Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

HERISAUER HOCKEYTALENT: Der Kampf um den einen Zentimeter

Derzeit trainieren die besten jungen Schweizer Eishockeyspieler zusammen in Bern. Mit dabei ist auch Timo Meier von den San Jose Sharks aus der NHL. Der Herisauer steht vor einem wegweisenden Sommer.
Sergio Dudli
Timo Meier hat das Ziel, in dieser Saison den entscheidenden Schritt zu machen. (Bild: Thomas Delley/Keystone)

Timo Meier hat das Ziel, in dieser Saison den entscheidenden Schritt zu machen. (Bild: Thomas Delley/Keystone)

Das Trainingsspiel geht in die Verlängerung. Drei gegen drei. Timo Meier steht von Beginn an auf dem Eis, fordert die Scheibe, gibt Anweisungen und kämpft um jeden Zentimeter. Nach seinem Einsatz steht er hinter der Bande bei Nati-Trainer Patrick Fischer. Die beiden diskutieren, Fischer redet auf den jungen NHL-Spieler ein. Dann fällt das entscheidende Tor für die Gegenseite. Meier fährt aufs Eis und gratuliert seinen Gegnern zum Sieg. Er ist ein fairer Sportsmann – aber man spürt, dass er nicht gerne verliert. Trainer Fischer bestätigt: «Er ist einer, der sich immer verbessern und immer gewinnen will. Dieser Hunger treibt ihn an und zeichnet ihn aus.»

In dieser Woche trainieren die grössten Eishockey-Talente des Landes in Bern beim Pros­pect Camp der Nationalmannschaft. Mit dabei sind neben Meier, der noch auf sein erstes A-Landerspiel wartet, weitere junge Schweizer aus Nordamerika wie der Nummer-1-Draft Nico Hischier. Oder Mirco Müller, der bis zu seinem Wechsel Anfang der Woche zu New Jersey Meiers Teamkollege bei San Jose war. «Es ist immer schön, wenn man Spieler sieht, mit denen man zusammengespielt hat – oder gegen sie», sagt Meier. Doch der Herisauer ist nicht in Bern, um mit ­seinen Teamkollegen in alten ­Erinnerungen zu schwelgen.

Ein schweres Erbe bei San Jose

Für Meier geht es darum, sich für die Saison vorzubereiten. Nachdem ihn San Jose 2015 beim NHL-Draft an neunter Position gezogen hatte, erkrankte er während der Saisonvorbereitung in der folgenden Spielzeit am Pfeiffer’schen Drüsenfieber. Auch wegen der verpassten Vorbereitung kam Meier in seiner ersten Saison in der besten Liga der Welt «nur» auf 39 Spiele und drei Tore.

Vor dem Trainingslager in der Schweiz war Meier bereits mit den jungen Talenten von San Jose beim sogenannten Development Camp. Dort können sich die jungen Spieler den Trainern präsentieren und für grössere Aufgaben empfehlen. «Aufgrund meiner NHL-Erfahrung übernahm ich dort eine Leaderrolle. Ich muss Verantwortung übernehmen, um einen Schritt vorwärtszumachen», so Meier.

Der 20-Jährige steht vor einer wegweisenden Saison. Sein Team liess mit Patrick Marleau den besten Punktesammler in der Geschichte des Clubs ziehen. Meier soll diese Lücke füllen. «Es gibt viele junge Spieler in der NHL, die in den vergangenen Jahren eine solche Rolle übernommen haben. Auch ich will das machen, mich zeigen und beweisen», sagt Meier. Die Verantwortlichen von San Jose halten nach wie vor grosse Stücke auf ihn und werden ihm wohl die Chance geben, sich in einer der ersten Linien zu zeigen.

Das Vertrauen der Club-Chefs stärkt ihn, erhöht aber auch den Druck. «Das spüre ich natürlich. Letztlich habe jedoch ich selber die grössten Erwartungen an mich und meine Leistungen. Ich mache mir den grössten Druck», so Meier. Er gehe mit dem Ziel zurück nach Kalifornien, dass ihm in dieser Saison der entscheidende Schritt gelinge. Dafür müsse er noch mehr Erfahrungen sammeln und sich im Sommer durch hartes Training den letzten Schliff holen. «Ich habe in der vergangenen ­Saison gute Spiele gemacht und mir Chancen erarbeitet. Aber irgendwie fehlte oftmals der letzte Schritt oder der eine Zentimeter, um den Puck ins Tor zu bringen.»

Das Vertrauen des Trainers erarbeiten

Dass Meier in der NHL bestehen kann, glaubt auch der Nati-Trainer. «Vieles hängt vom Vertrauen ab, das er in sich selber hat», sagt Fischer. Was Meier kann, wenn er mit dem nötigen Selbstbewusstsein in die Spiele geht, habe man während der NHL-Playoffs sehen können. «Da war Meier einer der besten Spieler.» Für Fischer ist Meier aufgrund seiner physischen Stärke ein Power-Stürmer. «In dieser Rolle hat er bei den ­Junioren 40 Tore pro Saison gemacht. In der NHL muss er sich noch herantasten.» Fischer ist überzeugt: Wenn sich Meier Stück für Stück das Selbstvertrauen holt, spürt das der Trainer in San Jose. «Dann wird er in zwei bis drei Jahren die Rolle als Stürmer mit Torinstinkt einnehmen.»

Meier wird nach dem Trainingslager noch in der Schweiz bleiben und trainieren. «Ich ­werde mir aber die Freiheiten nehmen, Zeit mit meiner Fa­milie und meinen Kollegen zu verbringen», so der Herisauer. Halb­herzig will er die kommenden ­Wochen aber nicht angehen. Er wolle nicht in ein paar Monaten zurückschauen und denken, er hätte mehr trainieren sollen. «Ich will so zurückkehren, dass der entscheidende Zentimeter nicht mehr fehlt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.