«HC Thurgau braucht frisches Blut»

Offiziell beginnt der Arbeitsvertrag des neuen HCT-Trainers Christian Weber erst am 1. Mai. Doch bereits jetzt laufen gewisse Gespräche über und mit ihm. Aus diesem Grunde weilte der am nächsten Dienstag 49 Jahre alt werdende Dübendorfer gestern den ganzen Tag in Weinfelden.

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HCT-Sportchef Roger Maier (l.) und der neue Trainer Christian Weber gestern mittag vor dem Gasthof Eisenbahn in Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo)

HCT-Sportchef Roger Maier (l.) und der neue Trainer Christian Weber gestern mittag vor dem Gasthof Eisenbahn in Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo)

Nach dem Amt als Trainer der NLA-Vereine ZSC Lions, Rapperswil und SCL Tigers sowie als Assistent des österreichischen Nationalteams kommen sie nun zum HC Thurgau in die NLB. Warum?

Christian Weber: Warum nicht? Der HC Thurgau ist ein Traditionsverein, und ich kenne seine Geschichte sehr gut. Nicht nur, weil ich als Coach bei den GCK Lions schon gegen den HCT antrat, sondern weil ich bei den ZSC Lions mit Rolf Schrepfer und Roger Keller auch mit Thurgauern im gleichen Team stand.

Ist der Job beim HCT auch ein Neustart in der Schweiz für Sie?

Weber: Ja, ich war jetzt zwei Jahre im Ausland tätig und bin sehr froh, dass ich dieses Angebot erhalten habe. Bekannt ist mir auch, dass der HCT finanziell keine aussergewöhnlichen Sprünge machen kann. Ich bin es gewohnt, mit jungen Spielern zu arbeiten. Das macht mir enorm Freude. Aber natürlich braucht es auch eine gewisse Routine in der Mannschaft, sonst funktioniert das nicht. Ziele formuliere ich erst, wenn die ganze Equipe beisammen ist. Wir möchten den Fans die eine oder andere Überraschung bieten. Logisch ist auch, in die Playoffs wollen stets alle.

Was für Spieler möchten Sie?

Weber: Zuerst muss ich wissen, wer vom jetzigen Kader bleiben möchte. Klar ist, es braucht beim HC Thurgau frisches Blut. Ich habe schon verschiedene Anfragen erhalten. Grundsätzlich gilt, die Neuen müssen zum Verein passen. Auf und neben dem Eis.

Welche Ansprüche stellen Sie bezüglich der Ausländer?

Weber: Sie müssen zwingend Verantwortung übernehmen und absolute Vorbilder sein. Die Nationalität spielt keine Rolle.

Auf was legen Sie grossen Wert?

Weber: Disziplin ist das oberste Gebot. Es darf nie sein, dass 21 Personen auf den letzten Mann warten müssen. Ein Match beginnt auch pünktlich um 20 Uhr.

Wie sieht Ihr erster Grundplan für den HC Thurgau aus?

Weber: Um zurück auf die Erfolgsstrasse zu kommen, reicht ein halbes Jahr nicht aus. Dazu reicht vielleicht auch ein ganzes Jahr nicht. Ich will meinen Job einfach so gut wie möglich machen. Dasselbe erwarte ich auch von den Spielern. Kämpfen muss man immer, aber das allein genügt nicht. Das Kader muss schon auch eine gewisse Klasse aufweisen.

Der HCT hat letztmals 2008/09 die Playoffs erreicht und kämpfte auch schon ums Überleben. Was reizt Sie an diesem Job?

Weber: Die Ostschweiz hat einen NLB-Club verdient. Und der sollte doch auch erfolgreich sein. Diese Herausforderung ist verlockend. Ich möchte im Thurgau etwas aufbauen, damit die Fans an ihrem Verein wieder Freude haben. Mir ist bewusst, dass wirklich viel Arbeit auf mich wartet.

Wann fand das erste Treffen mit den HCT-Verantwortlichen statt?

Weber: Erst als sämtliche Modalitäten mit meinem österreichischen Arbeitgeber geklärt waren. Etwa vor drei Wochen.

Aber Sie waren doch am 11. Januar in der Güttingersreuti?

Weber: Das stimmt, aber ich war damals in der Schweiz, um Akteure zu beobachten, die für das österreichische Nationalteam in Frage kamen. Und beim HCT-Gegner Langenthal kenne ich gleich mehrere Spieler die ich gecoacht habe, oder sogar noch mit ihnen auf dem Eis stand.

Was hatte am gestrigen Tag in Weinfelden erste Priorität für Sie?

Weber: Mit Sportchef Roger Maier habe ich meine Kaderwünsche für die nächste Saison besprochen. Zudem haben wir am Nachmittag fünf Talente am Tisch gehabt, mit denen wir bereits Gespräche über eine allfällige Verpflichtung geführt haben. Und natürlich unterhielten wir uns auch über das Sommertraining. Los geht es Ende April oder Anfang Mai. Erstes Eistraining ist am 2. August. (Lacht und fügt strahlend an). Zudem habe ich noch das HCT-Auto erhalten.

Seit wann sind Sie in der Schweiz?

Weber: Nach der Olympia-Qualifikation mit Österreich in Bietigheim habe ich meinen Job vorerst erledigt. Allerdings stehe ich vom 4. bis 11. Mai dann an der WM nochmals als Assistent an der Bande. Zurück zur Frage: Seit dem Dienstag bin ich in der Schweiz und hatte täglich mehrmals mit Roger Maier Kontakt.

Gibt es eine HCT-Episode?

Weber: Ich war Assistents-Coach bei den GCK Lions. Da stand in Kreuzlingen nach dem zweiten Drittel nicht mehr HCT-Trainer Röbi Wiesmann an der Bande, sondern Felix Burgener.

Interview: Ruedi Stettler