HC Thurgau gelingt Befreiungsschlag gegen Lieblingsgegner Visp

Dominic Hobi schiesst den HC Thurgau gegen den EHC Visp in der Verlängerung zum Sieg. Damit gewinnen die Ostschweizer auch den dritten Vergleich mit den Wallisern.

Thomas Ammann, Weinfelden
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Darcy Murphy vergab auf Seiten der Thurgauer mehrere hervorragende Möglichkeiten.

Darcy Murphy vergab auf Seiten der Thurgauer mehrere hervorragende Möglichkeiten.

Bild: Mario Gaccioli

Unterschiedlicher hätten die Formkurven des HC Thurgau und des EHC Visp vor dem samstäglichen Direktduell nicht verlaufen können. Visp gewann fünf der letzten sechs Spiele, Thurgau verlor fünf der letzten sechs Spiele. Insbesondere das Toreschiessen fällt den Ostschweizern derzeit schwer, im Dezember gelang ihnen erst ein einziger Treffer. Hoffnung machte dem Heimteam dafür die Bilanz gegen die Walliser: Die ersten zwei Begegnungen gewannen die Ostschweizer.

Das Spiel in der leeren Güttingersreuti begann mit einem Paukenschlag. Noch keine zwei Minuten waren gespielt, als der Visper Anton Ranov nur die Querstange traf. Es war ein munterer Beginn mit Chancen auf beiden Seiten. Da beide Teams mit nur sechs gelernten Verteidigern antraten, suchten sie von Beginn weg ihr Heil in der Offensive.

Thurgauer Ausländer einmal mehr blass

Nach der ausgeglichenen Startphase übernahm der HC Thurgau die Spielkontrolle. In der 17. Minute vergab Darcy Murphy eine erste von mehreren hervorragenden Möglichkeiten. Dem Kanadier sollte – wie seinem Landsmann Derek Hulak – auch heute wenig gelingen, für einen Eintrag in der Torschützenliste reichte es beiden einmal mehr nicht. Gesamthaft haben die beiden erst acht Scorerpunkte erzielt.

Kurz darauf konnte das Heimteam während 72 Sekunden in doppelter Überzahl agieren. Aus dieser schaute vorderhand nichts Zählbares heraus. Doch just nachdem der erste Visper von der Strafbank zurückgekehrt war, traf Jan Mosimann nach einem gewonnenen Bully zum 1:0. Dennis Saikkonen, kurz zuvor noch mit einer Glanzparaden gegen Adam Rundqvist, griff bei diesem Handgelenkschuss mit der Fanghand tüchtig daneben.

Gian-Marco Wetter trifft beim Début

Im Mitteldrittel knüpften die Leuen nahtlos an die ersten 20 Minuten an und waren das klar spielbestimmende Team. Zwar kassierten sie in Unterzahl durch einen verdeckt abgegebenen Schuss von Lukas Haas den eher unverdienten Ausgleich in der 27. Minute. Sie reagierten darauf jedoch nur vier Minuten später mit dem erneuten Führungstreffer durch Gian-Marco Wetter, der einen Schuss des wieder genesenen Verteidigers Sebastiano Soracreppa von der blauen Linie unhaltbar ablenkte. Der Appenzeller vom Partnerteam Rapperswil-Jona Lakers konnte sich damit in seinem ersten Einsatz gleich unter die Torschützen reihen.

Und nur 15 Sekunden nach dem 2:1 zappelte der Puck erneut im Netz der Visper. Patrick Spannring hatte in Überzahl getroffen. Doch die Schiedsrichter annullierten den Treffer sofort und schickten stattdessen Murphy wegen Torhüterbehinderung für zwei Minuten auf die Strafbank. Trotz längerer Videokonsultation blieben die Unparteiischen bei ihrer Entscheidung.

Die Ostschweizer mussten sich aber auch an der eigenen Nase nehmen. Gelegenheiten, die Führung auszubauen, hätte es in dieser Phase des Spiels zuhauf gegeben. Die beste Chance vergab Hulak in der 38. Minuten, als er es mit dem leeren Tor vor Augen nicht schaffte, den etwas holpernden Puck unter Kontrolle zu bringen.

Vermeintlicher Ausgleich wird annulliert

Die mangelnde Effizienz sollte sich im dritten Drittel rächen. Denn mit Fortdauer des Spiels schienen bei Thurgau die Kräfte etwas zu schwinden. Visp wurde gefährlicher und auch zwingender. Zuerst traf Melvin Merola in der 46. Minute nur den Pfosten. Dann traten wenige Sekunden später wieder die Unparteiischen ins Zentrum des Geschehens. Nach einem Gewühl vor dem Thurgauer Tor lag die Scheibe plötzlich hinter der Linie. Doch auch diesem Treffer ging eine Regelwidrigkeit voraus. Nach fast zehn-minütigem Videostudium annullierten sie das Tor folgerichtig.

In der 53. Minute war der Ausgleich dann aber doch noch Tatsache. Sandro Brügger traf bei sechs gegen fünf Spieler aufgrund einer angezeigten Strafe gegen Thurgau nach einem genialen Querpass von Nils Berger unter den Schonern des sich verschiebenden Rüegger hindurch. Einmal mehr schienen den Thurgauern die Fälle trotz guter Leistung in der Schlussphase davonzuschwimmen. Doch kurz vor dem Ende der Verlängerung fasste sich Captain Dominic Hobi ein Herz, zog von der Mittellinie los, umkurvte Gegenspieler und Torhüter und schob zum Siegtreffer ein.

Der Sieg der Ostschweizer war insgesamt verdient. Sie waren mindestens zwei Drittel lang das aktivere und auch gefährlichere Team. Defensiv standen sie trotz Personalmangel mehrheitlich solide. Allein die Chancenverwertung liess einmal mehr zu wünschen übrig. Die Talfahrt konnte der HC Thurgau damit vorerst stoppen – und gewann auch das dritte Spiel gegen Lieblingsgegner Visp.

Thurgau – Visp 3:2 n.V. (1:0, 1:1, 0:1, 1:0)

Güttingersreuti – 0 Zuschauer – SR: Weber/Unterfinger, Baumgartner/Ammann.
Tore: 20. (19:00) Mosimann (Rundqvist, Ausschluss Steiner) 1:0. 27. Haas (Eggenberger, Ausschluss Spannring) 1:1. 31. Wetter (Soracreppa/Spannring) 2:1. 53. Brügger (Berger, Strafe gegen Mosimann angezeigt) 2:2. 65. (64:11) Hobi (Brändli/Fechtig) 3:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 7-mal 2 Minuten gegen Visp.
Thurgau: Rüegger; Scheidegger, Schmutz; Schmuckli, Molina; Fechtig, Soracreppa; Bischofberger, Kellenberger; Hulak, Brändli, Murphy; Hinterkircher, Rundqvist, Mosimann; Hobi, Wetter, Spannring; Hollenstein, Fritsche, Lanz
Visp: Saikkonen; Eggenberger, Pilet; Krähenbühl, Furrer; Steiner, Wyss; Josephs, Van Guilder, Holdener; Haberstich, Ritz, Burgener; Haas, Brügger, Merola; Spinell, Hofestetter, Berger; Ranov, Petrig.
Bemerkungen: Thurgau ohne Parati, Wildhaber, Moser, J. Loosli, Rehak, Moor, Baumann (alle verletzt), M. Loosli, Schweri, Bader (Rapperswil-Jona/NLA) und Schnyder (überzählig). 2. Lattenschuss Ranov (V). 46. Pfostenschuss Merola (V).