Swiss League
Debakel verhindert: Bei der 2:5-Niederlage des HC Thurgau in Kloten prallen Welten aufeinander

Der EHC Kloten ist in dieser Saison ein zu grosses Kaliber für den HC Thurgau. Am Samstag im Schluefweg waren die Ostschweizer mit nur einem Ausländer auf verlorenem Posten, wendeten aber mit grossem Einsatz eine Kanterniederlage ab. Trotz der zweiten Pleite in Folge reiste der HCT auch mit positiven Erkenntnissen nach Hause.

Matthias Hafen
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Thurgaus Goalie Bryan Rüegger (hier im Startspiel gegen Winterthur) wehrte sich wie seine Teamkollegen nach Kräften.

Thurgaus Goalie Bryan Rüegger (hier im Startspiel gegen Winterthur) wehrte sich wie seine Teamkollegen nach Kräften.

Mario Gaccioli

Die ersten zehn Minuten wollte der HC Thurgau im Auswärtsspiel gegen den EHC Kloten überstehen. Das gelang den Gästen mit nur einem Gegentreffer und einer überraschend offensiven Einstellung einigermassen. Doch die Probleme der Thurgauer hörten am Samstag im Schluefweg nach den zehn Startminuten nicht auf. Im Duell mit dem grossen Aufstiegsfavoriten prallten Welten aufeinander. Hier Ligakrösus Kloten, der alleine in den ersten zwei Reihen mehr Potenzial zur Verfügung hat als der HCT im ganzen Kader. Dort Thurgau, das sich nach zahlreichen Abgängen und der unglücklichen Verletzung seines schwedischen Stürmers Rickard Palmberg zuerst neu finden muss.

Klotens enttäuschender Saisonstart mit dem 2:6 in La Chaux-de-Fonds und einem erzitterten 3:2-Overtime-Sieg gegen Olten weckte beim HC Thurgau trotz der schlechten Voraussetzungen gewisse Hoffnungen auf einen Exploit. Doch am Ende mussten sich die Gäste eingestehen, dass sie der ideale Aufbaugegner waren für die Zürcher Unterländer.

Strafen bringen den HC Thurgau auf die Verliererstrasse

Kloten gelang es, die gegnerischen Strafen konsequent auszunutzen. Das 1:0 in der sechsten Minuten durch den Ex-Thurgauer Andri Spiller fiel ebenso in Überzahl wie das wegweisende 3:1 durch Eric Faille, der in der 15. Minute vor Bryan Rüegger einen Rebound verwertete. Dazwischen hatte der HCT nochmals ins Spiel zurückgefunden. Daniel Woger hatte in der 14. Minute einen Weitschuss von Misha Moor zum 1:2 ins Tor von Sandro Zurkirchen abgelenkt.

Das Geschehen auf dem Eis wurde aber immer einseitiger. Mit jeder gelungenen Aktion schöpfte Kloten neues Selbstvertrauen. Auf der anderen Seite waren die Thurgauer je länger je mehr auf verlorenem Posten. Spätestens nach dem 4:1 durch Dario Meyer am Ende des Startdrittels hatte die Partie nur noch Testspiel-Charakter. Dem Gegentreffer war ein kapitaler Puckverlust durch Captain Patrick Parati vorausgegangen. Doch verlor Thurgau nicht wegen einzelner Aktionen. Kloten war an diesem Abend einfach deutlich besser. Gleich mehrmals zog das Heimteam ein Powerplay bei numerischem Gleichstand auf. Immerhin: Der HCT wehrte sich nach Kräften und verhinderte so ein Debakel.

Jonathan Ang (links, hier im Auswärtsspiel gegen Winterthur) führte die Offensive des HCT mit starken Einzelaktionen an, war aber oft auf verlorenem Posten.

Jonathan Ang (links, hier im Auswärtsspiel gegen Winterthur) führte die Offensive des HCT mit starken Einzelaktionen an, war aber oft auf verlorenem Posten.

Mario Gaccioli

Das letzte Tor gehört der grossen Entdeckung Ian Derungs

Nach dem 5:1 durch Patrick Obrist (35./direkt im Anschluss an ein Powerplay) beschränkte sich der EHC Kloten darauf, die Partie kontrolliert zu Ende zu bringen. Das wiederum öffnete dem HC Thurgau den Raum, um doch noch positive Aspekte aus der zweiten Niederlage im vierten Saisonspiel mitzunehmen. Nicht nur durfte das Trainerduo Mair/Winkler konstatieren, dass die Moral in seiner Mannschaft so gut ist, dass sich der stark unterlegene HCT nie gehen liess. Vor allem dank des sehr aktiven Kanadiers Jonathan Ang kam der Aussenseiter auch immer mal wieder zu Tormöglichkeiten. Die Ostschweizer zeigten zudem, dass ihr Powerplay wieder Potenzial hat. In der 39. Minute verkürzte die grosse Entdeckung Ian Derungs in Überzahl auf 2:5. Die schöne Vorarbeit für das letzte Tor der Partie hatten Marco Forrer und Adam Rundqvist geleistet.

Nichtsdestotrotz kommen auf den HC Thurgau und seinen Headcoach Stephan Mair schwierige Wochen zu. In Abwesenheit des verletzten Schweden Rickard Palmberg müssen im Angriff neue, funktionierende Linien gefunden werden. Und das mit vorwiegend jungen Akteuren wie Dominik Binias, Nico Lehmann, Jan Petrig oder Justin Salamin, die ihre Sache zwar gut machen, die aber in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind, dass sie ein Swiss-League-Team tragen können.

Am Dienstag um 20.00 Uhr gastiert der HC Thurgau beim HC Sierre. Die Walliser dürften auf dem Papier auf Augenhöhe des HCT sein und mit den Thurgauern um einen direkten Playoff-Platz kämpfen. Oder lapidar ausgedrückt: Dieses Kaliber wäre für die Thurgauer wieder zu packen.

Kloten – Thurgau 5:2 (4:1, 1:1, 0:0)

Schluefweg – 3668 Zuschauer – SR Castelli/Gianinazzi, Ambrosetti/Meusy.
Tore: 6. Spiller (Gähler/Ausschluss Woger) 1:0. 13. (12:31) Obrist (Meyer) 2:0. 14. (13:23) Woger (Moor) 2:1. 15. Faille (Marchon/Ausschluss Derungs) 3:1. 19. Meyer (Obrist) 4:1. 35. Obrist (Ganz, Hinterkircher) 5:1. 39. Derungs (Forrer, Rundqvist) 5:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kloten, 8-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Kloten: Zurkirchen; Kellenberger, Ganz; Kindschi, Gian Janett; Steiner, Gähler; Seiler, Randegger; Altorfer, Faille, Dostoinov; Marchon, Figren, Spiller; Meyer, Melnalksnis, Obrist; Hinterkircher, Simek, Knellwolf.
Thurgau: Rüegger; Parati, Forrer; Kühni, Soracreppa; Fechtig, Moor; Bircher; Derungs, Rundqvist, Ang; Loosli, Hobi, Hollenstein; Bischofberger, Fritsche, Woger; Petrig, Lehmann, Binias; Salamin.
Bemerkungen: Kloten ohne Füglister (suspendiert), Schreiber (verletzt), Stämpfli, Riesen und Bartholet (alle überzählig). Thurgau ohne Palmberg, Spannring, Schmutz, Baumann (alle verletzt) und Senn (überzählig).

Nächstes Spiel. Dienstag, 20.00 Uhr: Sierre – Thurgau.

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