Swiss League
Sechster Sieg im siebten Spiel: Der HC Thurgau gewinnt auch gegen Aufstiegsfavorit Kloten

Beim 4:1-Auswärtserfolg gegen die Flughafenstädter zeigen die Ostschweizer eine Parforce-Mannschaftsleistung. Und als sich ihnen im Schlussdrittel die grosse Chance bot, packten sie sie.

Matthias Hafen aus Kloten
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Goalie Nicola Aeberhard und seine Vorderleute waren wie ein Bollwerk für den EHC Kloten.

Goalie Nicola Aeberhard und seine Vorderleute waren wie ein Bollwerk für den EHC Kloten.

Mario Gaccioli (Küsnacht, 14. Februar 2021)

Gegen grosse Mannschaften spielt der HC Thurgau gross auf. So auch beim 4:1-Auswärtssieg gegen den EHC Kloten. Nach einem nervösen Start fanden die Thurgauer in der mit Zuschauerlärm beschallten Swiss-Arena immer besser ins Spiel, glichen den anfänglichen Rückstand (10.) keine vier Minuten später aus und nahmen dem Aufstiegsanwärter damit viel Wind aus den Segeln. Eine grandiose Mannschaftsleistung des HCT führte schliesslich zu einem der wenigen Erfolge gegen die Flughafenstädter. Das 4:1 vom Samstagabend war erst der vierte in einem Ernstkampf seit dem Abstieg der Klotener im Jahr 2018.

Zehn Minuten lang zeigte der EHC Kloten in seiner Heimstätte, dass er es ernst meint mit dem angestrebten Wiederaufstieg in die National League. In der Startphase stand der HC Thurgau einem Kontrahenten gegenüber, der eine Nummer grösser schien als alle anderen Gegner in der Swiss League. Doch die Thurgauer waren bereit, die Extrameile zu gehen. Eindrücklich, wie etwa der kanadische Stürmer Jonathan Ang hinten genau so rackerte wie vorne. Von der ersten bis in die vierte Linie zog der HCT an diesem Abend an einem Strick. Jeder ging für den anderen. Und selbst die wenig Erfahrenen wie Jérôme Lanz und David Baumann mussten sich vor Klotens Routiniers nicht verstecken.

Der springende Puck: Soracreppa bringt Thurgau ins Spiel zurück

Das Ringen um jeden Zentimeter Eis war nicht Klotens Ding. Die Thurgauer standen den Zürchern bei jeder Gelegenheit auf dem Fuss. Das Heimteam war frustriert, weil es gegen den aufsässigen, disziplinierten HCT nicht sein gewohntes Spiel aufziehen konnte. Und als die Gäste auch noch mit unkonventionellen Mitteln kamen wie dem springenden Puck von Sebastiano Soracreppa, der von Janik Loosli zum 1:1 ins Tor abgelenkt wurde (14.), war es um die Souveränität des Favoriten geschehen. Nicht nur war damit Eric Failles 1:0 ausgeglichen sondern die ganze Partie.

Den sechsten Sieg im siebten Spiel holten die Thurgauer, weil sie im richtigen Moment ihre Chance packten. Nach einem fairen Bandencheck von David Wildhaber kurz nach Beginn des Schlussdrittels schimpfte der Ex-Thurgauer Niki Altorfer wie ein Rohrspatz Richtung Schiedsrichter, so dass die Spielleiter gar nicht darum herum kamen, Altorfer aus disziplinarischen Gründen mit zwei plus zehn Minuten zu bestrafen.

Das Powerplay nutzte Joel Scheidegger mit einem fadengeraden Schuss von der blauen Linie zur 2:1-Führung. Und die verdutzten Klotener liefen bei nächster Gelegenheit gleich in einen Konter. Dies, als Thurgaus Adrian Wetli Jeffrey Füglister den Puck abluchste, nach einem Sturmlauf zu Patrick Brändli passte und so das 3:1 vorbereitete – alles nur 83 Sekunden nach dem 2:1. Kloten, das bestimmt nicht seinen besten Abend einzog, bekam am Ende nochmals seine Chance, spielte mehrmals in Überzahl. Schon vier Minuten vor Schluss nahm Trainer Per Hanberg Goalie Dominic Nyffeler vom Eis. Doch der HCT blieb ein Bollwerk, bei dem nicht der kleinste Stein bröckelte. Auch, weil Torhüter Nicola Aeberhard an diesem Abend gross aufspielte. Klotens verwaistes Tor führte sechs Sekunden vor Schluss zum 4:1 für Thurgau durch Jonathan Ang.

Vom eigenen Spieler verletzt: Benjamin Winkler muss sich nähen lassen

Eine Schramme trug der HCT doch noch davon an diesem Abend – genauer gesagt Benjamin Winkler. Der Assistenzcoach musste bei Spielmitte eine Wunde am Kopf nähen lassen, die ihm indirekt Silvio Schmutz zugefügt hatte. Der Verteidiger war so frustriert ob eines Einsatzes, dass er seinen Stock bei der Rückkehr auf die Spielerbank mit voller Wucht auf der Bande zerschmetterte. Ein Splitter traf Winkler so unglücklich am Kopf, dass er für rund zehn Minuten nicht mehr auf der Spielerbank zur Verfügung stand und Headcoach Stephan Mair die heikle Phase ganz alleine managen musste.

Thurgaus 4:1-Sieg in Kloten ist umso wertvoller, da die ganze Runde ein bisschen für die fünftplatzierten Ostschweizer lief. Zwar gewann der Tabellensechste Olten sein Heimspiel gegen die GCK Lions diskussionslos mit 5:0. Doch die Konkurrenten ausserhalb der direkten Playoff-Plätze liessen alle Federn. La Chaux-de-Fonds (7.) verlor sein Heimspiel gegen Langenthal 3:4 nach Verlängerung und Visp (8.) kehrte nach dem 2:3 gegen die Ticino Rockets gar ohne Punkte aus Biasca heim. Damit beträgt der Vorsprung des HC Thurgau auf Rang 7 sieben Runden vor Ende der Qualifikation bereits acht Punkte.

Kloten – Thurgau 1:4 (1:1, 0:0, 0:3)

Swiss-Arena – Keine Zuschauer – SR Müller/Hungerbühler, Gurtner/Baumgartner.
Tore: 10. Faille 1:0. 14. Janik Loosli (Soracreppa) 1:1. 45. (44:09) Scheidegger (Ang/Ausschluss Altorfer) 1:2. 46. (45:32) Brändli (Wetli) 1:3. 60. (59:54) Ang 1:4 (ins leere Tor).
Strafen: 4-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Altorfer) gegen Kloten, 4-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Kloten: Nyffeler; Kindschi, Ganz; Bartholet, Gähler; Seiler, Oejdemark; Back, Steiner; Knellwolf, Faille, Figren; Altorfer, Marchon, Forget; Spiller, Meyer, Leone; Obrist, Füglister; Simek.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Wildhaber, Fechtig; Scheidegger; Molina; Schmutz; Hinterkircher, Ang, Janik Loosli; Lanz, Hobi, Spannring; Rehak, Rundqvist, Hollenstein; Wetli, Brändli, Baumann; Fritsche.
Bemerkungen: Kloten ohne Kellenberger, Truttmann (beide verletzt), Kälin, Staiger und Janett (alle überzählig). Thurgau ohne Bischofberger (gesperrt), Michael Loosli (Rapperswil-Jona/NLA), Hulak, Moor, Moser, Mosimann, Parati, Rüegger, Schmuckli (alle verletzt), Kellenberger und Schnyder (beide überzählig). – Kloten ab 56:02 mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalies. – 58:48 Timeout Kloten.

Nächstes Spiel. Montag, 20.00 Uhr: GCK Lions – Thurgau.