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Heute treten die Mountainbike-Stars
zur WM-Titelverteidigung an

Jolanda Neff und Nino Schurter wollen heute an der WM in Lenzerheide ihre Titel vom Vorjahr verteidigen. Für Schurter ist es bereits die dritte Chance auf einen WM-Titel in der Heimat. Die Rheintalerin Neff hat es auch dank ihrem Umfeld an die Spitze geschafft – das sind ihre wichtigsten Ansprechpersonen.
Raya Badraun
Seit vergangenem Herbst trägt Jolanda Neff das Weltmeistertrikot in den Regenbogenfarben. (Bild: Jane Barlow)

Seit vergangenem Herbst trägt Jolanda Neff das Weltmeistertrikot in den Regenbogenfarben. (Bild: Jane Barlow)

Jolanda Neff weiss, wie man gewinnt. Die Rheintalerin ist erst 25-jährig. In ihrer Karriere stand sie jedoch schon so oft ganz oben auf dem Podest, dass schwächere Resultate eine Überraschung sind. Neff ist dreifache Europameisterin, hat dieses Jahr zum dritten Mal den Gesamtsieg im Weltcup geholt und ist seit vergangenem Herbst auch Weltmeisterin. Heute in Lenzerheide will die Mountainbikerin diesen Titel nun verteidigen. Dass sie es so weit geschafft hat, hat sie auch ihrem Umfeld zu verdanken. Fünf Personen, die Neff ­inspirieren und weiterbringen:

Markus Neff, der Vater

«Zusammen mit meiner Mutter ist er die wichtigste Person in meinem Umfeld», sagt Jolanda Neff. «Alles, was ich heute bin, bin ich dank meiner Eltern.» Ihr Vater, ein Polymechaniker, ist früher selbst Strassenrennen gefahren. Später baute er zusammen mit seiner Frau Sonja im Radverein Altenrhein eine Trainingsgruppe auf, um Kinder aus der ­Region auf dem Mountainbike zu trainieren. «Er hat damals hundert Prozent gearbeitet», sagt sie. «Dennoch trainierte er uns zweimal in der Woche – egal bei welchem Wetter.» Noch heute ist er ihr Trainer und begleitet sie als Zuschauer zu vielen Rennen. Ist er einmal nicht ­dabei, wie im August an der EM in Glasgow, bleiben sie per Telefon in Kontakt. Im Rheintal ist Markus Neff ihr wichtigster Trainingspartner. Oft holt sie ihn am Abend mit dem Velo von der Arbeit ab und absolviert mit ihm einige Runden. Sie geniesst diese Zeit und freut sich über die gemeinsamen Touren. «Manchmal habe ich das Gefühl, dass alle immer am Jammern sind», sagt Jolanda Neff. «Er hingegen reklamiert nie. Er macht einfach mit Freude seine Sachen.» Sie bewundert diese Haltung und nennt ihre Eltern als Vorbilder. «Ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann auf mein Leben zurückblicken und sagen könnte: Ich bin auch so.»

Sonja Neff, die Mutter

«Sie hält alles zusammen», sagt Jolanda Neff. Ihre Mutter führt in Thal ein Turnstudio, wo auch die Mountainbikerin wenn immer möglich Kurse besucht. Daneben hilft die Mutter ihrer Tochter beim Organisieren oder holt sie am Bahnhof ab, wenn sie an einem Anlass war. «Sie ist immer für mich da, wenn ich etwas brauche, und unterstützt mich», sagt Jolanda Neff. Von ihr hat sie auch gelernt, nicht zu viele Dinge anzunehmen, sich zu fokussieren. «Balance ist alles», sagt sie. Zudem kocht ihre Mutter jeden Tag gesund: «Gesünder geht kaum mehr. Die richtige Ernährung ist auch ein entscheidender Punkt in meinem Alltag. Da nimmt sie mir viel ab», so die Athletin.

Maja Wloszczowska, die Teamkollegin

Die polnische Mountainbikerin ist zehn Jahre älter als Jolanda Neff. Bereits früher gehörten sie dem gleichen Team an, seit zwei Jahren sind sie nun zusammen beim Kross-Racing-Team. «Sie ist ein Vorbild, aber auch eine Freundin», sagt Jolanda Neff. «Sie will das Beste für mich und gibt mir wichtige Tipps.» Oft sind sie zusammen unterwegs, bereiten sich auf Wettkämpfe vor und trainieren Seite an Seite. Im Rennen hingegen ist jede Fahrerin auf sich gestellt. Denn im Mountainbike spielt das Team eine viel kleinere Rolle als in Strassenrennen. Es gibt keine Helfer, kein Windschattenfahren. «Meist ist man alleine unterwegs», sagt Neff. In den seltenen Fällen, in denen es doch einmal anders ist, versuchen sie jedoch die Teamstärke auszuspielen. So war es etwa dieses Jahr beim Weltcuprennen in Val di Sole. Wloszczowska führte damals das Rennen an. «Hinter ihr waren wir noch zu viert», sagt Jolanda Neff. «Logisch, fuhr ich ihr nicht hinterher.» Am Ende wurde Wloszczowska Erste, Neff Dritte. Zusammen verfolgen die beiden Mountainbikerinnen auch eigene Projekte neben dem Sport. So haben sie in diesem Jahr eine Schmuckkollektion herausgegeben. Dafür liess Jolanda Neff die einzelnen Glieder der Fahrradkette, die sie im vergangenen Jahr auf dem Weg zu WM-Gold begleitet hat, zu Armbändern und Halsketten verarbeitet. Bei Wloszczowska war es die Weltcup-Kette. «Just do your Job», steht auf einem kleinen Anhänger, der am Schmuck befestigt ist. «Wir beide haben viele coole Ideen, die wir gerne zusammen umsetzen», sagt Neff.

Edmund Telser, der Nationaltrainer

Früher war der Südtiroler Teammanager, seit fünf Jahren betreut er nun die Schweizer Mountainbikerinnen. «Er bringt eine unglaubliche Energie mit und will vorwärtsgehen», sagt Neff. «So hat er unseren Sport auf ein ganz neues Level gehievt und eine Struktur aufgebaut, die es zuvor nicht gab.» Als Nationaltrainer hat er damit begonnen, Trainingslager durchzuführen. Alleine seit vergangenem Dezember absolvierten die Fahrerinnen vier solcher Blöcke. Auch sonst tauscht sich Neff oft mit ihm aus und fragt um Rat, wenn es um Reisen, das Planen von Rennen oder Trainings­lagern geht. «Er ist immer erreichbar und bei allen Rennen dabei», sagt sie.

Silja Stadler, die Physiotherapeutin

«Sie ist ein wichtiger Stützpunkt für mich», sagt Neff. Die beiden haben sich im Nationalteam kennen gelernt. Doch nicht nur an ausgewählten Rennen wird die Mountainbikerin von ihr betreut. Als Neff diesen Sommer für ein Höhen­training nach Livigno reiste, kam Stadler mit. «Löst sie nach dem Training alle Knöpfe, macht das einen grossen Unterschied», sagt Neff. Stadler stellt neben ihrer Tätigkeit als Physiotherapeutin Schmuck her. Auch Neff hat sie eine Halskette geschenkt. «Jede einzelne Glasperle hat sie im Feuer von Hand geschliffen», sagt die Sportlerin. Das gute Stück trägt sie nicht nur im Alltag. Neff hatte es auch an, als sie im August in Glasgow erneut Europameisterin wurde.

Der Bündner Nino Schurter. (Bild: Keystone)

Der Bündner Nino Schurter. (Bild: Keystone)

Im dritten Anlauf soll's klappen

Heimnachteil Nino Schurter bestreitet in Lenzerheide bereits seine dritte Heim-WM. 2003 war er als Junior in Lugano gefahren und 2011 als Profi in Champéry. Doch noch nie lag die WM so nahe vor der Haustür des 32-Jährigen wie jetzt. Lenzerheide liegt nur 20 Minuten von seinem Wohnort Chur entfernt. Beste Gelegenheit also, um Versäumtes nachzuholen. Er, der sonst alles gewonnen hat, was man gewinnen kann, will nun auch zu Hause an einer WM siegen. Sowohl 2003 als auch 2011 hatte Schurter sich bloss als Zweiter klassiert. Beide Male hinter dem Tschechen Jaroslav Kulhavý. «Ich habe noch eine Rechnung offen», sagt der Bündner. Auch Kulhavý ist an der WM in Lenzerheide dabei. Obwohl er nicht zum engsten Favoritenkreis gehört, beobachtet Schurter ihn. Denn an den wirklich wichtigen Rennen blühe der Tscheche auf. «Man weiss nie, was er noch hervorzaubert.» Dass Kulhavý oder ein anderer Fahrer heute die Goldmedaille gewinnt, ist aber nicht in Schurters Sinn. «Ich will meinen Titel verteidigen», stellt er klar. Seine Chancen stehen gut. Der Olympiasieger erlebte eine tolle Saison, entschied vier Weltcup-Rennen für sich und gewann damit überlegen den Gesamtweltcup. Auf die EM hatte er verzichtet, um sich zu 100 Prozent auf den Höhepunkt der Saison – die Heim-WM – zu konzentrieren. Mehr Wurzeln und neue Linien Von einem Heimvorteil in Lenzerheide spricht Schurter aber nicht. Im Gegenteil. «Der ganze Rummel um das Schweizer Team und mich ist auch ein Nachteil. Er lenkt ab.» Auch in Bezug auf die Strecke hätten die Schweizer keine Vorteile. Denn den Rundkurs in Lenzerheide kennen alle Fahrer schon vom Weltcup. «Und die Strecke hat sich in den vergangenen Tagen noch mal enorm verändert. Weil so viele Athleten den Parcours befahren, verlaufen die Linien ganz anders.» Auch seien mehr Wurzeln zum Vorschein gekommen. Damit ist die Strecke noch anspruchsvoller als sonst. Doch Schurter hat schon mehrmals bewiesen, dass er damit umgehen kann. Den Weltcup in Lenzerheide hat er in den vergangenen zwei Jahren gewonnen, und im Teamwettkampf vom Mittwoch überzeugte er als Schweizer Schlussfahrer mit einer schnellen Zeit. Die Voraussetzungen für den Heimtriumph im dritten Anlauf stimmen. (lai)

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