Swiss League
«Die grosse Kunst im Playoff? Immer frisch im Kopf sein»: Was Jan Mosimann vom HC Thurgau zum Siegertypen macht

Rechtzeitig zum Playoff-Start am Mittwoch um 19.46 Uhr in Langenthal kehrt Jan Mosimann in die Aufstellung des HC Thurgau zurück. Der 26-jährige Stürmer hat mit Ajoie und Rapperswil-Jona bereits zweimal die Meisterschaft gewonnen. Nicht nur deswegen ist er für die Ostschweizer ein Schlüsselspieler.

Matthias Hafen
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Nach zwei NLA-Jahren mit dem SC Rapperswil-Jona stürmt Jan Mosimann in dieser Saison für den HC Thurgau.

Nach zwei NLA-Jahren mit dem SC Rapperswil-Jona stürmt Jan Mosimann in dieser Saison für den HC Thurgau.

Mario Gaccioli (18. September 2020)

15 Spiele lang war Jan Mosimann zum Zuschauen gezwungen. Jetzt kehrt der 26-jährige Stürmer des HC Thurgau aufs Eis zurück. Just auf das erste Playoff-Viertelfinalspiel vom Mittwoch in Langenthal hin. «Das wird ein Freudentag», sagt Mosimann, der sich am 27. Januar in Biasca eine langwierige Verletzung zugezogen hatte. In den vergangenen sechs Wochen hat der Berner unzählige Extrastunden an seiner Physis gearbeitet, um den Fitness-Rückstand auf seine Teamkollegen wettzumachen. Heute sagt er: «Ich fühle mich wieder gut auf dem Eis.»

Für sein Comeback wollte sich Mosimann Zeit lassen. Ein allfälliges Pre-Playoff hätte er noch ausgelassen. Ganz oder gar nicht. Das ist Mosimanns Spielweise. Vor seiner Verletzung sammelte er bei Thurgau in 31 Spielen 15 Skorerpunkte (sieben Tore, acht Assists), war kurzzeitig Topskorer des Teams. Vor allem aber zeigte er stets von der ersten bis zur letzten Minute vollen Einsatz. Er ist eine Figur, an der andere wachsen können. Und das hat seinen Grund.

Bei Ajoie und Rapperswil zum Routinier gewachsen

«Ich bin kein Lautsprecher in der Mannschaftskabine», sagt Mosimann. «Aber ich möchte auf dem Eis eine Leaderfigur sein.» Damit gibt er den Jungen in Thurgaus Kader das zurück, was er in seiner Anfangszeit in der Swiss League selber erfahren hat. Bei den ambitionierten Teams Ajoie (2014–2017) und Rapperswil-Jona (2017–2020) wuchs der ehemalige Junior des EHC Biel zu einem Routinier heran. Mit beiden Klubs gewann er die Meisterschaft, mit Rapperswil stieg er 2018 gar in die National League auf. Mosimann sagt:

«Ich hatte Spieler wie Sven Lindemann, Corsin Casutt oder Cyrill Geyer, an denen ich mich orientieren konnte.»

Vor allem Geyer habe ihm imponiert, wie er ohne grosse Worte eine Vorbildfunktion eingenommen habe. Genau das will Mosimann nun bei Thurgau tun.

Im System von Trainer Stephan Mair ist der Berner Seeländer als einer der Pfeiler im Powerplay vorgesehen. Grosse Ansprüche hegt er nicht: «Jeder muss seinen Job akzeptieren, den er vom Trainer bekommt. Wenn dann noch der Teamspirit stimmt, kommen Titelerfolge wie mit Ajoie oder Rappi zu Stande.» Und im Powerplay, da kristallisiere sich die Rolle eines Spielers sowieso erst im Verlauf einer Serie heraus. «Irgendeiner ist immer der Held», sagt Mosimann, ohne das für sich in Anspruch nehmen zu müssen.

Ein Playoff-Erfolg gegen Langenthal fehlt noch

Von den neun Playoff-Serien, die Jan Mosimann in der Swiss League gespielt hat, gewann er sieben. Der Kerl ist ein Siegertyp. «Die grosse Kunst im Playoff? Immer frisch sein im Kopf.» Das Schlimmste sei, wenn man einem vergebenen Sieg nachtrauere oder sich über eine Niederlage den Kopf zerbreche, sagt Mosimann. «Denn das nächste Spiel folgt sogleich.» Doch etwas hat Mosimann trotz Meistertitel mit Ajoie, Meistertitel mit Rapperswil-Jona und Cupsieg mit Rappi noch nicht geschafft: eine Playoff-Serie gegen Langenthal zu gewinnen. Die bislang einzige verlor er 2017 im Halbfinal mit Ajoie 1:4. Mosimann sagt:

«Langenthal ist eine Playoff-Mannschaft. Aber wenn ich sie wäre, würde es mich stressen, dass der Gegner heuer Thurgau heisst.»

Das Spiel der Leuen habe das Potenzial, den Gegner zu frustrieren. «Nun liegt es an uns, ihnen unser Spiel aufzuzwingen.» Ob der Stürmer ab Mittwoch auch um einen neuen Vertrag spielt oder ob der schon besiegelt ist, wollte Mosimann offenlassen. «Ich bestreite jetzt mit Thurgau zunächst das Playoff.» Das klingt irgendwie nach Abschied. Und das wiederum wäre schade für den HCT.

Die Playoff-Paarungen in der Übersicht: Visp und Olten greifen von den hinteren Rängen an

Kloten (1.) – La Chaux-de-Fonds (8.)
Wenn der Qualifikationssieger und Aufstiegsanwärter Kloten diese Best-of-7-Serie von Anfang an ernst nimmt, wird er keine Probleme bekunden gegen La Chaux-de-Fonds. Die Neuenburger hatten vergangene Woche schon im Pre-Playoff gegen die GCK Lions Mühe und mussten über die volle Distanz von drei Spielen. Kloten besitzt von allen Swiss-League-Teams das qualitativ hochwertigste Kader und wird das wie schon in der Regular Season ausspielen – unspektakulär aber effizient. In der Qualifikation entschieden die Zürcher Unterländer drei von vier Duellen gegen den HC La Chaux-de-Fonds zu ihren Gunsten, wovon einmal erst in der Verlängerung. Tipp: 4:1

Ajoie (2.) – Visp (7.)
Der HC Ajoie gilt als erster Herausforderer von Kloten und interessiert sich auch für einen Aufstieg. Da kommt ihm höchst ungelegen, dass er im Playoff-Viertelfinal auf den EHC Visp trifft. Gegen die Walliser, die ebenfalls mit der Promotion in die NLA liebäugeln, taten sich die Jurassier diese Saison schwer. Zwei Direktduelle gingen verloren und beim 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen in der letzten Runde verspielte Ajoie den Qualisieg. Während der Tabellenzweite nach einem coronabedingten Mammutprogramm schwächelt, spielt Visp unter dem neuen Trainer Yves Sarault wie verwandelt. Der Tabellensiebte ist wieder bissig und angriffig. Tipp: 3:4

Langenthal (3.) – Thurgau (6.)
Die Viertelfinal-Begegnung mit dem SC Langenthal weckt aus Thurgauer Sicht traumatische Gefühle. Dabei hat der HCT in den vergangenen zehn Jahren nur eine Playoff-Serie gegen die Berner bestritten. Doch diese hatte es in sich: 2017, in der ersten Saison mit Trainer Stephan Mair, verloren die Ostschweizer glatt 0:4, waren aber in allen Spielen am Gegner dran. Der SC Langenthal ist eben eine ausgesprochene Playoff-Mannschaft. Das dürfte auch in dieser aussergewöhnlichen Coronasaison nicht anders sein. Thurgau muss sein Heil in der Breite des Kaders suchen, während Langenthal seine Kraft geballt aufs Eis bringen kann. Das wird auf jeden Fall spannend. Tipp: 4:2

Sierre (4.) – Olten (5.)
Ähnlich wie Visp ist auch der EHC Olten zum Playoff-Beginn nicht mehr zu erkennen. Die Solothurner stellen eine ganz andere Mannschaft als noch in der ersten Saisonhälfte. Die beiden jungen Nordamerikaner Brennan Othmann und Mason McTavish sind gewichtige Verstärkungen. Auch Routinier Stanislav Horansky, der bis Ende Saison vom NLA-Klub Ambri ausgeliehen wird, kann im Playoff ein entscheidender Faktor sein. Olten macht deutlich, dass es auch von Platz fünf aus in die National League aufsteigen will. Das Überraschungsteam Sierre – 2020 haben die Walliser das Playoff noch verpasst – wird da nicht mehr gross dagegenhalten können. Tipp: 1:4