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HAUPTPROBE: Auf leisen Sprüngen

In Laax geben sich derzeit die Freestyle-Snowboarder den letzten Schliff für Olympia. Unter ihnen ist Halfpipe-Profi Jan Scherrer. Der Toggenburger ist der ruhige Pol in einem schrillen Schweizer Team.
Ralf Streule
Jan Scherrer bei einem Training in Les Deux Alpes in den französischen Alpen. (Bild: Luca Crivelli)

Jan Scherrer bei einem Training in Les Deux Alpes in den französischen Alpen. (Bild: Luca Crivelli)

Ralf Streule

Die Halfpipe hält gut her als Sinnbild für das Leben eines Snowboarders. In den Tiefen, zwischen meterhohen Wänden, befindet er sich meistens: im Schatten anderer Sportarten. Zwar gibt es die WM, den Weltcup, die X-Games – aber nur alle vier Jahre wird der Snowboarder hinauf ins helle Licht katapultiert, ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit: an die Olympischen Spiele.

«Es gibt nichts Grösseres», sagt auch Jan Scherrer, der 23-jährige Toggenburger aus Ebnat-Kappel. Er hat in Sotschi vor vier Jahren bereits Olympialuft geatmet. Den grossen Sprung in die Wahrnehmung der Schweizer Sportzuschauer hat er damals aber nicht geschafft. Es waren zuletzt andere, die das Scheinwerferlicht anzogen: Pat Burgener und Iouri Podlatchikov, die als farbige Hunde gelten, die im Rampenlicht aufblühen. Bur­gener als Musiker, Podlatchikov als Olympiasieger, Skateboarder, Fotograf und wilder Interview- geber.

«Jan ist extrem fokussiert und zielstrebig»

Steht Scherrer im Schatten der anderen? So fühle es sich nicht an, das stellt der Toggenburger schnell klar. Und wie er dasitzt, selbstbewusst, mit verschmitztem Lachen und wilder Frisur, nimmt man es ihm ab. Er lebt mit den anderen Schweizer Halfpipe-Profis jeweils an den Trainingsorten in Crans Montana oder Laax zusammen in einer Wohnung, und klar, da sei er eher der ruhige Pol, vergleichsweise der ruhige Denker im Team. «Iouri und Pat sind auch neben der Halfpipe Rampensäue, ich nicht», erklärt er und lacht. Als extrem fokussiert und zielstrebig beschreibt ihn Snowboard-Chef Sacha Giger. «Ein sehr guter Athlet, der sich kontinuierlich an die Weltspitze gearbeitet hat.»

Mit vier Jahren stand Scherrer erstmals auf den Ski, mit sechs Jahren auf einem Skateboard, bald darauf lernte er snowboarden. Es liess ihn nie mehr los. Er erinnert sich an erste Fahrten auf dem Wolzen in Krummenau, an die riesigen Fortschritte als Teenager, den Sprung ins Nationalkader mit 13 Jahren. Seit Scherrer im Sommer 2014 das Gymnasium in Davos abgeschlossen hat, ist er Profi, hält sich mit Hilfe von Sponsoren und Beiträgen von der Schweizer Sporthilfe über Wasser. Und tatsächlich ist er unterdessen nicht weit entfernt von Podlatchikov oder Burgener. In Laax, wo derzeit der Weltcup ausgetragen wird (Text links), gehö­ren alle drei zu Podestanwärtern, wie auch David Halblützel, der ebenfalls zum Olympiaquartett gehören wird. Alle vier waren auch im WM-Final 2017 dabei, als Burgener und Podlatchikov Medaillen gewannen, Scherrer aber nach einem Sturz Zehnter und Letzter wurde.

Auch wenn es für das Schweizer Team zuletzt in Copper Mountain beim Weltcup einen «Absturz» gab, wie es Giger formuliert: Das Quartett hat international gute Karten. Nicht nach Wunsch verlief zwar die Vorbereitung. Stürme verhinderten zuletzt Trainings in Crans Montana oder Laax. Für die Athleten hiess das: Sprünge per Videostudium verinnerlichen, Krafttraining, mentale Vorbereitung.

Zwei Disziplinen waren in Sotschi des Guten zuviel

Dem Mentalen gibt Scherrer viel Gewicht – und fühlt sich diesbezüglich besser vorbereitet als noch vor Olympia 2014. «Damals wollte ich zu viel.» Er startete auch im Slopestyle. Am Ende war er, mit Qualifikationen und Trainings, in Sotschi neun Tage in Folge im Schnee und stets unter Erfolgsdruck – es war zuviel. Mit dem Resultat, dass er sich vor seinem Auftritt in der Halfpipe die Bänder im Knie zerrte und auf Platz 18 landete. Solches will er diesmal vermeiden. Er strebt den Halfpipe-Final an.

Oder gar noch mehr? Dass er sich zur Weltspitze zählt, ist zu spüren. An einem guten Tag sei bei ihm die Skala «nach oben offen». Einen Olympiafavoriten macht er dennoch aus: den Japaner Ayumu Hirano, dessen Position auf dem Brett fast unnachahmlich sei. In solchen Momenten kommt Scherrer ins Schwärmen. Wie auch, wenn er von eigenen Erfolgen, von neu gelernten Sprüngen erzählt, dem «Backside Double Cork 1260» zum Beispiel, an dem er fast drei Jahre gearbeitet habe. Dreieinhalb Drehungen um die eigene Achse plus Doppelsalto – vorstellen kann sich’s der Laie kaum. An den Olympischen Spielen wird man es vom Toggenburger aber hoffentlich zu sehen bekommen. Wenn er vielleicht vollends hineinspringt ins Rampenlicht – das er doch eigentlich gar nicht um jeden Preis sucht.

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