung beleuchtet auf zahlreichen Tafeln den Bezug des Dichters Hölderlin zur Schweiz. Bereits im Entrée blickt den Besucher eine Reproduktion des bekanntesten Hölderlin-Porträts an. Im Erdgeschoss liegt der Fokus auf den Jahren der Helvetik. Von 1798 bis 1803 stand die Schweiz unter französischer Besatzung. Jeder Widerstand wurde brutal niedergekämpft, die Fryheit der einstmals stolzen Kantone der Eidgenossen war durch eine schwammige liberté ersetzt worden.

«Burg der Himmlischen»

Wie man die «künftige Schweiz» nach Napoleons Unterdrückung gestalten könnte, beriet um 1800 ein Kreis aus Schweizern, Deutschen und Franzosen. Hierbei spielte Hölderlin eine bedeutende Rolle. Seine Dichtung «Hyperion» nimmt dabei eine Schlüsselposition ein. Gerne sprach Hölderlin in seiner Lyrik von den Gebirgen der Schweiz metaphorisch als «Burg der Himmlischen». In diesem Freundeskreis wurde der Plan gefasst, eine neue Schweiz zu gestalten, die sogar einem künftigen Europa als Modell dienen könne. Schliesslich nahm dieses Modell 1848 weitgehend in der Gründung der Confoederatio Helvetica Gestalt an.

Auf den Tafeln erfährt man über die Wanderungen Hölderlins und seiner Freunde in der Schweiz, über die Denkorte. Die Visionäre der Schweiz, wozu Schüler der Philosophen Fichte und Reinhold zählten, werden vorgestellt. Die Wechselbeziehungen zwischen den Vordenkern an Orten wie Paris, Frankfurt, Mainz und Zürich werden aufgezeigt; auch der «Bund der Geister» der Homburger Monate des Hölderlin'schen Freundeskreises aus Jung, Sinclair, Boehlendorff und anderen unter dem Protektorat Friedrich von Hessen-Hoburgs wird beleuchtet.

In der Bel-Etage der Rosenegg wiederum liegt der Schwerpunkt auf Hölderlins Zeit als Hauslehrer der Töchter der Industriellenfamilie von Gonzenbach in Hauptwil.

Mythos Schweiz

Unter dem Motto «Unter den Alpen gesungen» (sonst in Hauptwil zu sehen) werden der literarischen Vorbilder und Vorläufer des Dichters gedacht bzw. der Rolle der Schweiz in der Dichtung des 18. Jahrhunderts. Der Mythos Schweiz wird aufgezeigt und der Wandel in der Rezeption der Schweizer Landschaft etwa bei Albrecht von Haller, Salomon Gessner, Klopstock und Goethe.

Zur Ausstellung ist ein von Ulrich Gaier und Valérie Lawitschka edierter Katalog erschienen; in einem reich illustrierten Begleitband stellen zehn schweizerische und deutsche Spezialisten die neuen Forschungsergebnisse in Geschichte, Politik, Philosophie und Literatur so dar, dass sie auch den nichtspezialisierten Lesern zugänglich sind und spannend werden. Einige Radierungen Alfred Hredlickas ergänzen die Ausstellung im Flur des Hauses.

«Hölderlin und die <künftige Schweiz>» und «Unter den Alpen gesungen», Museum Rosenegg, Kreuzlingen; Mi 17–19, Fr/So 14–17 Uhr; bis 7.7. museum-rosenegg.ch

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