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HANDBALL: Handballerin Rebecca Kündig: «Ich plane nichts»

Rebecca Kündig hat den Leistungssport nie gesucht. Dennoch spielt die 22-jährige Zürcherin seit einem Jahr für das NLA-Spitzenteam LC Brühl – an der Seite ihrer grossen Schwester.
Raya Badraun
Rebecca Kündig ist keine, die Geschichten erzählt. Sie hört lieber zu. (Bild: Benjamin Manser)

Rebecca Kündig ist keine, die Geschichten erzählt. Sie hört lieber zu. (Bild: Benjamin Manser)

Raya Badraun

Rebecca Kündig hört immer wieder die gleiche Frage: Wie ist es, im Schatten der grossen Schwester zu stehen? Beim LC Brühl, wo beide im NLA-Team spielen, ist Kerstin Anführerin und Spielemacherin. Doch für Rebecca ist der Vergleich mit ihr kein Thema. Sie zuckt nur mit den Schultern. «Ich bin einer ihrer grössten Fans und stolz darauf, was sie alles erreicht hat», sagt sie an diesem Nachmittag in Winterthur. Die 22-Jährige sitzt in einem Restaurant am Bahnhof, vor sich eine Ovomaltine. Sie nimmt einen Schluck und sagt: «Es ist nicht mein Ziel, eine Spielerin wie Kerstin zu werden.» Dafür sind die beiden Schwestern zu unterschiedlich – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt. Beide haben die gleichen Stationen hinter sich und sind nun beim Rekordmeister LC Brühl engagiert, Rebecca als rechter Flügel, Kerstin als Rückraumspielerin. Auch studieren sie zusammen im dritten Jahr an der ETH Zürich. Gesundheitswissenschaften und Technologie heisst ihre Fachrichtung. Verlässt man jedoch die Oberfläche, hören die Gemeinsamkeiten auf.

Die 24-jährige Kerstin Kündig wird im Frühling für ein Austauschsemester nach Australien gehen. Das könnte sich Rebecca nicht vorstellen. «Mir ist es wichtig, Freunde und Familie um mich zu haben», sagt sie. Und auch die Sportkarriere ist sie ganz anders angegangen. «Meine Schwester ist strukturierter. Sie weiss genau, was sie will. Ich hingegen plane nichts und lasse es lieber auf mich zukommen», sagt die Linkshänderin.

«So eine Chance bekommt man nur einmal»

Den Leistungssport hat Rebecca Kündig nie gesucht. Erst im Gymnasium hat sie, die davor in der Mädchenriege war, Rhythmische Gymnastik und Kunstrad gemacht hat, mit Handball begonnen. Sie machte Schritt für Schritt ohne gross über Ziele nachzudenken. Nach der U19 wurde sie bei Uster für das NLA-Team aufgeboten. Später erhielt sie die Anfrage von Yellow Winterthur. «Da packte mich natürlich schon der Ehrgeiz, weil ich unbedingt spielen wollte», sagt Rebecca Kündig. Vor etwas mehr als einem Jahr erfuhr sie schliesslich von ihrer Schwester Kerstin, dass der LC Brühl sich bei ihr melden wird. «Das war eine riesige Ehre», sagt die Zürcherin. Sie fragte sich jedoch auch, ob sie das alles meistern kann. Da war nicht nur das Studium, sondern auch die lange Anfahrt. Damals wohnte sie noch in Wetzikon. Für einen Weg brauchte sie da weit mehr als eine Stunde. Zudem wusste sie, dass die Einheiten strenger und länger sein werden als noch bei Yellow Winterthur. Sie nahm sich eine Woche Bedenkzeit und absolvierte ein Probetraining in St.Gallen. «Ich wurde sofort im Team aufgenommen», sagt ­Rebecca Kündig, die heute in Winterthur wohnt. «Es war fast so, als wäre ich schon ewig dabei.» Der soziale Aspekt, der Austausch mit den Spielerinnen, ist ihr wichtig. Nie könnte sie Einzelsportlerin sein. Am Ende nahm sie das Angebot an. «So eine Chance bekommt man schliesslich nur einmal», sagt sie.

Der Wechsel war eine Umstellung. Bei Winterthur ging es meist darum, die stärkeren Gegner zu ärgern. Nun trat sie mit Brühl in der Favoritenrolle an. «Das war am Anfang speziell.» Inzwischen hat sie sich daran gewöhnt. Diesen Frühling wurde die Equipe zusammen mit Kündig Schweizer Meister und Cupsieger. «Das war wunderschön und ein Zückerchen für das ganze Team nach der geleisteten Arbeit», sagt sie.

Selbstbewusster werden

Auf Pokale und Titel war Kündig jedoch nie aus. Viel wichtiger ist ihr, dass sie sich Jahr für Jahr verbessert und ein sicherer Wert für das Team wird. Denn beim LC Brühl will sie noch lange bleiben. «Ich muss jedoch noch selbstbewusster werden», sagt sie. Die junge Spielerin ist offen, kommunikativ. Doch sie ist keine, die Freundinnen mit langen Geschichten unterhält. Sie hört lieber zu. «Das ist nicht negativ», sagt sie. Im Team will sie jedoch präsenter werden und auf dem Feld auch einmal etwas ausprobieren. Sicherheit brauche sie dafür, sagt Kündig. «Und ich muss lernen, dass ich es kann.» Nur so wird sie die Würfe nicht nur im Training zeigen können, sondern auch im Spiel herausstechen – so wie ihre Schwester.

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