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Helden für die Ewigkeit: Wie sich die Thurgauer Hockeyaner wieder in die Herzen ihrer Fans gespielt haben

Der HC Thurgau wird in Zukunft wieder einmal in die Playoff-Halbfinals vorstossen. Die Emotionen, die der Swiss-League-Club in diesem Winter ausgelöst hat, werden aber schwierig zu toppen sein.
Matthias Hafen
So erfolgreich wie seit 1996 nicht mehr: Thurgaus Spieler werden nach dem Halbfinal-Aus in La Chaux-de-Fonds von ihren Fans als Helden gefeiert. (Bild: Mauricette Schnider)

So erfolgreich wie seit 1996 nicht mehr: Thurgaus Spieler werden nach dem Halbfinal-Aus in La Chaux-de-Fonds von ihren Fans als Helden gefeiert. (Bild: Mauricette Schnider)

Je länger man auf etwas wartet, desto schöner ist es, wenn man es bekommt. Entsprechend ausgelassen feierten die Anhänger des HC Thurgau den ersten Halbfinal-Einzug ihrer Mannschaft seit 21 Jahren. In einer Saison, die mit einem Kaltstart und acht Niederlagen aus den ersten zehn Spielen begann, sparte sich der HCT das Beste für den Schluss auf. Im Playoff, das unter Trainer Stephan Mair zum dritten Mal in Folge souverän erreicht wurde, mauserten sich die siebtplatzierten Ostschweizer zum Favoritenschreck.

Zuerst traute der Tabellenzweite Ajoie seinen Augen nicht, als er gegen die harten Arbeiter aus dem Thurgau in ein siebtes, entscheidendes Viertelfinalspiel musste – und dieses mit 1:2 verlor. Dann machte auch Qualifikationssieger La Chaux-de-Fonds Bekanntschaft mit dem «System Mair». Das ist: den Gegner fundiert analysieren und sich dann im Spiel auf die wirksamsten Gegenmittel fokussieren. So geht Coaching in der Neuzeit. Und so machte der 51-jährige Südtiroler mit der Hilfe seines Assistenten Beni Winkler aus «David gegen Goliath» zweimal ein Duell auf Augenhöhe.

Jaedon wer?

Mair konnte dafür auf Spieler zählen, die ihn verstanden und mitzogen. Franco Collenberg etwa entpuppte sich als Königstransfer. Der 33-jährige Verteidiger wollte zu Beginn der Saison etwas zu viel, entwickelte sich aber im Verlauf des Winters zu einer Leaderfigur und einem der besten HCT-Verteidiger in dieser Saison. Und ein Jahr nach Jaedon Descheneau und Cam Braes hatten die Thurgauer, dank Mairs guten Beziehungen nach Nordamerika, mit Cody Wydo und Kenny Ryan wieder ein glückliches Händchen für zwei Ausländer, deren Preis-Leistungs-Verhältnis schier unschlagbar war.

Gleichwohl gründete Thurgaus Erfolg in einer sehr ausgeglichenen Mannschaft, die keine Stars kennt.

Spieler wie Patrick Brändli, Alain Bahar oder Yannick Hänggi hatten den gleichen Stellenwert wie der Rest des Teams. Denn jeder war für seine ganz bestimmte Aufgabe wichtig. Natürlich brauchte es für die Playoff-Überraschung auch jene, die über sich hinauswuchsen, wie Stürmer Michael Loosli, dessen Tore mit jedem Spiel schöner und wichtiger wurden. Oder auch Goalie Nicola Aeberhard, der mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit zu Thurgaus Geheimwaffe wurde – und das in seinen ersten Playoff-Einsätzen bei den Erwachsenen überhaupt.

Mit dem Sieg im zweiten Halbfinalspiel gegen La Chaux-de-Fonds egalisierte der HC Thurgau seinen grössten Erfolg aus der Saison 1995/96, einen Sieg im Halbfinal. Ein weiterer hat gefehlt, um die erfolgreichste Saison der Clubgeschichte zu spielen. Ja, es gibt auch Bedauernswertes, obwohl es vor der Saison niemand gewagt hatte, vom Final zu träumen.

Für grössere Erfolge braucht es Verstärkungsspieler

Doch plötzlich lag die Möglichkeit da, auf dem Silbertablett. Nicht einmal 48 Stunden nach dem gewonnenen siebten Spiel gegen Ajoie taumelte zu Beginn des Halbfinals auch La Chaux-de-Fonds. Thurgaus Müdigkeit, die mentale inklusive, nach dem grössten Erfolg seit 21 Jahren sorgte aber für eine Niederlage nach Verlängerung. Und spätestens als Collenberg im dritten Halbfinalspiel verletzt ausfiel, der HCT wieder in der Overtime verlor und Trainer Mair nur noch vier erfahrene Verteidiger zur Verfügung standen, war es um das Überraschungsteam geschehen.

Insofern hätte die eine oder andere Zusatzverpflichtung vor dem Playoff-Start durchaus Sinn gemacht – wie schon beim Viertelfinal-Aus im vergangenen Jahr gegen Olten. Sicher ist es löblich, auch im Playoff auf die Spieler zu setzen, die einen durch die Saison getragen haben. Aber die Situation kann sich schnell wieder ändern. Just als die Thurgauer Spieler heuer Hilfe brauchten, konnte sie ihnen der Club nicht mehr geben.

Auch die Clubführung trägt zum Erfolg bei

Trotzdem werden von dieser Saison die positiven Erinnerungen hängen bleiben. Etwa das Kämpferherz, das alle Spieler an den Tag legten. Oder schlicht der Fakt, dass der HC Thurgau auch im dritten Jahr unter Trainer Mair einen Schritt weitergekommen ist.

Dass der HCT im Kanton wieder zum Liebhaberobjekt avancierte, verdankt er auch einer Clubführung, die unter Präsident Hansjörg Stahel und Vize Max Hinterberger den sportlichen Erfolg und nicht sich selber in den Vordergrund stellt. Und es ist auch kein Zufall, dass Geschäftsführer Patrick Bloch zum neuen CEO des Schweizerischen Eishockeyverbands ernannt wurde. Im HC Thurgau wird herausragende Arbeit geleistet – und das nimmt man im ganzen Land wahr.

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