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HANDBALL: Schweizer siegen souverän über Estland

Beim 39:21-Sieg über Estland liefern die Schweizer Handballer eine erstaunliche, fast perfekte Leistung ab. Dadurch rückt die Teilnahme am WM-Playoff in greifbare Nähe.
Jörg Greb, Winterthur
Die Schweizer Nationalmannschaft stösst die Tür zur Teilnahme am WM-Playoff nach dem Sieg gegen Estland weit auf. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Winterthur, 7. Januar 2018))

Die Schweizer Nationalmannschaft stösst die Tür zur Teilnahme am WM-Playoff nach dem Sieg gegen Estland weit auf. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Winterthur, 7. Januar 2018))

Jörg Greb, Winterthur

Das Resultat drückt es aus: Die Schweizer Handballer riefen im Rückspiel gegen Estland eine Leistung an ihrem obersten Niveau ab. Und zwar in einer Breite, wie sie kaum zu erwarten gewesen war. Erinnert sei an das Hinspiel in Tallinn am vergangenen Mittwoch. Da gewann die junge Mannschaft zwar 26:22, hätte sie aber nicht auf die 17 Glanzparaden von Torhüter Nikola Portner bauen können, wäre ein weit engerer Ausgang sicher gewesen.

Diesmal, vor der begeisterten Heimkulisse und gut 2000 Zuschauern in Winterthur, fiel rasch eine Vorentscheidung. 5:1 zogen die Schweizer in gut fünf Minuten davon. Die Rückraumspieler trafen, die aggressive Deckung mit dem Innenblock Samuel Röthlisberger und Lucas Meister machte die Räume eng, und Torhüter Portner hielt nicht gleich mehrere Siebenmeter. Die Esten nahmen früh die Auszeit, genützt hat es aber wenig: Das Schweizer Defensivkonzept bestach weiter. Und es kam die eindrückliche Serie des rechten Flügelspielers Maximilian Gerbl. Der 21-Jährige traf in 30 Minuten aus sieben Versuchen siebenmal. Nach der Partie wurde er zum besten Spieler ausgezeichnet. Trainer Michael Suter: «Gerbl ist jung, ehrgeizig, cool und zeichnet sich durch einen enormen Willen aus.»

Last verteilt sich auf mehrere Schultern

Nach 38 Minuten hatte Gerbl das Tageswerk beendet – wie fast die gesamte Anfangsformation, inklusive Torhüter Portner. Doch an Fluss büsste das Schweizer Spiel kaum ein. Ebenso blieb die Defensive das Prunkstück. Aus dem 24:12 zu jenem Zeitpunkt wurde ein 39:21. «Wir konnten den Spielfluss der ersten Hälfte mitnehmen und auf mehrere Schultern übertragen», so Suter. Ist diese Galavorstellung ein realistisches Spiegelbild der jungen Schweizer Equipe? Dies war eine viel gestellte Frage nach der Partie. Suter: «Wenn es so läuft, nimmt man das gerne.» Eingestellt gewesen war das Team auf deutlich mehr Gegenwehr. «Wir nahmen uns vor, mehr Härte einzubringen und den Erfolg über den Kampf zu suchen.»

Die Parforceleistung nimmt Suter gerne. «Dieser Sieg und dieses Resultat ist der Lohn für die harte Arbeit der zehn Vorbereitungstage.» Und noch etwas betonte der Baumeister der neuen Handballbegeisterung: «Ein solches Resultat hängt zu 70 Prozent von der eigenen Stärke und zu 30 Prozent von der Blockiertheit des Gegners ab.» Perfekt hätten seine Spieler die Vorgaben umgesetzt. Dadurch haben sich die Schweizer eine vorzügliche Ausgangslage geschaffen. Bereits am Mittwoch können sie sich qualifizieren für das entscheidende WM-Playoff. In der Kreuzbleiche-Halle von St. Gallen reicht ein Sieg und wohl auch ein Remis bereits vor dem abschliessenden Auswärtsspiel gegen Bosnien-Herzegowina zur Qualifikation.

Schritte in die richtige Richtung

Suter warnt aber vor dem Spiel: «Dies wird ein Topgegner, wir müssen den Schalter nun sofort umlegen und uns auf einen harten Kampf einstellen.» Die Euphorie, welche sich gestern entwickelt hat, versucht er zu bremsen. «Geniessen ja, aber nicht überbewerten» – das will Suter seinen Akteuren signalisieren. Was er aber auch betont: die langfristige Entwicklung. «Wir befinden uns in einem Prozess. In diesem ist uns ein weiterer wichtiger Schritt gelungen.»

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