Hoaraus Lächeln vor dem Kopfball zum Sieg gegen den FC Basel

Die Young Boys siegen zum Rückrundenauftakt gegen den FC Basel mit 2:0. Es könnte eine Vorentscheidung im Meisterrennen sein.

Raphael Gutzwiller
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Zwölf Sekunden. So lange brauchte Guillaume Hoarau nach seiner Einwechslung, um das Spitzenspiel zu entscheiden. 78. Spielminute. Ein Freistoss von Miralem Sulejmani. Ein Kopfball von Hoarau. 2:0 für die Young Boys. Die Entscheidung.

Köpfelt zum YB-Sieg ein: Guillaume Hoarau.

Köpfelt zum YB-Sieg ein: Guillaume Hoarau.

Urs Lindt / freshfocus

Dass ausgerechnet der Franzose zum Matchwinner beim Rückrundenauftakt gegen den FC Basel wurde, ist eine schöne Geschichte. Kein einziges Mal hatte er in der Vorrunde getroffen, am Sonntag aber stieg er wieder zum Berner König auf.

Eine Stunde nach Spielschluss warteten einige Journalisten immer noch. Guillhaume Hoarau schlenderte frisch geduscht und gestylt aus der ­Kabine. Endlich. Sprach seine Gedanken aus, auf welche die ­Reporter warteten. «Zwischen Miralem und mir funktionieren die Automatismen einfach. Als ich auf das Feld lief, habe ich ihm in die Augen geschaut und ihn angelächelt. Er wusste, wo er den Ball hinschlagen soll», sagte Hoarau, erneut mit einem Lächeln im Gesicht. Natürlich sei es ein schönes Gefühl, wieder zurück zu sein, befand er. «Wir haben ein tolles Spiel gezeigt. Ich glaube, die Young Boys 2020 sind ein gutes Team.»

Die Energie ist der Müdigkeit gewichen

Im Herbst 2019 war noch einiges anders gewesen bei YB. Klar, Wintermeister wurden die Berner dennoch. Doch Hoarau hatte oft, Sulejmani fast immer verletzt gefehlt. Das Tor Hoaraus war sein erstes in dieser Saison, für Sulejmani war es der erste Assist nach einer langen Verletzungspause. Im Sommer laufen die Verträge der beiden Routiniers aus, gegen Basel betrieben sie Eigenwerbung. Vielleicht auch darum zeigte sich Miralem Sulejmani nach seiner langen Verletzungsphase besonders emotional. «Die Worte sind fast weg. Ich freue mich einfach unglaublich, dass es so gut geklappt hat.»

Für die Berner Musik hatten in dieser Saison bis anhin andere gesorgt, allen voran Ligatop­skorer Jean-Pierre Nsame. Und auch im Spitzenspiel war es Nsame, der zur Führung für YB traf. Mustergültig freigespielt nach einem Zuckerpass von Michel Aebischer und einer Hereingabe von Saidy Janko schob er vor der Pause zum 1:0 ein.

Das Tor lenkte die Partie in die richtigen Bahnen für die Young Boys, die sich als stärkerer der beiden Meisterkandidaten präsentiert hatten. Viele Torchancen kreierten sie zwar nicht, doch hinten liessen sie gegen einen uninspirierten FC Basel fast nichts zu. Der FCB kam in der gesamten Partie nur zu einem Torschuss. Afimico Pululu prüfte nach einer halben Stunde David von Ballmoos.

Die Energie, die Zweikampflust und die Entschlossenheit, die den Bernern zum Ende des Jahres 2019 ein wenig abhanden gekommen schienen, waren wieder zurück. «Tatsächlich haben wir wieder voller Energie gespielt. So macht es Spass», sagte Michel Aebischer. Auch wenn der FC Basel nun fünf Punkte hinter den Young Boys liegt, wollte kein Berner etwas von einer Vorentscheidung im Meisterrennen wissen. Sie verwiesen darauf, dass noch viele Partien zu spielen seien, die Meisterschaft noch lange dauere. «Aber natürlich ist es ein wichtiger Sieg», sagte Christian Fassnacht. «So in die Rückrunde zu starten, ist einfach nur schön.»

Und der FC Basel? Dort dominierte nach der Partie die Enttäuschung über die gezeigte Leistung. Und darüber, dass in der wichtigen Partie am kommenden Sonntag im nächsten Spitzenspiel gegen St. Gallen wieder ein wichtiger Spieler gesperrt fehlt. Nachdem gegen YB nicht weniger als vier Stammspieler gesperrt waren, sitzt gegen St. Gallen Omar Alderete auf der Tribüne. Er holte sich nach unnötigen Ballwegschlagens in der 90. Minute die gelb-rote Karte. Eine Aktion, die sinnbildlich für den Basler Frust nach dieser Spitzenpartie steht. Immerhin der Basler Mittelfeldspieler Luca Zuffi übt sich noch in Durchhalteparolen bezüglich Titelrennen: «Die Meisterschaft geht noch lange. Entschieden ist noch gar nichts.»

Derzeit scheinen die Young Boys aber kaum zu stoppen.

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