HÖHEPUNKT: Verspätetes Geburtstagsgeschenk

Beat Feuz erreicht in St. Moritz den wichtigsten Sieg in seiner Karriere. Der 30-jährige Berner wird Weltmeister in der Abfahrt. Titelverteidiger Patrick Küng hingegen muss sich mit dem undankbaren vierten Rang begnügen.

Raya Badraun, St. Moritz
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Einen Tag nach seinem 30. Geburtstag gewinnt Beat Feuz seinen ersten grossen Titel. (Bild: Johann Groder/Freshfocus)

Einen Tag nach seinem 30. Geburtstag gewinnt Beat Feuz seinen ersten grossen Titel. (Bild: Johann Groder/Freshfocus)

Raya Badraun, St. Moritz

Das Publikum hielt den Atem an. Keiner applaudierte, keiner schwenkte seine Fahne. Stattdessen starrten alle auf die grosse Leinwand im Zielraum. Der Kanadier Erik Guay raste soeben über die Piste und seine Zwischenzeiten hatten eine Farbe, die sich kaum einer der Zuschauer wünschte. Sie war grün. Damit lag er vor dem Leader Beat Feuz und auch vor Patrick Küng, der zu diesem Zeitpunkt mit dem Norweger Kjetil Jansrud den zweiten Platz teilte. Für einen Moment schien es fast so, als würde Guay die Schweizer Party platzen lassen.Doch Feuz war an diesem Tag einfach zu gut. Nachdem er am Start noch Zeit verloren hatte, fuhr er im unteren Abschnitt eine perfekte Linie. Niemand konnte da mithalten. Auch Guay, der vergangene Woche im Super-G noch gewann, war nicht schneller als der Berner. Küng jedoch musste sowohl ihn als auch den Österreicher Max Franz, der schliesslich Dritter wurde, vorbeiziehen lassen.

Feuz: «Ich war nicht so glücklich»

Am Ende belegte der Weltmeister von 2015 den undankbaren vierten Rang. Lediglich zwei Hundertstelsekunden fehlten zu Bronze. Die Enttäuschung war spürbar, zu gerne wäre er wie 2015 mit Feuz auf dem Podest gestanden. Nachdem er die vergangene Saison verletzungsbedingt verpasst hatte, war sein Auftritt jedoch ein starkes Zeichen.

Feuz war in diesem Winter bis gestern ein Sieg verwehrt geblieben. «Es war das Rennen der Saison», sagte Feuz. «Und ich konnte zum Glück die Leistung zeigen, auf die ich hingearbeitet habe. Der Sieg ist der schönste Lohn.» Eine Medaille war im Vorfeld stets sein Ziel gewesen, doch in den Stunden vor seinem Traumlauf lief vieles gegen ihn. «Ich war nicht so glücklich», sagte Feuz nach dem Rennen. Gestern versperrte erneut Nebel den Blick auf die Piste. Die ersten Fahrer hatten dadurch noch einen Nachteil. Carlo Janka war einer von ihnen. Der Bündner startete als Erster und musste sich am Ende mit dem 28. Rang begnügen. Zwar hatten Feuz und die weiteren Medaillengewinner später bessere Bedingungen, doch der Nebel machte auch Feuz einen Strich durch die Rechnung. Denn dadurch wurde der Start verschoben, der Starthang «Free Fall» fiel weg. Viel lieber wäre Feuz jedoch von ganz oben gestartet, dann wäre sein eher schwacher Start weniger ins Gewicht gefallen. «Dennoch habe ich versucht, mich zu fokussieren», sagt der Berner. Am Ende ist alles aufgegangen. Der Emmentaler fuhr so gut, dass der Start plötzlich egal war. So erhielt er einen Tag nach seinem 30. Geburtstag endlich sein grösstes Geschenk, den ersten grossen Titel in seiner Karriere.