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Gute Manieren während der Schlammschlacht

Am Wochenende geht es in die nächsten Spielrunden des Six-Nation-Turniers. Versprochen wird internationaler Rugby-Wettkampf vom Feinsten. Auch hierzulande findet der Sport immer mehr Fans – und Spieler.
Auch zwischen England (in Weiss) und Frankreich ging es am diesjährigen Six-Nations-Cup hart zur Sache. (Bild: Tim Williams/Imago (London, 10. Februar))

Auch zwischen England (in Weiss) und Frankreich ging es am diesjährigen Six-Nations-Cup hart zur Sache. (Bild: Tim Williams/Imago (London, 10. Februar))

Das Rugby-Spiel verdankt seine Geburt einem Zufall: Es war im Jahr 1823, als ein ungestümer Student namens William Webb Ellis genug hatte von den konventionellen Fussballregeln. Ohne lange zu fackeln, packte er den Ball unter seinen Arm und rannte Richtung Torlinie, um ihn lautstark zu versenken. Die Szene spielte sich im englischen Marktstädtchen Rugby ab, der Rest ist Sportgeschichte.

Rugby begeistert rund 6 Millionen aktive Spielerinnen und Spieler weltweit, wovon fast zweieinhalb Millionen bei einem Verein registriert sind. Wie der 12-jährige Sonny Feeney, der jeden Samstagmorgen beim Nordlondoner Club Hampstead RC mittrainiert. «Es ist toll», schwärmt der Sekundarschüler, «man kann sich immer irgendwo ins Spiel hineinwerfen und involviert sein. Ausserdem ist der Teamgeist erstes Level.» Der englische Nationalsport muss sich dabei hintenanstellen: «Rugby ist 10-mal besser als Fussball und macht 100-mal mehr Spass», hält Sonny fest, ohne mit der Wimper zu zucken.

Wie Schach und Boxen

Sein Trainer heisst Rupert Morrison (44) und stammt aus einer der Hochburgen des Spiels, Neuseeland, wo Morrison schon als 5-jähriger Knirps «barfuss mit einem Rugbyball herumraste». Er beschreibt den Ballsport mit Sorgfalt und Stolz: «Auf der einen Seite ist Rugby wie Schachspielen, auf der anderen Seite wie ein Boxmatch. Es hilft schon, sehr clever und zusätzlich extrem fit zu sein.» Die Rugby-Grundregel scheint simpel: Es geht darum, den eiförmigen Ball auf oder hinter die Goallinie des Gegners zu schmettern. Der Weg dahin präsentiert sich allerdings alles andere als gradlinig: Der Ball darf zum Beispiel nur im Rückwärtsgang zugespielt werden. «Rugby ist voller Entscheidungspunkte: Man muss schnell auffassen können, was sich gerade abspielt und dann – bang! – ausführen. Kommunikation ist extrem wichtig», erklärt Morrison, der tagsüber als Geschäftsführer in einem Tech-Unternehmen arbeitet.

Einen typischen Spieler gibt es seiner Meinung nach nicht: «Manche sind Gewichtheber, ­extrem massig und kraftvoll. ­Andere sind wie Korbball-Spieler, gross gewachsen und sprungbereit. Wiederum andere sind Gymnasten, klein, beweglich und schnell. Es gibt fast für jeden einen Platz im Spiel.» Rugby habe ein grosses Herz und kenne keine Barrieren: «Wir trainieren Kinder von hoch bezahlten Bankiers und solche, die aus ärmeren Umständen kommen. Auf dem Spielfeld verschwinden diese sozialökonomischen Unterschiede», beschreibt Morrison die Rugby-Demokratie. Trotz dem Image von Schlammschlachten und ungehobelten Manövern legt der Coach grossen Wert auf gute Manieren: «Wir sind Hooligans auf den Spielfeld und Gentlemen ausserhalb.»

Luzerner wollen bald ein Jugendteam

Auch die Schweiz kann auf eine langjährige Rugby-Kultur zurückblicken: Der erste offizielle Match wurde bereits 1869 aufgezeichnet. Es dauerte allerdings über 100 Jahre, bis sich das Spiel in einem Verband organisierte und dem internationalen Rugby-Vorstand IRB anschloss. Der Status einer Randsportart bleibt bis heute hängen – ganz im Gegensatz zu den USA, wo sich Rugby im Schnellzugtempo Richtung Mainstream bewegt. Trotzdem lassen sich in der Schweiz mittlerweile 15 regionale Clubs auflisten, darunter auch der Rugby Club Luzern (RCL). «Die Tendenz zeigt nach oben», beschreibt Vorstandsmitglied und Aktivspieler Dani Furrer die Situation in der Innerschweiz. «Es kommen immer wieder neue Teams in den Wettbewerb.» In Luzern sind laut Furrer derzeit rund 100 Spieler aktiv im Einsatz, «wobei zwei Drittel auf das Männer- und ein Drittel auf das Frauenteam abfallen».

Wie Rupert Morrison in London glauben auch die Entscheidungsmacher des RCL an Zuwachsraten und zunehmendes Interesse. «Wir besuchen seit Jahren Schulen in der Region, um Rugby den Kindern näherzubringen», berichtet Furrer. «Wir sind ausserdem daran, ein Jugendteam ins Leben zu rufen.»

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