Ungekrönte Aufholjagd: St.Otmar verliert das Heimspiel gegen den BSV Bern in letzter Sekunde mit 31:32

Die St.Galler NLA-Handballer verlieren das Heimspiel gegen den BSV Bern in letzter Sekunde mit 31:32. Den Gästen aus Bern gelang nahezu alles.

Ives Bruggmann
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Sinnbildlich für die Partie: St.Otmar wehrt sich tapfer, muss aber schliesslich unten durch.

Sinnbildlich für die Partie: St.Otmar wehrt sich tapfer, muss aber schliesslich unten durch.

(Bild: Michel Canonica)

Der Sieg war für St.Otmar zum Greifen nah: 14 Sekunden vor Spielende trat Rares Jurca beim Stand von 31:31 zum Penalty an. Doch der 36-jährige Rumäne scheiterte an Berns Goalie Edin Tatar. So war nicht Jurca der gefeierte Mann, sondern Pedro Spinola, der für die Gäste mit der Schlusssirene den Siegtreffer erzielte. Die 830 Zuschauer in der Kreuzbleiche, die zuvor St.Otmars Handballer lautstark unterstützten, verstummten.

Auch wenn das Ende sicherlich etwas glücklich verlief, so ist der Sieg Berns keineswegs gestohlen. Vor allem in der ersten Halbzeit gelang den Gästen nahezu alles. In der Defensive standen sie ausgezeichnet und kamen deshalb zu zahlreichen Ballgewinnen. Der grosse Nutzniesser war Topskorer Simon Getzmann, der sämtliche fünf Tempogegenstösse verwertete. Zwischenzeitlich führte Bern mit sieben Toren Unterschied. Einzig der St.Galler Goalie Jonas Kindler hielt mit sieben Paraden das Heimteam im Spiel. Vor der Pause betrieben Bo Spellerberg und Jurca Schadensbegrenzung, indem sie den Abstand noch um zwei Tore zum 13:18 verringerten.

Hönings Strafe als Weckruf

Auch in der zweiten Halbzeit liess die Aufholjagd auf sich warten. Im Gegenteil. In der 42. Minute erzielte Matthias Gerlich mit einem seiner zahlreichen Distanzwürfe das Tor zum scheinbar vorentscheidenden 26:18 für Bern. Der folgende 4:0-Zwischensprint St.Otmars wurde von einem zumindest zweifelhaften Entscheid der Schiedsrichter jäh gestoppt. Max Höning musste wegen einer doppelten Zeitstrafe vier Minuten aussetzen. Doch die umstrittene Strafe schien St.Otmar aufzuwecken und auch das Publikum peitschte nun die St.Galler lautstark an. Als St.Otmar die Berner Überzahl überstanden hatte, verkürzte das Heimteam den Abstand Tor um Tor. Auch der eingewechselte Goalie Aurel Bringolf leistete mit fünf Paraden in dieser Phase einen entscheidenden Beitrag. So kam es, dass St.Otmar in der 57. Minute die Chance auf den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich erhielt.

Mit einem Kullerball erzielte Spellerberg tatsächlich das 30:30. Als der starke Flügel Jan Gwerder kurze Zeit später die allererste St.Galler Führung erzielte, schien die Partie gar auf die Seite der Heimmannschaft zu kippen. Doch es kam bekanntlich anders. St.Otmars Topskorer Andrija Pendic, der für einmal ohne Torerfolg blieb, fand nach der Niederlage deutliche Worte.

«Wir waren zu inkonstant. Das sollte uns nicht passieren.»

Eigentlich hätten sie nur 15 Minuten das gespielt, was sie könnten, so Pendic. Das hätte schon beinahe zum Sieg gereicht. Vor allem die erste Halbzeit sei nicht gut gewesen. «Da haben wir zu viele einfache Fehler gemacht.» Einzig die Zuschauer in der Kreuzbleiche lobte Pendic ausdrücklich. «Das war eine Bombenstimmung. Am Publikum hat es sicher nicht gelegen.»

Achillessehnenriss und Fussbuch getrotzt

Auf der anderen Seite war Topskorer Getzmann «stolz auf die Mannschaft». Sogar er selbst habe geglaubt, dass St.Otmar dieses Spiel gewinne, nachdem eine solche Aufholjagd gelungen war. «Wir haben nach der deutlichen Führung gedacht, dass wir das nach Hause schaukeln», sagte der Berner. Die erste Halbzeit sei jedoch nahe an der Perfektion gewesen.

Dass ausgerechnet Spinola den entscheidenden Treffer markierte, rundete den Abend für die Gäste ab. Denn nach einem Achillessehnenriss und einem Mittelfussbruch schien die Karriere des 36-jährigen Portugiesen zu Ende zu sein.