Swiss League
2:3-Niederlage in Langenthal: Der HC Thurgau kann gegen Topteams nicht mehr gewinnen

Der HC Thurgau verliert das Auswärtsspiel gegen den Tabellendritten Langenthal 2:3. Wie schon beim 3:4 gegen Leader Ajoie drei Tage zuvor, sind die Ostschweizer nahe am Erfolg dran, machen sich aber das Leben selber schwer. Diesmal schon ganz am Anfang.

Matthias Hafen aus Langenthal
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Fabio Kläy (vorne) bejubelt seinen siegbringenden Treffer zum 3:1. Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard und Verteidiger Atanasio Molina sind konsterniert.

Fabio Kläy (vorne) bejubelt seinen siegbringenden Treffer zum 3:1. Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard und Verteidiger Atanasio Molina sind konsterniert.

Bild: Leroy Ryser

Zwischen stabil und labil verläuft nur ein schmaler Grat. Das zeigte der HC Thurgau am Samstag in Langenthal eindrücklich. Die ersten zwei Minuten lief im Stadion Schoren für die Gäste so ziemlich alles schief, was schief laufen konnte. Nach nur 56 Sekunden musste HCT-Goalie Nicola Aeberhard bereits hinter sich greifen, weil er einen Weitschuss von Dario Kummer passieren liess. Unglück oder Unvermögen? Auf jeden Fall keinen Boost fürs Selbstvertrauen. Glücklicherweise für die Gäste musste nur wenige Sekunden später Langenthals Ian Derungs auf die Strafbank. Es winkte die schnelle Wiedergutmachung.

Kaum hatte sich der HC Thurgau im gegnerischen Drittel festgesetzt, kam der Puck zu Verteidiger Joel Scheidegger an die blauen Linie. Schlagschuss, Tor, war der Wunsch. Die Wirklichkeit sah allerdings anders aus. Von Scheideggers Stockschaufel kullerte der Puck unkontrolliert ins Verteidigungsdrittel der Langenthaler zurück, wo ihn Tom Gerber dankend annahm, solo auf HCT-Goalie Aeberhard losstürmte und in Unterzahl das 2:0 markierte. Mit zwei Fehlern ganz zu Beginn war der HC Thurgau bereits aus dem Spiel.

Langenthal greift Thurgau unter die Schulter

Oder doch nicht? Denn die Ostschweizer erhielten Hilfe - und das von ganz unerwarteter Seite. Unter Druck gesetzt von einem aggressiven Forechecking des HCT schoss Langenthals Verteidiger Hans Pienitz gegen Ende des Startdrittels ein Eigentor. Und wie! Von hinter dem eigenen Tor knallte er den Puck seinem Goalie Pascal Caminada an die Schulter, von wo die Scheibe ins Tor fiel. Der Treffer wurde schliesslich Adam Rundqvist gutgeschrieben, der der Aktion am nächsten stand.

Caminada musste sich ziemlich verschaukelt vorkommen, hatte er dem SC Langenthal zuvor doch mit mehreren starken Paraden den Zweitorevorsprung bewahrt. Mit Pienitz' Geschenk in der 19. Minute war der HC Thurgau unverhofft zurück im Spiel. Und was sich schon die Minuten zuvor abzeichnete, war jetzt endgültig Tatsache. Statt labil war wieder stabil Programm bei den Gästen.

13:4 Schüsse zugunsten des HC Thurgau

Aus dem schnellen, intensiven Zweikampf des ersten Drittels wurde im zweiten immer mehr ein Sturmlauf der Thurgauer. Sie powerten, was das Zeug hielt, deckten Langenthals Goalie Caminada nur so mit Schüssen ein. Doch die Nummer 33 zwischen den Pfosten war einmal mehr nicht zu bezwingen. Auch, weil der Slot, die gefährliche Zone vor dem Tor, meist unter Kontrolle der Langenthaler blieb. 13:4 lautete das Schussverhältnis nach den zweiten 20 Minuten zugunsten des HC Thurgau. Der einzige Treffer dieses Abschnitts erzielten jedoch die Berner - mit der einzigen Strafe gegen den HCT. Fabio Kläy lenkte in der 32. Minute im Powerplay einen Schuss von Marc Kämpf zum 3:1 ins Tor.

Thurgaus Bemühungen hielten auch im Schlussdrittel an. Wieder gaben sie mehr Schüsse aufs Tor von Caminada als Aeberhard zu halten hatte (11:7). Doch vor dem Tor fehlte den Gästen die Durchschlagskraft. Und als Jonathan Ang in der 55. Minute endlich einmal das Langenthaler Bollwerk durchbrach - er vernaschte in Unterzahl gleich drei Langenthaler Gegenspieler -, fehlte dem HCT das Glück. Der Abschluss des Kanadiers landete am Pfosten. Der Klang des Metalls hallte durch die Eishalle Schoren als würde er für Thurgau das Ende der Partie bedeuten.

La Chaux-de-Fonds rückt in der Tabelle immer näher

Doch einmal mehr hielt das unterhaltsame Spiel eine Überraschung parat. 98 Sekunden vor Schluss wurde der HC Thurgau für seine Bemühungen endlich belohnt. Patrick Spannring erzielte aus einer grossen Spielertraube heraus das 2:3. Goalie Aeberhard hatte seinen Kasten zuvor zugunsten eines sechsten Feldspielers verlassen. Doch der Anschlusstreffer kam zu spät. Langenthal rettete den knappen Vorsprung über die Zeit. Und der fünftplatzierte HC Thurgau spürt nach dieser Samstagsrunde bereits den Tabellensiebten La Chaux-de-Fonds im Nacken, der den Rückstand auf die Ostschweizer auf vier Punkte verringerte. Was könnte man sich da mehr wünschen als eine Direktbegegnung der beiden Kontrahenten? Sie steht am Montag um 19.45 Uhr im Neuenburger Jura auf dem Programm.

Langenthal – Thurgau 3:2 (2:1, 1:0, 0:1)

Schoren – Keine Zuschauer – SR Staudenmann/Castelli, Betschart/Ammann.
Tore: 1. (0:56) Kummer (Küng) 1:0. 3. Gerber (Ausschluss Derungs!) 2:0. 19. Rundqvist (Eigentor Pienitz) 2:1. 32. Kläy (Kämpf, Maret/Ausschluss Hollenstein) 3:1. 59. Spannring (Scheidegger) 3:2.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Langenthal, 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Guggenheim, Maret; Higgins, Pienitz; Büsser; Tschannen, Kummer, Küng; Kämpf, Kläy, Elo; Gerber, Schläpfer, Derungs; Dähler, Nyffeler, Wyss; Wigger.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Wildhaber, Fechtig; Scheidegger; Molina; Parati, Schmutz; Hinterkircher, Ang, Janik Loosli; Bischofberger, Hobi, Spannring; Rehak, Rundqvist, Hollenstein; Wetli, Ness, Brändli.
Bemerkungen: Langenthal ohne Himelfarb, Chanton und Weber (alle verletzt). Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Mosimann, Schmuckli (alle verletzt), Baumann, Fritsche, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig) und Michael Loosli (Rapperswil-Jona/NLA). – 55. Pfostenschuss Ang. – Thurgau von 57:46 bis 58:22 und ab 58:48 mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalies.