HERAUSFORDERUNG: Plötzlich Einzelsportler

Der Thurgauer Ruderer Nico Stahlberg hat im Hinblick auf diese Saison die Bootsklasse gewechselt. Am Weltcup im serbischen Belgrad tritt er ab heute im Einer an. Seine Gegner kennt er deshalb noch nicht.

Raya Badraun
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Der Thurgauer Nico Stahlberg startet nun im Einer. (Bild: PD)

Der Thurgauer Nico Stahlberg startet nun im Einer. (Bild: PD)

In den vergangenen Jahren war Nico Stahlberg ein Mannschaftssportler. Mit dem schweren Doppelvierer nahm er 2012 an den Olympischen Spielen in London teil. Im vergangenen Sommer startete er mit dem Team auch in Rio de Janeiro. Das gewonnene Diplom in Brasilien war schliesslich der Höhepunkt – und das vorläufige Ende des Projektes. In diesem Frühling begann ein neuer Olympiazyklus. Einige Ruderer nutzen 2017 deshalb für eine Pause. So fehlen etwa die Leichtgewichtsruderer, die im vergangenen Sommer Olympiagold im Vierer ohne Steuermann holten. Auch der Doppelvierer von Stahlberg ist nicht mehr komplett. Augustin Maillefer pausiert, Ersatzmann Markus Kessler wendet sich den Riemenbooten zu. Die drei übrig gebliebenen Ruderer wurden deshalb auf die kleineren Boote verteilt.

Bei den internen Ausscheidungen platzierten sich Roman Röösli und Barnabé Delarze auf den vorderen Rängen und bekamen die Plätze im Doppelzweier. Stahlberg hingegen fehlten nach seinem viermonatigen Aufenthalt in Australien die Sicherheit und Konstanz. Seine guten Leistungen aus dem Training konnte er deshalb im Wettkampf nicht abrufen. Als Dritter im entscheidenden Ausscheidungsrennen wurde ihm am Ende der Einer zugeteilt. Stahlberg ist damit zum Einzelsportler geworden. Im Training ändert sich dadurch einiges. Es wurde individueller, mehr auf ihn abgestimmt. Dafür muss sich der 25-Jährige nun jeden Tag selbst antreiben. «Im Team ist es einfacher, 100 Prozent zu geben und den Fokus zu halten», sagt er. Um eine ähnlich Situation zu schaffen, fährt Stahlberg im Training regelmässig gegen Michael Schmid, der im Leichtgewichts-Einer startet.

Der Weltcup als erster Gradmesser

An das Boot musste sich Stahlberg hingegen nicht gewöhnen. In den Wintermonaten trainiert er jeweils damit. Auch an Schweizer Meisterschaften ist er schon in dieser Bootsklasse gestartet. International beschränkt sich seine Erfahrung jedoch auf einen Einsatz am Weltcup auf dem Rotsee in Luzern. Das war 2014. Seither hat sich vieles verändert, auch die Gegner. Stahlberg weiss deshalb noch nicht, was auf ihn zukommt und wo er sich international einordnen wird. Der Weltcup im serbischen Belgrad, der heute mit den Vorläufen beginnt, ist der erste Gradmesser. Es ist auch ein Test, um herauszufinden, was noch nicht passt. Danach hat Stahlberg knapp drei Wochen Zeit, um an seinen Schwächen zu arbeiten. Dann findet mit der EM im tschechischen Racice der erste Höhepunkt in diesem Jahr statt.

Raya Badraun