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Hintergründig, verspielt, ästhetisch

ARBON. In der Galerie Adrian Bleisch gibt es an der Werkschau TG einige unbekannte Kunstschaffende zu entdecken, die selbst der Kurator zuvor nicht gekannt hat. Hier sind vor allem Fotografie und Zeichnung gut vertreten.
Barbara Fatzer
Matthias Restles Spaghetti-Art und Fotografien von Mirjam Wanner. (Bild: Barbara Fatzer)

Matthias Restles Spaghetti-Art und Fotografien von Mirjam Wanner. (Bild: Barbara Fatzer)

Adrian Bleischs Galerie an der Schlossgasse ist die einzige der beteiligten Kunstinstitutionen, die auch den Geruchssinn ein Stück weit befriedigt. Der Hausherr selbst kocht und bäckt im Eingangsbereich, um Besucher mit Köstlichkeiten bewirten zu können. Mit dem appetitanregenden Duft in der Nase ist man dann im anschliessenden Raum gerade richtig, um Armin Wydlers Küchengeräte zu bewundern. Mit feinem, differenziertem Strich gestaltet er Sparschäler, Muskatreibe oder Konservendose. Riesengross aufgezogen offenbaren sie ihre Persönlichkeit und Wichtigkeit, die man beim Hantieren mit ihnen sonst kaum so wahrnimmt.

Eigener Charakter

Adrian Bleisch räumt im Gespräch Gerüchte aus, dass die Jurymitglieder der fünf Kunsträume etwa ihre Lieblinge gewählt oder gar ein Konzept verfolgt hätten, um dann je ihre Ausstellung optimal zu gestalten. Die getroffenen Auswahlen hatten ganz praktische Gründe: Bei wem kommt am besten das grösste, das komplizierteste oder das umfangreichste Kunstwerk unter. Und doch ist jetzt in jedem Raum ein Thema ablesbar, das einer unbewussten Ordnung folgt.

In der Galerie Bleisch gibt es Verspieltes wie die Arbeiten von Maya Spuhler, Olga Titus oder Matthias Restle. Dann Hintergründiges von Frosan Akbarzada auf Fotos ebenso wie in den Bildern von Rachel Lumsden oder in den Kratzzeichnungen von Elisabeth Nembrini.

Augenzwinkerndes Schach

Witzig, hintergründig und verspielt ist Sarah Hugentoblers Video, deren vorletzte Arbeit «Télé verte» an der Art en plein air 2011 in Môtier zu sehen war. Für die Werkschau TG hat sie ein ungemein faszinierendes und irritierendes Video geschaffen: «When it startet to snow». Es ist erneut eine Selbstinszenierung ihrer Person in wechselnden Kostümen und einer Vervielfachung der geschaffenen Kunstfiguren, die sich in einem irrealen Raum, im Schwarzweiss eines Schachbretts, hin und her bewegen, auftauchen und verschwinden.

Anlass dazu gab Sarah Hugentobler ein Musikstück der Band Pommelhorse. Etwas mehr als fünf Minuten dauert die Show, und es wird nicht langweilig, im Gegenteil – man schaut sie sich mehrmals an, um dahinter zu kommen, wie das Ganze rhythmisch funktioniert. Auf Sarah Hugentoblers Webseite ist das Video ebenfalls abrufbar.

Spaghetti-Stadt

Eine andere Arbeit ringt einem auch Respekt und Staunen ab. Erst wenige Tage vor Ausstellungseröffnung hat sie Matthias Restle sorgsam aufgebaut. Mit Hunderten von trockenen Spaghetti und Leim hat er auf dem Boden ein Bauwerk aus Strassen, Brücken, Hochhäusern, Türmen errichtet: transparent und so fragil, dass es beim unaufmerksamen Hintrampeln unweigerlich Schaden erleiden muss: «Es wird die Frage nach der Stabilität unserer Systeme aufgeworfen und der Umstand untersucht, wie bewusst wir Zerstörung als Teil unseres Menschseins wahrnehmen.» Die Silhouette dieser Kunststadt taucht dann bei bestimmter Beleuchtung auch als Schattenriss an der Rückwand auf und betont so noch einmal die Zerbrechlichkeit von materiellen Konstruktionen.

Was die Ausstellung in der Galerie Bleisch zusätzlich attraktiv macht, ist die Sorgfalt, wie die unterschiedlichen Werke zueinander in Beziehung gebracht werden und dass der Kurator gern Hintergrundinformationen liefert, die man an anderen Orten vermisst.

Sarah Hugentobler hat sich selber in verschiedenen Kostümen inszeniert für ihr Video «When it started to snow». Zu sehen in der Galerie Adrian Bleisch in Arbon, einem der fünf Kunstorte der Werkschau Thurgau. (Bilder: Sarah Hugentobler)

Sarah Hugentobler hat sich selber in verschiedenen Kostümen inszeniert für ihr Video «When it started to snow». Zu sehen in der Galerie Adrian Bleisch in Arbon, einem der fünf Kunstorte der Werkschau Thurgau. (Bilder: Sarah Hugentobler)

werkschau tg, galerie bleisch, arbon (Bild: barbara fatzer)

werkschau tg, galerie bleisch, arbon (Bild: barbara fatzer)

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