HANDSPIEL: «Der Unparteiische hat richtig entschieden»

Kasim Nuhu von den Young Boys hat gegen St. Gallen ein Tor erzielt, nachdem der Ball ihm zuvor an den Arm gesprungen war. Der Treffer zählte. War die Entscheidung richtig? Und kommt bald der Videobeweis?

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«Als Schiedsrichter kannst du pfeifen, wenn du willst», sagte Kasim Adams Nuhu im SRF-Interview über die umstrittene Szene, die den FC St. Gallen am vergangenen Sonntag um den Sieg brachte. Nach einer Eckballflanke von Miralem Sülejmani springt der Ball im Getümmel an Nuhus Arm und von dort direkt vor seinen Fuss. Der 22-jährige Verteidiger braucht das Leder nur noch in die Maschen zu hauen. Endstand: 2:2. Einige Medien sehen die Angelegenheit um das vermeintliche Handspiel klarer als der Torschütze: «Handstor bringt Espen um den Sieg», titelt der «Blick». «Nuhus Ausgleich fällt nach einem ungeahndeten Handsvergehen», schreibt die NZZ.

Bewegung der Hand ist entscheidend

Der wichtigste Passus zum Handspiel im Regelwerk des Inter­national Football Association Boards (IFAB) lautet: «Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt.» Zu berücksichtigen sei dabei die Bewegung der Hand zum Ball, die Frage, ob der Ball unerwartet komme, und die Position der Hand an sich. «Bei der Situation im Kybunpark kann ich keine Absicht des Torschützen erkennen», sagt Cyril Zimmermann, Bereichschef Spitzenschiedsrichter bei der Schiedsrichterkommission des Schweizer Fussballverbandes (SFV). Auch fände keine Bewegung des Arms hin zum Ball statt. Die Haltung des Arms sei natürlich. «Der Unparteiische hat also völlig richtig entschieden.» Handspiel oder nicht? Das sei oft Auslegungssache, sagt Zimmermann. Daran würde auch ein Videobeweis, wie er in der Bundesliga und anderen Ligen erprobt wird, nichts ändern, ist der ehemalige Super-League-Schiedsrichter überzeugt. «Grundsätzlich aber würde damit die Schiedsrichterarbeit einfacher.»

Denn: Heikle Entscheide könnten ausgelagert und mehrfach beurteilt werden. «Ich bin überzeugt, dass der Videobe-weis in ein paar Jahren auch bei uns eingeführt wird.» Eine solche Prognose will Philippe Guggisberg, Medienverantwortlicher der Swiss Football League, nicht wagen: «Wir beobachten der- zeit die Situation in Deutsch-land, Italien und anderen ­Ländern», sagt er. Man sei überall noch in der Testphase. «Solange das International Football Association Board nicht den Richtentscheid fällt, den Videobeweis einzuführen, werden wir abwarten.» Dieser Entscheid werde im Jahr 2018 erwartet.

Adrian Lemmenmeier