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Interview

Nati-Stürmer Haris Seferovic: «Mich interessiert nicht, was andere sagen»

Haris Seferovic (26) polarisiert wie kein anderer Nationalspieler. Das ist ihm aber egal. Der Stürmer äussert sich im Interview zu seiner Person, zum Aufwärtstrend bei Benfica und zum entscheidenden Spiel am Sonntag gegen Belgien in Luzern.
Raphael Gutzwiller
Haris Seferovic fordert heute gegen Belgien eine Leistung wie im Hinspiel. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Brüssel, 11. Oktober 2018).)

Haris Seferovic fordert heute gegen Belgien eine Leistung wie im Hinspiel. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Brüssel, 11. Oktober 2018).)

Haris Seferovic, Ihnen läuft es plötzlich bei Benfica wieder. Wie gross ist Ihre Genugtuung darüber?

Ich glaube, dass harte Arbeit immer belohnt wird. Ich freue mich, dass es gut läuft, und hoffe, dass es so weitergeht.

Sie waren in den letzten acht Jahren bei neun Vereinen. Nun sind Sie bei Benfica geblieben, obwohl Sie phasenweise fast gar nicht gespielt haben. Sind Sie auch geblieben, um zu zeigen, dass Sie sich bei einem Verein durchsetzen können?

Ja, warum nicht? Benfica ist ein super Verein, wir spielen immer um den Titel und immer in der Champions League. Ich wusste, dass ich mich durchsetzen kann, deshalb bin ich geblieben.

Also hatten Sie nie Zweifel, obwohl nicht mehr auf Sie gesetzt wurde?

Mir ist egal, was andere sagen. Einige fanden, ich solle wechseln, weil ich nicht immer gespielt habe. Darauf habe ich aber nicht gehört. Und jetzt bekomme ich meine Minuten und mache meine Tore.

Aufgeben war also kein Thema.

Manchmal läuft es im Fussball, manchmal nicht. Bei mir war das immer wieder so. Bei einem Verein aufgeben, ist für mich kein Thema – ausser, wenn ich überhaupt keine Chance sehen würde. Aber ich wusste, dass ich mich bei Benfica durchsetzen kann. Ich bin zufrieden mit dem Verein, mit dem Leben in Lissabon. Und schliesslich hatte ich auch ein bisschen das Glück, als sich ein Spieler auf meiner Position verletzt hat und ich die Chance sogleich genutzt habe.

Ihr Bild in der Öffentlichkeit ist negativ, Sie gelten als arrogant. Wie sehr stört Sie dies?

Wenn Leute so über mich denken wollen, dürfen sie das. Mich interessiert es nicht, was andere über mich sagen. Die, die mich kennen, wissen, wie ich bin.

Und wie sind Sie wirklich?

Ich bin offen, rede gerne und freunde mich rasch mit Menschen an. Mit mir kann man Spass haben.

Sie werden komplett anders wahrgenommen.

Das bekomme ich schon mit. Ich weiss selber nicht genau, warum das so ist. Vielleicht wegen meines ernsten Gesichtsausdrucks, vielleicht wegen früherer Schlagzeilen. Aber, wie gesagt: Das ist mir egal. Früher habe ich zu viel auf die Meinung anderer gehört.

Wie meinen Sie das?

Als Fussballer hört man immer viel. Und in jungen Jahren kann einem das auch mal irritieren. Aber ich habe gelernt, nicht mehr darauf zu hören, sondern einfach weiter an mich selber zu glauben.

Die Kritik nehmen Sie also nicht mehr persönlich?

Heute ist jeder zweite Experte im Fussball. Da gibt es verschiedene Meinungen. Am Schluss muss man sich selber analysieren und bei sich Verbesserungspotenzial suchen. Ich weiss am besten, was ich besser machen muss.

Wo müssen Sie sich verbessern?

Ich muss noch kaltschnäuziger sein, vielleicht auch mutiger. Ich könnte häufiger aus der Distanz schiessen. Zudem möchte ich mein Kopfball-Spiel verbessern.

Am Mittwoch gab es wieder Pfiffe, diesmal nach dem 0:1 gegen Katar gegen das ganze Team. Vor einem Jahr waren die Pfiffe nur gegen Sie gerichtet. Haben Sie das verarbeitet?

Ja, klar. Die Pfiffe haben mich damals getroffen, aber heute sind sie vergessen.

Es sind ja schon Nationalspieler deswegen zurückgetreten. So weit haben Sie nie gedacht?

Alex Frei und Marco Streller waren damals älter, als ich es bin. Wäre ich schon 30, hätte ich mir das vielleicht überlegt. Auf der anderen Seite: Hätte ich aufgehört, wäre es nur eine Bestätigung für diejenigen gewesen, die gepfiffen haben.

Aber es schmerzt trotzdem.

Ja, klar. Ich bin kein Ronaldo oder Messi, das weiss ich selber auch. Ich brauche mal zwei oder drei Chancen, bis ich das Tor mache. Manchmal geht es auch mit einer Chance. Im Fussball ist es so: Wenn es läuft, dann läuft es, wenn nicht, dann ist es schwieriger.

Sie sind ein klassischer Mittelstürmer, gegen Island haben Sie aber auf dem Flügel gespielt. Ist dies eine neue, mögliche Position für Sie?

Wenn ich muss, dann mache ich es. Aber ich habe das erste Mal auf dem Flügel gespielt, und es war sehr anstrengend. Es ist sicher nicht meine erste Position.

Trotz aller Kritik gibt es in der Schweiz keinen besseren Mittel­stürmer als Sie. Freut Sie das?

Ich denke, wir haben genug andere gute Stürmer. Breel Embolo ist zwar leider wieder verletzt, aber auch Mario Gavranovic und Albian Ajeti können an meiner Stelle spielen. Es geht aber nicht um mich, es geht um den Erfolg als Team.

Besser sind die beiden aber nicht.

Jeder hat seine Qualitäten. Mario ist zum Beispiel besser im gegnerischen Strafraum, er ist ein bisschen feinfühliger als ich. Ich laufe und rackere dafür vielleicht mehr. Bei einem anderen Trainer würde vielleicht ein anderer spielen.

Am Sonntag geht es gegen Belgien. Die Ausgangslage ist komplett anders als am Mittwoch gegen Katar.

Ja, die beiden Partien sind nicht vergleichbar. Wir müssen spielen wie in Belgien, dann ist etwas möglich. Dort haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, haben uns aber leider nicht belohnt.

Grosse Motivationsreden braucht es gegen den WM-Dritten nicht, oder?

Nein, sicher nicht. Wir wissen alle, worum es gegen Belgien geht.

Um den Nations-League-Gruppensieg. Was würde dieser bedeuten?

Ich habe mich nicht gross damit beschäftigt. Für uns würde es vor allem bedeuten, dass wir unser Ziel erreicht haben. Deshalb wollen wir gegen Belgien gewinnen.

Welche Bedeutung hat es für Sie, dass dieses entscheidende Spiel in Luzern stattfindet?

Ich habe gute Erinnerungen an Luzern, die Stadt, den FC Luzern, auch wenn ich früh zu den Grasshoppers wechselte.

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