Handball im Backofen

Die NLA-Saison beginnt in diesem Jahr bei sommerlichen Temperaturen. Das merkt man dem Heimspiel von St. Otmar gegen Wacker Thun an. Die hitzig geführte Partie endet 26:26.

Christof Krapf
Drucken
Teilen

HANDBALL. Handball ist eigentlich eine Sportart für die kühlere Jahreszeit. Für dann, wenn die Tage kürzer werden und es in der Sporthalle angenehmer ist als im Stadion. Weil der Supercup der Handballer erst nächstes Wochenende – zusammen mit Unihockey, Volleyball und Basketball – ausgetragen wird, begann die NLA-Saison dieses Jahr gefühlt im Hochsommer.

Nur 600 Zuschauer widerstanden gestern den Verlockungen eines Grillabends oder eines späten Badibesuchs, um sich St. Otmars Heimspiel gegen Wacker Thun anzusehen. In der Kreuzbleiche wähnte man sich in einem Backofen – für einmal schwitzte auch das Publikum. Als wäre die Hitze in der Halle nicht genug, erreichte die Stimmung auf dem Feld früh den Siedepunkt. Nach elf Minuten war der Saisonauftakt für St. Otmars Regisseur Jakub Szymanski beendet. Er hatte Thuns Nicolas Raemy im Gesicht getroffen – unabsichtlich. Die Schiedsrichter trafen trotzdem eine überharte Entscheidung und befeuerten die Emotionen zusätzlich.

Geissers starkes Début

Die Hitze drückte dem Auftaktspiel ihren Stempel auf. Schweissnasse Hände führten zu technischen Fehlern und Fehlschüssen. Dass der St. Galler Flügel Jost Brücker einen freien Abschluss so deutlich wie in der achten Minute über das Tor setzt, sieht man bei normalen Temperaturen nie. Weil jedesmal, wenn ein Spieler hinfiel, der Schweiss aufgewischt wurde, dauerte die Partie am Ende fast zwei Stunden. Die Mannschaften lieferten sich ansonsten eine typische Auftaktpartie. Man spürte, dass die Abläufe noch nicht sassen. Kein Team schaffte es auch deshalb, auf mehr als zwei Tore davonzuziehen. Wacker Thun lebte in der Offensive von Lukas von Deschwanden – er erzielte zehn Treffer. Bei St. Otmar feierte Benjamin Geisser ein starkes Début. Der Kreisläufer erzielte sieben Treffer aus acht Versuchen, schaffte mit seinen Sperren Raum für die Mitspieler und liess wiederholt sein technisches Können aufblitzen.

Die Stimmung blieb nach Szymanskis Ausschluss hitzig: Nachdem Thuns Jonas Dähler in der 14. Minute St. Otmars Marcel Engels im Gegenstoss zurückgerissen hatten, kam es zur ersten Rudelbildung. Und acht Minuten vor Schluss verhinderten die Unparteiischen mit Müh und Not eine Rangelei. Dass die Emotionen nahe daran waren, über- zukochen, verdeutlichen auch die insgesamt zwölf Zeitstrafen.

Martin Galia hält Punkt fest

Seine liebe Mühe mit den hohen Temperaturen hatte zunächst auch St. Otmars Goalie Martin Galia. Der beste NLA-Torhüter der vergangenen Saison wurde nach 21 Minuten ausgewechselt – ohne einen Thuner Schuss pariert zu haben. Erst vier Minuten vor Schluss wurde der Tscheche wieder eingewechselt – und war sofort präsent. In den letzten 15 Sekunden bekam Thun beim Stand von 26:26 zwei Penalties zugesprochen: Galia parierte beide, hielt den St. Galler Punkt fest und avancierte zum Mann des Spiels. Trotzdem wird auch er froh sein, dass auf kommenden Mittwoch, wenn St. Otmar auswärts auf Fortitudo Gossau trifft, kühlere Temperaturen angesagt sind.