Swiss League
Zwei Gegentore innert 25 Sekunden: Der HC Thurgau bringt sich beim 3:4 gegen La Chaux-de-Fonds selber um den Lohn

Nach der 1:0-Führung im Startdrittel gibt's für den HC Thurgau eine kalte Dusche in Form eines gegnerischen Doppelschlags. Danach gleichen die Ostschweizer die Partie zweimal wieder aus. Doch der HCT weiss an diesem Abend nicht, wie umgehen mit seinen Errungenschaften.

Matthias Hafen
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Die unerwartete Rückkehr von Rickard Palmberg ins Line-up verlieh dem HC Thurgau gegen La Chaux-de-Fonds zusätzlich Kräfte.

Die unerwartete Rückkehr von Rickard Palmberg ins Line-up verlieh dem HC Thurgau gegen La Chaux-de-Fonds zusätzlich Kräfte.

Mario Gaccioli

An diesem Samstag war der HCT-Spieler am Glücklichsten, der zu Hause blieb. Verteidiger Bernhard Fechtig stand gegen den HC La Chaux-de-Fonds gar nicht in der Aufstellung, weil er gleichentags Vater geworden war. Seine Teamkollegen versuchten alles, um Fechtigs Nachwuchs zur Geburt ein erfolgreiches Resultat zu schenken. Am Ende aber verliessen die Thurgauer das Eis mit hängenden Köpfen.

Der HCT stieg gegen den Favoriten aus dem Neuenburger Jura konzentriert in die Partie und riss das Spieldiktat früh an sich. Er konnte dies, weil der Schwede Rickard Palmberg nach seiner Verletzung vor zwei Wochen bereits sein Comeback gab. Zu diesem Zeitpunkt eher unerwartet, für die Mannschaft des Trainerduos Mair/Winkler aber sehr willkommen. Damit trat der HC Thurgau zum erst vierten Mal in dieser Swiss-League-Saison mit beiden Ausländern an.

Rückkehrer Palmberg steht am Ursprung der Thurgauer Führung

In der offiziellen Aufstellung noch in der vierten Linie platziert mit Nico Lehmann und Dominik Binias an seiner Seite wurde Palmberg von Headcoach Mair spätestens ab Mitte des Startdrittels wieder fix in die Paradelinie mit Jonathan Ang und Ian Derungs beordert. Das führte prompt zur 1:0-Führung des Heimteams (15.). Palmberg luchste dem Chaux-de-Fonnier Stefan Ulmer bauernschlau den Puck ab, passte zu Derungs, der den Puck mit dem Selbstvertrauen aus bereits vier Saisontoren wuchtig ins Netz hämmerte.

Doch das grosse Problem der Thurgauer war, dass sie ihren Errungenschaften an diesem Abend zu wenig Sorge trugen. Keine zwei Minuten später glich Oliver Achermann für die Gäste aus. Im Powerplay lenkte er den Puck unmittelbar vor HCT-Goalie Bryan Rüegger ins Tor ab. Und weil Rüegger nur 24 Sekunden später wieder hinter sich greifen musste, wurde das Heimteam eiskalt geduscht. Beim 2:1 durch Loic In-Albon stand die Defensive der Ostschweizer komplett auf verlorenem Posten. Es fehlte völlig die Zuordnung.

Rüegger rutscht ein Querpass unter dem Schoner durch

Obwohl pflatschnass, fand der HC Thurgau ins Spiel zurück. Und wie! Nur 43 Sekunden nach Wiederanspiel im zweiten Drittel kurvte Ang im Powerplay drei Chaux-de-Fonniers aus und hängte den Puck herrlich in den Netzhimmel hinter dem Ex-Thurgauer Nicola Aeberhard - 2:2. Doch auch diesmal währte die Freude nur kurz. Gut drei Minuten erzielte Achermann seinen zweiten Treffer dieses Abends nach einem groben Schnitzer des ansonsten starken Goalies Rüegger, der Achermanns Pass vors Tor unter seinen Schonern durchrutschen liess.

Dominik Binias (links, gegen Doppeltorschütze Oliver Achermann) erzielte seinen ersten Swiss-League-Treffer im Dress des HC Thurgau.

Dominik Binias (links, gegen Doppeltorschütze Oliver Achermann) erzielte seinen ersten Swiss-League-Treffer im Dress des HC Thurgau.

Mario Gaccioli

Erneut stand Thurgau mit dem Rücken zur Wand. Und wieder kämpften sich die Leuen zurück. Ein Powerplay in der 51. Minute schloss Dominik Binias mit einem Flachschuss zum 3:3 ab. Den herrlichen Pass mitten durch den Slot hatte der formstarke Derungs gegeben.

Nach 69 Sekunden ist auch der vierte Gleichstand wieder verspielt

Das mit dem Lerneffekt klappte beim HCT an diesem Abend aber nicht wirklich. Diesmal dauerte es 69 Sekunden, ehe Ulmer die Führung für La Chaux-de-Fonds wieder herstellen konnte. Die unkonzentrierten Phasen nach einem eigenen Treffer kosteten Thurgau an diesem Abend Punkte, die es aufgrund der grossen Moral, des grossen Einsatzes und vor allem der grossen Kampfbereitschaft verdient gehabt hätte.

Und auch wenn La Chaux-de-Fonds noch nicht als Spitzenteam aufgetreten war, als das man die Neuenburger in dieser Saison betrachten kann, agierte die Mannschaft von Trainer Thierry Parterlini in der Güttingersreuti abgeklärt genug, um diesen Vorsprung schliesslich über die Zeit zu bringen. Auch wenn der HC Thurgau mit einem Tohuwabohu vor dem gegnerischen Tor (57.), mit einem Timeout von Trainer Mair (59.) und der anschliessenden Herausnahme von Goalie Rüegger zu Gunsten eines sechsten Feldspielers bis zuletzt alles versuchte.

Thurgau – La Chaux-de-Fonds 3:4 (1:2, 1:1, 1:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – 827 Zuschauer – SR Gianinazzi/Barras, Nater/Baumgartner.
Tore: 15. Derungs (Palmberg) 1:0. 17. (16:15) Achermann (Ulmer, Trettenes/Ausschluss Moor) 1:1. 17. (16:39) In-Albon (Andersons, Sterchi) 1:2. 21. (20:43) Ang (Kühni/Ausschluss Trettenes) 2:2. 25. Achermann (Voirol, Ulmer) 2:3. 51. (50:08) Binias (Derungs/Ausschluss In-Albon) 3:3. 52. (51:17) Ulmer (Trettenes, Olden) 3:4.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 4-mal 2 Minuten gegen La Chaux-de-Fonds.
Thurgau: Rüegger; Parati, Forrer; Kühni, Soracreppa; Bircher, Moor; Senn. Derungs, Rundqvist, Ang; Loosli, Hobi, Hollenstein; Bischofberger, Fritsche, Woger; Lehmann, Palmberg, Binias; Petrig.
La Chaux-de-Fonds: Aeberhard; Nauris Sejejs, Ulmer; Jaquet, Oejdemark; Augsburger, Suleski; Delémont, Nils Sejejs; Olden, Trettenes, Carbis; Sterchi, In-Albon, Andersons; Eugster, Privet, Dubois; Döpfner, Achermann, Voirol.
Bemerkungen: Thurgau ohne Fechtig (wurde am Samstag Vater), Schmutz, Spannring, Salamin (alle verletzt) und Baumann (überzählig). La Chaux-de-Fonds ohne Bouchareb, Wyss, Andersson, Iglesias, Matewa (alle verletzt) und Törmänen (überzählig). – 58:40 Timeout Thurgau, danach bis 59:28 ohne Goalie. – 59:28 Timeout La Chaux-de-Fonds.

Nächstes Spiel. Dienstag, 28. September, 20.00 Uhr: Thurgau – Visp.

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