GUTE MISCHUNG: Zuger Kirsch in der WM-Torte

Im bisher besten Spiel gewinnt die Schweizer Nationalmannschaft gegen Tschechien 3:1 und trifft im Viertelfinal auf Schweden. Entscheidende Rollen nehmen Akteure ein, die zuletzt nicht auf Touren kamen.

Klaus Zaugg, Paris
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Gaëtan Haas, Rafael Diaz, Vincent Praplan und Reto Suri (von links) bejubeln Praplans Treffer zum 1:0 für die Schweiz. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Gaëtan Haas, Rafael Diaz, Vincent Praplan und Reto Suri (von links) bejubeln Praplans Treffer zum 1:0 für die Schweiz. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Klaus Zaugg, Paris

Was fehlte der Schweiz bisher zum perfekten Spiel? Zum Thurgauer Apfelwein (mit Fabrice Herzog) eine Prise Zuger Kirsch. Erst sassen die Zuger Dominik Schlumpf und Reto Suri auf der Tribüne, später auch für eine Partie der Ex-Zuger Damien Brunner. Und Rafael Diaz hatte vor der letzten Vorrundenpartie als einziger eine Minusbilanz (–1).

Und nun, mit Zuger Kirsch in der WM-Torte, das beste, das perfekte Spiel. Diaz so gut wie noch nie in Paris und an der blauen Linie der Architekt des ersten Treffers. Der brave Schlumpf in seiner ersten WM-Partie ein verlässlicher defensiver Schwerarbeiter mit mehr Eiszeit (20:17 Minuten) als Captain Diaz (17:40). Vorne erzielen Suri und Brunner die Treffer zum 2:1 und 3:1. Vier, die entweder am Anfang überzählig waren (Schlumpf, Suri, Niklas Schlegel) oder zwischendurch auf die Tribüne mussten (Brunner), sind nun die Leitwölfe im bisher besten Spiel.

Fischers ganz grosse Stärke

Ein Hinweis auf die ganz grosse Stärke von Nationaltrainer Pa­trick Fischer: Er ist ein charismatischer Kommunikator, der es versteht, die Spieler für sich zu gewinnen, zu begeistern und zu einer Einheit zusammenzuschweissen – eine Qualität, die seine taktischen Schwächen bei weitem aufwiegt. Taktische Schwächen? Auch davon war nun erstmals gar nichts mehr zu ­sehen. Das letzte Drittel gegen Tschechien war taktisch das beste des Turniers. Die Arbeit von Taktiklehrer Tommy Albelin trägt langsam, aber sicher Früchte.

Suri rühmt, wie alle anderen auch, erst einmal die Leistung von Schlegel. Der ZSC-Goalie hat in seiner ersten WM-Partie gleich den Sieg herausgehext. Suri sagt: «Dass er zum Zuge kommt und gleich eine solche Leistung erbringt, zeigt, wie gut die Stimmung ist. Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.» Das gelte auch für ihn. «Ich war sicher nicht glücklich, dass ich am Anfang nicht spielen durfte. Aber ich habe alles getan, um bereit zu sein, wenn ich meine Chance bekomme.» Er fühle sich sehr gut. «Wir haben als Mannschaft im Laufe des Turniers etwas auf­gebaut. Nach dem Startspiel sind wir erst einmal abgeschrieben worden, nach der Niederlage gegen Frankreich erst recht.» Schon deshalb sei ein Vergleich mit der Silber-WM von 2013 nicht möglich. «Dort sind wir ja mit neun Siegen hintereinander bis in den Final durchgelaufen.»

Jeder akzeptiert seine Rolle

Dominik Schlumpf blieb nach einer grossen Leistung leise, freundlich und bescheiden. So, wie es seine Art ist: «Ich bin froh, dass ich meinen Beitrag zu diesem Spiel leisten konnte.» Diaz assistierte zum 1:0 und war beim 3:1 im Einsatz. Das Minus in der Statistik ist weg, er hat nun eine Plusbilanz (+1). «Aber das spielt nun wirklich keine Rolle. Wir sind eine Mannschaft, und ich habe noch gar nicht an meine Statis­tik gedacht.» Auch der Captain rühmt die Stimmung im Team – und die taktischen Fortschritte. «Wir stehen in unserer Zone sehr gut, behalten kühlen Kopf und spielen einfach. Nun müssen wir den Schwung in den Viertelfinal mitnehmen.» Auch Brunner freute sich über sein 3:1. Wegen mangelnder Leistung auf die Tribüne und jetzt zurück und Torschütze. Ein starkes Comeback. Hatte er sich bei Fischer über die Zurückversetzung beschwert? «Sicher nicht. Wenn ich in meiner Zeit in Nordamerika etwas gelernt habe, dann das Akzeptieren jeder Rolle.» Das ist eine der grossen Qualitäten dieser Mannschaft: Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.