Hitzfelds Fernsehabend

Ottmar Hitzfeld sieht nach dem 0:0 im WM-Qualifikationsspiel in Zypern Lernbedarf. Seinem Team fehlten Präzision und Kaltblütigkeit. Den Einsatz von drei neuen Spielern rechtfertigt er.

Thomas Werner/Nikosia
Drucken
Teilen
Am Flughafen von Larnaca, kurz vor der Heimreise, stellt sich Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld den mitgereisten Schweizer Journalisten. (Bild: freshfocus/Valeriano Di Domenico)

Am Flughafen von Larnaca, kurz vor der Heimreise, stellt sich Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld den mitgereisten Schweizer Journalisten. (Bild: freshfocus/Valeriano Di Domenico)

FUSSBALL. Auf der Spielerbank durfte Ottmar Hitzfeld in Nikosia nicht Platz nehmen. Der Schweizer Nationalcoach musste die erste von zwei Spielsperren absitzen. So entschied er sich – wie einst schon Real Madrids Trainer Jose Mourinho – gar nicht erst ins GSP-Stadion zu kommen. Er setzte sich an den «grossen Schreibtisch» in seinem Zimmer im «Cyprus Hilton» und sah sich das Spiel am Fernsehen an.

Dabei litt er angesichts des faden und glücklosen Auftritts seiner Mannschaft wie Tausende Fernsehzuschauer in der Schweiz. «Aber es gehört zum Leben eines Trainers, dass man leidet», so Hitzfeld, der kurz vor dem Abflug nach Zürich seine ersten öffentlichen Kommentare zum Spiel abgab. Mit jeder vergebenen Chance sei er nervöser geworden und immer wieder im Zimmer auf und ab gegangen. «Allein in der ersten Halbzeit haben wir ja vier 100prozentige Chancen herausgespielt, immer nach sehr guten Aktionen in der Offensive», sagte Hitzfeld. «Gerade gegen einen Gegner wie Zypern wäre es wichtig gewesen, das 1:0 zu erzielen.»

Fehlende Entschlossenheit

In der zweiten Halbzeit sei seiner Mannschaft dann die Zeit davongelaufen. Mit steigender Nervosität hätten sich zu viele technische Fehler eingeschlichen. «Es gab mehr Abspielfehler und die Flanken sind nicht mehr gut gekommen», zählt er Aspekte auf, die auch den übrigen Fernsehzuschauern nicht entgangen sind. In erster Linie trauerte aber auch der Nationalcoach den vielen verpassten Chancen nach. «Wenn man so viele gute Möglichkeiten hat, muss man einfach ein Tor erzielen.» Norwegen sei in Zypern nur zu zwei, drei Torgelegenheiten gekommen, «wir dagegen zu sieben». Norwegen gewann aber 3:1. In Sachen Präzision und Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor müssten sie einfach noch dazulernen, kurz: «Wir müssen kaltblütiger werden.» Auch dies ist Altbekanntes.

An den «Neuen» lag es nicht, dass das Spiel der Schweizer nicht wunschgemäss lief. Haris Seferovic, Innocent Emeghara und Valentin Stocker hätten sich aufgedrängt, weil sie «im Training einen hervorragenden Eindruck hinterlassen haben, einen besseren als die anderen Spieler, die zuvor gespielt haben». Diese «Anderen» – Tranquillo Barnetta, Granit Xhaka und Eren Derdiyok – hätten zuletzt so wenig gespielt, dass «ich es nicht verantworten konnte, sie in die Startformation zu nehmen». Er würde wieder so entscheiden.

Alles zuvor besprochen

Zu seinem Assistenten Michel Pont hatte er während des Spiels keinen Kontakt. Das sei auch nicht nötig gewesen, alle Eventualitäten seien im Vorfeld durchgegangen worden. Dass ihm ein Besuch im Stadion mehr Erkenntnisse fürs Rückspiel gebracht hätte, stritt Hitzfeld ab. «Ich habe schon tausend Spiele im Fernsehen gesehen und bin durchaus in der Lage, eine Partie am Bildschirm zu analysieren.»

Aktuelle Nachrichten