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Harte Kritik an Gündogan und Özil nach Treffen mit Erdogan

Die deutschen Fussball-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil ernten Kritik für ihren Auftritt an der Seite des türkischen Präsidenten Erdogan. Laut einer Umfragen will eine Mehrheit die Spieler aus der Nationalmannschaft ausschliessen.
Christoph Reichmuth, Berlin
Die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan (Manchester City, links) und Mesut Özil (Arsenal, 2. von links) posieren mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (2. von rechts). Rechts im Bild: Everton-Profi Cenk Tosun.(Bild: Keystone/presidental press service (London, 13. Mai 2018))

Die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan (Manchester City, links) und Mesut Özil (Arsenal, 2. von links) posieren mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (2. von rechts). Rechts im Bild: Everton-Profi Cenk Tosun.
(Bild: Keystone/presidental press service (London, 13. Mai 2018))

Just zum Zeitpunkt, an dem Bundestrainer Jogi Löw den provisorischen Kader für die Fussball Weltmeisterschaften in Russland bekannt gegeben hat, sorgten die beiden Premier-League-Spieler Ilkay Gündogan von Manchester City und Mesut Özil von Arsenal London für erheblich Wirbel. Die beiden Mittelfeld-Stars trafen sich am Sonntag im Londoner Edelhotel «Four Seasons» mit dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan. Beide schenkten dem umstrittenen türkischen Präsidenten ein Trikot ihres Vereins, der 27-jährige Gündogan signierte sein Trikot mit den Worten: «Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll.»

Das Treffen der beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln schlägt in Deutschland hohe Wellen. Das deutsch-türkische Verhältnis ist seit Jahren höchst angespannt, die Türkei setzte missliebige Journalisten auch deutscher Staatsbürgerschaft unter dem Vorwand angeblicher Terrorunterstützung Monatelang in Haft. In der Türkei selbst etabliert der 64 Jahre alte AKP-Politiker zunehmend ein autokratisches System, Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. Erdogan hat für Juni Präsidentschafts- und Parlamentswahlen angekündigt. Das Zusammentreffen mit den beiden prominenten Fussballprofis ist für Erdogan eine willkommene Wahlkampfhilfe. Kaum hatte das Treffen in London stattgefunden, verbreitete die Erdogan-Partei AKP die Fotos im Netz.

Emre Can erteilte Erdogan eine Absage

Während der 29 Jahre alte Arsenal-Profi Özil auf die Kritik mit Schweigen reagierte, versuchte Gündogan, die Aktion zu rechtfertigen. Sie seien von Erdogan zu dem Treffen eingeladen worden.« Sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familie unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden», schrieb der im Ruhrgebiet geborene Fussballprofi in einer Erklärung. «Fussball ist unser Leben und nicht die Politik.» Dass sich die beiden absichtlich vor den Karren des autokratischen Machthabers Erdogan haben spannen lassen, ist unwahrscheinlich. Viel eher gerieten die beiden Nationalspieler aus Naivität in die für sie ungemütliche Situation. Dass Erdogans Einladung durchaus auch hätte ausgeschlagen werden können, bewies der ebenfalls türkischstämmige deutsche Fussballer Emre Can vom FC Liverpool, der ebenfalls zu dem Treffen gebeten worden war, Erdogan indes eine Absage erteilte.

Wie dem auch sei: Gündogans Beteuerungen zum Trotz war die Kritik am Dienstag heftig. «Der Fussball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden», liess der Präsident des Deutschen Fussballbundes (DFB), Reinhard Grindel, verlauten. Es sei nicht gut, dass sich die Auswahlspieler für Wahlkampfmanöver Erdogans missbrauchen liessen. Der Grüne baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann meinte:« Das können sie nur durch viele Tore bei der Weltmeisterschaft egalisieren.» Sein Parteikollege Cem Özdemir – selbst mit türkischen Wurzeln – bemerkte spitz:« Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heisst Frank-Walter Steinmeier.»

Sympathien erheblich gesunken

Bundestrainer Jogi Löw setzte die beiden begnadeten Mittelfeldspieler gestern trotz der heftigen öffentlichen Schelte auf die Liste des vorläufigen WM-Kaders (siehe Kasten). «Wir haben von Seiten des Verbandes klar gemacht, dass es keine glückliche Aktion war. Aber beide haben für die Integration in Deutschland sehr viel getan. Der Vorfall wird ihnen eine Lehre sein», sagte der Bundestrainer. Indes: Die Sympathien für die beiden Premier-League-Leistungsträger sind zumindest bei einem Teil der Bevölkerung erheblich gesunken. 80 Prozent von 75'000 Menschen, die sich an einer Umfrage von «Focus-Online» beteiligten, gaben an, dass Özil und Gündogan fortan «eher nicht mehr» oder «sicher nicht mehr» das Trikot der deutschen Fussballnationalmannschaft überstreifen sollten.

Deutschland ohne Götze, aber mit Neuer

Der zuletzt lange verletzte Bayern-Goalie Manuel Neuer steht im vorläufigen Aufgebot des DFB für die WM-Endrunde in Russland. Nicht im 27-Mann-Kader des Weltmeisters steht Mario Götze, der Siegtorschütze im WM-Final von Rio de Janeiro.

Bundestrainer Joachim Löw hat mit seinem 27 Spieler umfassenden Aufgebot für einige Überraschungen gesorgt. Nicht für den Titelverteidiger in Russland dabei sein wird Dortmunds Mittelfeldspieler Mario Götze. «In dieser Saison war er wahrlich nicht in der Form», so Löws Urteil. Der WM-Held der Deutschen von Brasilien 2014 steht ebenso wenig im Kader wie Bayerns Stürmer Sandro Wagner.

Pedersen, der Neuling

Zudem benannte Löw im deutschen Fussballmuseum in Dortmund auch den lange verletzten Kapitän Manuel Neuer als einen von vorerst vier Torhütern. Löw muss bis zum 4. Juni das Kader noch auf die Turniergrösse von 23 Profis reduzieren und dann auch einen Goalie streichen. «Ohne Spielpraxis in ein WM-Turnier zu gehen, ist nicht möglich», sagte Löw über Neuer, der seit Oktober 2016 nicht mehr für Deutschland gespielt hat.Weiter Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme machen darf sich Nils Petersen. Der Freiburger Angreifer steht als Länderspielneuling im Aufgebot für das Turnier vom 14. Juni bis 15. Juli. Unerwartet war auch die Rückkehr von Leverkusens Verteidiger Jonathan Tah in das Aufgebot. (sda)

Das deutsche Kader

Tor: Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen, 6 Länderspiele), Manuel Neuer (Bayern München, 74), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 19), Kevin Trapp(Paris Saint-Germain, 3).

Verteidigung: Jérôme Boateng (Bayern München, 70 Länderspiele, 1 Tor), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach, 17, 0), Jonas Hector (1. FC Köln, 36, 3), Mats Hummels (Bayern München, 63, 5), Joshua Kimmich (Bayern München, 27, 3), Marvin Plattenhardt (Hertha BSC, 6, 0), Antonio Rüdiger (FC Chelsea, 23, 1), Niklas Süle (Bayern München, 9, 0), Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen, 3, 0).

Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen, 14, 1), Julian Draxler (Paris Saint-Germain, 42, 6), Mario Gomez (VfB Stuttgart, 73, 31), Leon Goretzka (FC Schalke 04, 14, 6), İlkay Gündogan (Manchester City, 24, 4), Sami Khedira (Juventus Turin, 73, 7), Toni Kroos (Real Madrid, 82, 12), Thomas Müller (Bayern München, 90, 38), Mesut Özil (FC Arsenal, 89, 22), Nils Petersen (SC Freiburg, 0, 0), Marco Reus (Borussia Dortmund, 29, 9), Sebastian Rudy (Bayern München, 24, 1), Leroy Sané (Manchester City, 11, 0), Timo Werner (RB Leipzig, 12, 7).

In Internetforen und manchen Zeitungen wurde auch eine allgemeinere Debatte um die seit Beginn des 21. Jahrhunderts steigende Zahl von deutschen Nationalspielern mit Migrationshintergrund angeschoben. Manche deutschen Fussballfans tun sich schwer mit dem Umstand, dass einige DFB-Auswahlspieler mit Migrationshintergrund vor Länderspielen darauf verzichten, die Nationalhymne mitzusingen. Die Diskussion hat durchaus Ähnlichkeiten mit Debatten, wie sie immer wieder rund um die Schweizer Fussballnationalmannschaft mit ihren Spielern wie Xhaka, Shaqiri, Behrami oder Zakaria aufkeimen.

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