Duelle über 100 m
Die Meistertitel von Mujinga Kambundji und Silvan Wicki stehen für heimisches Schaffen

Die Bernerin Mujinga Kambundji und der Basler Silvan Wicki sind die Schweizer Sprintkönige – beide trainieren nach dem gleichen Muster in ihrer unmittelbaren Heimat. Dies im Kontrast zu ihren direkten Konkurrenten Ajla Del Ponte und Alex Wilson.

Rainer Sommerhalder
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Gewinnt den elften nationalen Meistertitel über 100 Meter: Mujinga Kambundji (Mitte).

Gewinnt den elften nationalen Meistertitel über 100 Meter: Mujinga Kambundji (Mitte).

Bild: Marcel Bieri/Keystone (Langenthal, 25. Juni 2021)

Die 100 Meter sind inzwischen auch in der Schweizer Leichtathletik absolute Höhepunkte an Titelkämpfen. Mit Mujinga Kambundji und Alex Wilson haben sich zwei Aushängeschilder von Swiss Athletics in den vergangenen Jahren sogar international einen Namen als Medaillengewinner gemacht. Dank Ajla Del Ponte und Silvan Wicki stehen zudem ernsthafte Herausforderer in den Startpflöcken.

Bis am Freitagabend blieb die Hierarchie eindeutig. Del Ponte gewann noch nie gegen Kambundji und Wicki musste stets Wilson den Vortritt lassen. Nun fand eine Serie an den nationalen Titelkämpfen in Langenthal auf deutliche Art und Weise ein Ende, eine zweite wegen eines ungewohnten Missgeschicks beinahe.

Wicki schlägt erstmals im direkten Duell Wilson

Der 26-jährige Silvan Wicki lief mit 10,22 Sekunden erstmals in einem Rennen schneller als sein Basler Gegenspieler Wilson. Das Verhältnis der beiden Sprinter ist distanziert, eine Niederlage kratzt entsprechend am Ego. Auch bei Wilson? «Es ist doch logisch, dass Silvan gewinnt. Er ist in der Vorbereitung an einem ganz anderen Ort als ich. Ich habe kaum Wettkämpfe in den Beinen», spielte der 30-Jährige mit Wurzeln in Jamaika den Ausgang des Rennens herunter.

Wicki seinerseits meinte, wichtiger als Wilson zu bezwingen sei für ihn, mit dem Sieg wertvolle Punkte im World Ranking und damit im Kampf um einen Startplatz bei den Olympischen Spielen zu sammeln.

Während bei den Männern die Gemütslage der beiden Konkurrenten den Platzierungen auf der Bahn entsprach, wirkte nach dem Sprint der Frauen die geschlagene Ajla Del Ponte zufriedener als Siegerin Mujinga Kambundji. Die 24-jährige Tessinerin lief in 11,07 persönliche Bestzeit und erfüllte damit offiziell die Limite für Tokio. Kambundji hingegen hatte noch andere Pläne als den elften Meistertitel über 100 Meter.

Rekord im Kopf, aber ein Stolperer als Spielverderber

Die 29-jährige Bernerin wollte ihren nationalen Rekord von 10,95 Sekunden brechen. Die beeindruckende Lockerheit bei ihrem Sieg im Halbfinal (11,12) gaben Kambundji und ihrem Umfeld die Gewissheit, dass an diesem Abend Grosses möglich war. «Ich hätte mehr gewollt und auch mehr gekonnt», sagte eine leicht enttäuschte Mujinga Kambundji. Sie habe nach der Leistung im Halbfinal ziemlich klar mit einem Rekord gerechnet. Doch nach einem kuriosen Stolperer beim dritten Schritt verlor die WM-Dritte über 200 m im Final viel von ihrer Beschleunigung und sicherte sich den Sieg in 11,05 Sekunden erst auf den letzten Metern gegen die hartnäckig Gegenwehr leistende Del Ponte.

Die Siege von Wicki und Kambundji sind auch Ausdruck von heimischem Schaffen. Während Alex Wilson seit dem Spätherbst 2016 regelmässig in England und den USA trainiert und Ajla Del Ponte ihren Trainings-Stützpunkt 2019 zu Trainer Laurent Meuwly nach Holland verlegt hat, setzen Kambundji (Bern) und Wicki (Basel und Zürich) mit Erfolg auf regionale Lösungen. Beide betonen, dass ihnen die Nähe zum geografischen Lebensmittelpunkt viel bedeutet.

Dies wollen sie auch in der unmittelbaren Olympia-Vorberreitung beibehalten. Mujinga Kambundji trainiert weiterhin unter der bewährten Anleitung von Adrian Rothenbühler in der Hauptstadt, Wicki vertraut in der sportlichen Betreuung seiner Mutter Sabine Wicki und LC-Zürich-Sprinttrainer Patrick Saile.

Ganz anders Ajla Del Ponte und Alex Wilson. Die Tessinerin reist bereits heute Samstag wieder nach Holland zur unmittelbaren Olympia-Planung. Wilson holt sich den Feinschliff für die Sommerspiele in der US-Südstaaten-Metropole Atlanta. Tokio wird die Antwort geben, welcher Weg sich besser bewährt.

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